LKR Bad Kissingen
Modellprojekt

Zwei Projekte sollen Versorgung im Kreis Bad Kissingen verbessern

Zwei Jahre lang haben die Landkreise KG und NES geforscht. Nun soll es eine App für den Nahverkehr und technische Hilfen für Landärzte geben.
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Die Idee ist einfach, die technische Umsetzung muss noch getestet werden: Beim Projekt "Mona" erhebt eine medizinische Fachkraft Daten beim Patienten daheim und übermittelt sie an den Arzt in der Praxis. Hier demonstrieren Udo Heimann und Marion Hümmler vom Zentrum für Telemedizin das System.  Foto: Ralf Ruppert
Die Idee ist einfach, die technische Umsetzung muss noch getestet werden: Beim Projekt "Mona" erhebt eine medizinische Fachkraft Daten beim Patienten daheim und übermittelt sie an den Arzt in der Praxis. Hier demonstrieren Udo Heimann und Marion Hümmler vom Zentrum für Telemedizin das System. Foto: Ralf Ruppert
Der Name ist sperrig, aber das Thema existenziell für Regionen wie den Landkreis Bad Kissingen: "Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen" lautet der Titel eines Modellvorhabens des Bundesverkehrsministeriums, an dem sich die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld beteiligten. Zwei Jahre wurden Daten zur Bevölkerungsentwicklung gesammelt, Bürger befragt, Konzepte geschrieben. Aus Berlin kamen dafür 490 000 Euro Zuschuss. Im September treffen sich Vertreter aus den 18 Modellregionen in der Hauptstadt. Aber was bleibt konkret vor Ort? Wir haben nachgefragt.


Testbetrieb mit einem Elektro-Bus

Etwas zum Anfassen gibt es bereits seit dem Frühjahr in Bad Neustadt: Dort testen die Stadtwerke einen Elektro-Bus. Begonnen hat der auf der 240 Kilometer langen Linie 2. "Wir haben viele positive Rückmeldungen", zieht Ulrich Leber, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Neustadt, nach drei Monaten Bilanz. Allerdings gebe es auch noch "Regulierungsbedarf": Der Bus sei zwar bislang nie liegen geblieben, musste aber schon mehrfach außer Betrieb genommen werden: Mal gab es Probleme mit der Lade-Anzeige, mal klemmte eine Tür. "Das hat nach wie vor Pilotcharakter", sagt Leber deshalb und hofft, dass weitere Hersteller Elektro-Busse entwickeln. Dadurch könnte sich auch der Preis-Unterschied reduzieren: 304 000 Euro war der E-Bus teurer als ein konventioneller, 40 Prozent der Mehrkosten wurden bezuschusst.
Elektromobilität und Nahverkehr sind auch Teil der beiden Projekte, die im Landkreis Bad Kissingen nun angegangen werden: Zum einen geht die mobile netzwerkmedizinische Assistenz (Mona) in die Praxis, zum anderen soll eine App entwickelt werden, die bei der Suche nach Bus-Verbindungen hilft. Mona war ursprünglich als Aushängeschild des gesamten Projekts gedacht: Eine Arzthelferin sollte mit einem Elektro-Auto übers Land fahren und sich im Haus des Patienten mit dem Arzt zu einer Art digitaler Visite verlinken.
"Es war klar, dass es kompliziert wird", sagt Jürgen Metz vom Landratsamt Bad Kissingen rückblickend. Die erste Arzt-Praxis, die sich beteiligen wollte, sprang ab. In der vergangenen Woche wurde nun aber die Ausrüstung an vier neue Praxen ausgeliefert, drei davon im Landkreis Bad Kissingen (siehe Info-Kasten). Neben der technischen Umsetzung gab es politische Fragen: Metz hofft unter anderm, dass das Fernbehandlungsverbot abgeschafft wird, damit Mona-Leistungen auch abgerechnet werden können.
Finanziell sei das Mona-Projekt tatsächlich noch nicht interessant, betont der Hammelburger Arzt Dr. Fuat Edgü: "Ich erhoffe mir eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem Land", begründet er seine Teilnahme. Viele seiner Patienten seien gehbehindert oder hätten einfach keine Möglichkeit mehr, in die Praxis zu kommen. Außerdem hat der Hammelburger Mediziner Filialen in Oberwerrn und Maßbach, die er mit seinem Ärztezentrum in Hammelburg vernetzen will. Aber: "Es geht nicht um Ersatz, sondern um Ergänzung."


Erste Einschätzung aus der Ferne

Auf alle Fälle sei regelmäßig ein Arzt in den Filialen. Wenn der unterwegs sei, könne eine Arzthelferin ein EKG schreiben und weitergeben oder per Video-Konferenz Bilder aus dem Innenohr zeigen. "Was ich aus der Ferne nicht machen kann, ist ein Tastbefund, auch für Blutwerte muss der Patient in die Praxis kommen, aber es hilft bei der ersten Einschätzung", berichtet Edgü. Er selbst habe sogar testweise bereits im Ausland übers Handy Kontakt mit seiner Praxis in Hammelburg aufgenommen. "Ich finde das sehr spannend", sagt Dr. Edgü, und: "In anderen Ländern wird das längst praktiziert."
Beim Zentrum für Telemedizin betreut Christoph Müller das Projekt Mona. "Alles, was wir geplant haben, ist einsatzfähig", verweist er auf die Auslieferung der Ausstattung an die vier Praxen. Die Koffer enthalten unter anderem Stethoskope zur Übertragung von Herz- und Lungentönen, Otoskope für Bilder aus dem Innenohr und mobile EKG-Geräte. Nun gehe es im Test um den "Mehrwert für die ambulante Versorgung".
Noch in der Entwicklung sind neue Konzepte für den Nahverkehr. "Viele Menschen können die Fahrpläne nicht lesen, und wer einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, fährt nie wieder Bus", fasst Metz die Ergebnisse der Umfragen zusammen. Deshalb soll eine App bei der Suche nach der besten Verbindung helfen. Zudem seien neue Ideen gefragt, etwa mehr Rufbusse. Der Landkreis denke auch über Flächen- statt Linien-Konzessionen nach, denn: "Es muss flexibler werden." Außerdem seien bestehende Angebote wie die kostenlose Schülernetzkarte noch nicht bekannt genug.


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