Bad Kissingen
Gesundheit

Zukunft der Kliniken im Blick

Keine Angst vor Privatkliniken und Telemedizin gab es bei einer Diskussionsrunde in der Deegenbergklinik.
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Das Helios St.-Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen hat seinen Kreißsaal bereits 2015 geschlossen. Foto: Siegfried Farkas
Das Helios St.-Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen hat seinen Kreißsaal bereits 2015 geschlossen. Foto: Siegfried Farkas

Sorgen um die Privatisierung ehemals kommunaler Krankenhäuser sowie die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen der Telemedizin bestimmten einen Großteil der dreistündigen CSU-Veranstaltung in der Deegenbergklinik. Zuvor hatten der Bad Kissinger Allgemein- und Notfallmediziner Ralph Brath, der Bad Neustädter Kardiologe und Klinik-Chefarzt Sebastian Kerber sowie Sebastian Dresbach, Geschäftsführer des Bad Kissinger Zentrums für Telemedizin, mit Kurzvorträgen in das Thema der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum eingestimmt (wir berichteten).

Etwa hundert Gäste konnten Eberhard Gräf, Vorsitzender der Senioren-Union, sowie Herzchirurg und BRK-Kreisvorsitzender Alexander Siebel als Vorsitzender des gesundheitspolitischen Arbeitskreises der Landkreis-CSU am Montagabend begrüßen. Es waren "weit mehr Zuhörer, als sich angemeldet hatten", woraus Gräf folgerte: "Das Thema brennt uns allen auf den Nägeln." Doch nicht nur die Bürger als Patienten, auch Ärzte und die Politik sorgen sich um die medizinische Zukunft und suchen nach Lösungen, wie Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner als Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bayerischen Landtag an Beispielen deutlich machte.

Einen größeren Raum in der Diskussion nahm die Privatisierung einst kommunaler Krankenhäuser ein. Aus Wortmeldungen und spontanem Applaus des Publikums war eine gewisse Skepsis gegenüber den von Aktiengesellschaften betriebenen Kliniken zu hören. Zweifel an ausreichender Fürsorge für die Patienten wurde deutlich, während anscheinend der Klinikbetrieb ausschließlich nach Gewinnmaximierung und Dividenden ausgerichtet sei. So wunderte sich Bezirksrätin Karin Renner über den Weggang vieler deutscher Fachärzte und den häufigen Wechsel in der Geschäftsleitung im Bad Kissinger Helios Krankenhaus St. Elisabeth.

Doch nicht nur Experte Alexander Siebel widersprach als Leiter der Devicechirurgie an der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt dieser Auffassung und verwies auf wichtige Investitionen der Betreibergesellschaft, die den Ärzten ihre Arbeit erleichtern. "So haben wir mehr Zeit für unsere Patienten." Auch eine Seniorin aus der Zuhörerschaft lobte nachdrücklich die Arbeit an der Neustädter Herzklinik und bedankte sich für die bei ihr kürzlich vorgenommene Operation.

Zuletzt zu wenig Geburten

Enttäuscht war Agnes Brath über die Schließung des Bad Kissinger Kreißsaals im März 2015. Die Entbindungen im Notarztwagen würden wegen der weiteren Entfernungen in Krankenhäuser in Schweinfurt, Bad Neustadt, Würzburg, Fulda oder sogar Meiningen zwangsläufig zunehmen. "Gott sei Dank ist die Abteilung geschlossen", ereiferte sich prompt Deegenberg-Chef Peter Deeg. Doch meinte er damit nicht die fachliche Qualifikation der damaligen Mitarbeiter, sondern die zuletzt allzu geringe Zahl von nur 300 Geburten im Jahr. Das sei zu wenig, so Deeg, denn nur ein Krankenhaus mit hoher Geburtenzahl könne die erforderliche Professionalität garantieren. Auch Landrat Thomas Bold verteidigte die Schließung der Geburtsstation im Elisabeth-Krankenhaus und gab den Schwarzen Peter zurück: Statt zur Entbindung ins nahe Eli zu gehen, seien viele Schwangere in den Vorjahren nach Schweinfurt oder Fulda gefahren. Der Vorgang sei ähnlich wie beim Dorfladen: "Jeder schreit, wenn er dicht ist, aber niemand hat vorher dort eingekauft." Einen Lichtblick in der ärztlichen Versorgung sah Landtagskandidat Steffen Hörtler in der Telemedizin. Er bemängelte, bei jedem Arztwechsel oder Facharztbesuch seine "alten vergilbten Röntgenbilder zu Hause suchen" und als medizinischer Laie jedes Mal Fragen nach bisherigen Krankheiten beantworten zu müssen. Er hielt es deshalb für dringend, sämtliche Gesundheitsdaten auf einer Chipkarte zu speichern, deren Inhalt jeder behandelnde Arzt im In- oder Ausland abrufen könne. "Sie sprechen mir nicht nur, Sie schreien mir geradezu aus dem Herzen", ging ZTM-Geschäftsführer Sebastian Dresbach darauf ein. Doch lasse der geltende Datenschutz dies nicht zu.

Vieles hätten die Zuhörer wohl noch mit den Experten diskutieren wollen. Doch nach drei Stunden sahen sich Eberhard Gräf und Alexander Siebel gezwungen, ihre Veranstaltung zu beenden. Gräf: "Wir haben viel über mögliche Entwicklungen der ärztlichen Versorgung gehört, aber auch über die Grenzen der Telemedizin."



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