Gemünden am Main
Gericht

Zwei Zugpassagiere werden wegen eines Handgemenges zu Geldstrafen verurteilt

Ein teures Nachspiel hat für zwei junge Männer ein Diskothekenbesuch in Würzburg im August des vergangenen Jahres.
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Die beiden in den Landkreisen Main-Spessart und Bad Kissingen wohnenden Männer hatten auf der Heimfahrt von Würzburg nach Gemünden einen Zugbegleiter beschimpft und geschlagen. Dafür mussten sie sich jetzt wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Gemünden verantwortlichen.
In der Hauptverhandlung wurde der Vorfall unterschiedlich geschildert. Die beiden 32 und 33 Jahre alten Männer, die sich nach einer durchzechten Nacht ohne gültigen Fahrschein mit dem Zug auf den Heimweg gemacht hatten, wollen im Zug eingeschlafen sein. Am Haltepunkt Wernfeld wurden sie laut ihrer Darstellung durch lautstarke Beschimpfungen des Zugbegleiters wach. Die Worte "Besoffene, asoziale Penner" und "Besoffene Kanaken, verpisst euch" sollen gefallen sein.
"Ich weiß nicht mehr viel", sagte einer der beiden Angeklagten. Dass der Zugbegleiter ihn gepackt und er sich gewehrt hatte, daran konnte er sich noch erinnern. An dem anschließenden Handgemenge sollen sich auch andere Fahrgäste beteiligt haben, die dem Schaffner zu Hilfe geeilt waren. Nur einer von ihnen war als Zeuge vor Gericht erschienen. Seine Aussage wich in großen Teilen von den Schilderungen der Angeklagten ab, aber auch von der des Zugbegleiters.

Die Aussagen differieren

So berichtete der Zeuge, dass der Schaffner nach den Fahrscheinen gefragt hatte, was der Schaffner und auch die Angeklagten jedoch einmütig bestritten. Schließlich sei "es laut geworden" im Abteil. "Beleidigungen von beiden Seiten" seien gefallen, schließlich "haben beide ihn geschlagen und getreten", sagte der Zeuge. Er gab an, dass die Notbremse gezogen wurde und der Lokomotivführer in das Abteil kam.
Darüber erwähnte der bei der Auseinandersetzung leicht verletzte Zugbegleiter in seiner Schilderung jedoch nichts. Auch bestritt er, selbst beleidigende Äußerungen gemacht zu haben. Der Schaffner konnte sich außerdem die mit einer Handykamera dokumentierten Halsverletzungen bei einem der Angeklagten und das zerrissene T-Shirt nicht erklären.
Dennoch sah die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung als bewiesen an. Ihr Plädoyer stützte sich hauptsächlich auf die Aussage des Zeugen. Obwohl der Zugbegleiter lediglich eine kleine Schnittwunde am Finger und leichte Schmerzen an Bein und Gesichtshälfte davon getragen hatte, schloss sie einen minderschweren Fall aus. Sie forderte für die zwei Angeklagten die gesetzliche Mindeststrafe von sechs Monaten auf Bewährung sowie die Zahlung von jeweils 300 Euro Schmerzensgeld an den Zugbegleiter und die Übernahme der Kosten des Verfahrens.
Die Verteidigerin sah den Tatvorwurf aufgrund der vielen widersprüchlichen Aussagen keineswegs als erwiesen an. Sie hielt den Zeugen für "nicht glaubwürdig" und forderte einen Freispruch.
90 Tagessätze zu je 40 Euro für den Mann aus Main-Spessart und 90 Tagessätze zu je 35 Euro für den Mann aus dem Landkreis Bad Kissingen lautete das Urteil. Beide müssen die Kosten des Verfahrens tragen. Die Richterin erkannte einen minderschweren Fall an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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