Bad Kissingen
Ausbildungsmarkt

Zum ersten Mal mehr Lehrstellen als Bewerber

Thomas Schlereth, Berufsberater an der Kissinger Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit strahlte, als er eine der Folien mit statistischen Daten kommentierte.
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Schlereth:"Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz waren noch nie so gut wie 2013." Im Landkreis Bad Kissingen gab es zum Stichtag 30. September 919 Ausbildungsstellen für 842 Bewerber.
"Rechnerisch kamen also 1,09 Stellen auf jeden Bewerber", freute sich Geschäftsstellenleiter Marco Baier. "Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort". Allerdings sei ein leichter Rückgang der Bewerber zu verzeichnen, was Baier mit der demographischen Entwicklung, aber auch mit zurückgehender Zahl von Schulabgängern begründete. Auch sei der Trend zu weiterführende Schulen ungebrochen.
Walter Seit, Bereichsleiter Main Rhön, betonte, dass die Situation mit immer weniger Schulabgängern, die für betriebliche Ausbildung in Frage kommen, die Firmen zum Nachdenken bringen müsse: "Es wird schon in naher Zukunft einen Wettbewerb um die besten Köpfe geben". Dies sei in bestimmten Branchen des Handwerks und des Handels heute schon üblich. Einige Firmen hätten das erkannt. So berichtete Seit von Ausbildungsbetrieben, die ein I-Phone zum Ausbildungsvertrag legen oder die Hälfte der Führerscheinkosten übernehmen. Auf Vorrat auszubilden empfahl er den Betrieben.
"Alle wollen Industriemechaniker, keiner will Maler werden." Leicht überspitzt formulierte der Bereichsleiter die Situation bei den Wunschberufen und die Agentur fordere in den Beratungsgesprächen die Schüler auf, flexibel zu sein. Die Firmen machten zunehmend die Erfahrung, dass auch weniger begabte Menschen oder Schüler mit Migrationshintergrund oftmals zuverlässige Mitarbeiter sein können. Er ermunterte die Betriebe, die schulischen Praktika zu nutzen, um für ihre Betriebe zu werben.
Um als junger Mensch den Wunschberuf, als Firma passgenaue Bewerber zu finden, hat die Agentur in Bad Kissingen ein Modell entwickelt, das in Deutschland nahezu einmalig ist. Bereits ab der Vorabgangsklasse wird die Berufsberatung intensiviert und die Schüler absolvieren einen Tag in der Woche als Praktikumstag an einem Ausbildungsplatz in einer Firma. So finden viele Schüler teilweise direkt eine Stelle, ohne die Agentur einschalten zu müssen. Die Kosten für dieses "Berufsorientierungsnetzwerk" teilen sich Schule und Agentur. Nicht immer könne der Wunschausbildungsplatz besorgt werden, aber die Agentur für Arbeit habe inzwischen so vielfältige Möglichkeiten, dass Thomas Schlereth meinte: "Wir können jedem helfen, der sich ernsthaft um einen Ausbildungsplatz bemüht". So hält der Agenturbezirk u.a. 250 Plätze für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen vor und fördert die Ausbildung von 360 lernbeeinträchtigten oder sozial benachteiligten Jugendlichen.
Auch zwölf Berufseinstiegsbegleiter an Mittel- und Förderschulen helfen bei der Eingliederung in eine Ausbildung. Insgesamt hätten im letzten Ausbildungsjahr 842 Bewerber die Hilfe der Agentur für Arbeit in Bad Kissingen in Anspruch genommen und einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen. Alle noch nicht vermittelten Jugendlichen wurden zu Einzelgesprächen eingeladen, um ihnen weitere Angebote zu unterbreiten. Allerdings sei die Ausbildungs bzw. Berufsberatung ja keine Pflicht und der eine oder andere melde sich auch nach Aufforderung nicht, weil er inzwischen selbst einen Platz gefunden oder sich für weiterführende Schulen entschieden hat.

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