Bamberg
Wahlkampf

1001 Vorhaben - Daniela Reinfelder (BuB) im Kandidaten-Check

Wohnungen und Betreuungsplätze stehen ganz oben im Wahlprogramm der OB-Kandidatin.
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Daniela Reinfelder im Gespräch mit FT-Lokalchef Michael Memmel.Foto: Barbara Herbst
Daniela Reinfelder im Gespräch mit FT-Lokalchef Michael Memmel.Foto: Barbara Herbst

Daniela Reinfelder ist eine streitbare Politikerin. Das haben Kolleginnen und Kollegen erlebt, seit die Architektin aus Gaustadt 2008 in den Bamberger Stadtrat eingezogen ist. Damals für die CSU. Doch schon drei Jahre später ist sie aus der Fraktion und eineinhalb Jahre darauf auch aus der Partei ausgetreten, und hat dann mit ihrer Liste Bambergs unabhängige Bürger (BuB) 2014 den Wiedereinzug in das Gremium souverän geschafft. Allerdings haben ihr dann die beiden Mitstreiter Hans-Jürgen Eichfelder und Pankraz Deuber den Rücken zugekehrt, so dass sie als Einzelkämpferin seither in der Großen Kooperationsgemeinschaft (GroKo) gemeinsam mit SPD, CSU und FDP-Solist Martin Pöhner die Geschicke der Stadt mitbestimmt.

Nun wirft sie ihren - vorzugsweise pinkfarbenen - Hut in den Ring, um im kommenden Frühjahr nicht nur mit einer neuen BuB-Liste, sondern auch als Oberbürgermeisterin ins Bamberger Rathaus einzuziehen.

Beim Bewerber-Interview, wie es FT-Lokalchef Michael Memmel mit allen Kandidaten führt, wurde allerdings nicht gestritten. Hart, aber auch herzlich ging Reinfelder auf die Fragen ein, und formulierte ihre politischen Vorstellungen, Forderungen und Pläne für Bamberg. Um ein kurzes Statement zu ihren Mitbewerbern gebeten, meinte sie salomonisch: "Alle kämpfen um dieses hohe Amt." Die Bewerberin um den Chefsessel im Rathaus sagt über ... ... ihr Zerwürfnis mit der CSU und Christian Lange: Den Austritt aus der CSU habe sie nie bereut. Und auch nicht die Art und Weise wie er abgelaufen sei. "Das ging nicht leiser - und war dem Verhalten der CSU geschuldet." Die Vorwürfe gegen Lange, Reinfelder sprach damals von "Ausgrenzung, Mobbing, Hinterzimmerpolitik", will sie nicht zurücknehmen. Allerdings sei das Verhältnis inzwischen "wesentlich entspannter". "Es gibt auf der Sachebene die Dinge, die zu besprechen sind. Die werden besprochen. Und von daher gibt es eigentlich keinen Streit mehr." Auf die Nachfrage von Michael Memmel bestritt Reinfelder, dass sie kandidiere, um Lange zu ärgern. Sie trete wie er für dieses Amt an. "Ich weiß nicht, ob er sich darüber ärgert." ... ihren Eintritt in die GroKo: Nach den Jahren, die sie im Stadtrat verbracht habe, sei klar gewesen, es gebe immer nur ein Ja und ein Nein. "Das heißt: Für Projekte braucht es Mehrheiten, für Mehrheiten braucht es auch dementsprechend Partner. Und mir war die Sache immer wichtiger als das Persönliche." Behauptungen, sie habe für die Kooperation die Sanierung des Gaustadter Stadions bekommen, weist Reinfelder nicht von der Hand. Der Oberbürgermeister habe eine stabile Mehrheit für bestimmte Projekte und den Haushalt gebraucht. Jeder aus den vier Gruppierungen habe sich im Messerschmitt-Papier Punkte aus den zuvor verhandelten Themen aussuchen können. "Und mein größtes Thema war das Gaustadter Stadion." ... den Amtsinhaber und die Muna: 2014 habe sie Andreas Starke bescheinigt, dass er "die Geschicke der Stadt im Großen und Ganzen gut lenkt", führte Memmel an. Heute frage sie, ob man sich weitere sechs Jahre eine "Politik der ruhigen Hand" leisten könne. Was sei in der Zwischenzeit passiert? Insgesamt gehe es Bamberg immer noch gut. Doch gebe es "Dinge, die ihm (Starke) völlig entglitten sind". Als Beispiel nannte Reinfelder das Thema Muna. "Wir haben da verloren, weil wir die Bürger aus meiner Sicht nicht mitgenommen haben und sie auch nicht gut informiert haben."

An einer Nutzung des Muna Areal hält Reinfelder weiterhin fest. Hier will sie zwei der Ankündigungen ihres Wahlprogramms realisieren. So will sie unter anderem in Bamberg "101 neue Betriebe ansiedeln" und "101 Hektar neue Grünflächen" schaffen. Von 150 Hektar Muna-Gelände kann sich Reinfelder 100 Hektar als Naherholungsfläche und 50 Hektar als Gewerbegebiet für Handwerk und innovative Startups vorstellen. ... das Wohnen in Bamberg: Kernpunkt von Reinfelders Programm sind "1001 neue bezahlbare Wohnungen" für Bamberg. Entstehen sollen sie zum großen Teil auf dem Konversionsgelände, zur Finanzierung stellt sich Reinfelder vor, dass dazu die gleichzeitig dort entstehenden hochpreisigen Wohnungen beitragen. Aber auch an der Entwicklung von Neubaugebieten wie Megalith und Jungkreut in Gaustadt will Reinfelder festhalten. Und für die jungen Familien fordert sie gleich noch "1001 Betreuungsplätze". ... den Verkehr und das Klima: Zu einer FT-Leserfrage an alle Kandidaten nach einem kostenlosen ÖPNV meint Reinfelder: "Das werden wir uns nicht leisten können." Es müsse auch weiterhin einen "Mix an Verkehrsmitteln " geben. Dazu gehöre auch das Auto. Besonders angetan hat es Reinfelder vor allem die Idee einer Seilbahn. Die sieht sie schon vom Kreuzfahrer-Hafen über Gaustadt und den Michelsberg bis zum Klinikum und nach Bug klar vor Augen. Was beim Publikum, wohl in Anlehnung an die einst geplante Bergverbindung, doch ein Schmunzeln auslöste. Weniger geschmunzelt haben manche bei Reinfelders klarer Aussage zum Klimawandel. Den gebe es, aber weder der Mensch noch das - das vielmehr für Pflanzenwachstum sorge - hätten etwas damit zu tun. Deshalb seien auch diesbezügliche Klimaschutzbemühungen der Stadt nicht nötig.

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