Bad Kissingen
Umfrage

Zeitung bleibt wichtigstes Medium

80 Prozent der Landkreis-Bewohner sehen Berichte auf Papier als wichtige Informationsquelle. Vor allem bei Jüngeren holen jedoch Internet und soziale Medien auf.
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Für den Freie-Wähler-Landtagsabgeordneten Günther Felbinger ist die Saale-Zeitung so wichtig, dass er sie sich sogar per Post nach Langenprozelten schicken lässt. Trotz Internet und sozialer Medien genießt er das Zeitungslesen beim Frühstück oder unterm Tag. Foto: Ralf Ruppert
Für den Freie-Wähler-Landtagsabgeordneten Günther Felbinger ist die Saale-Zeitung so wichtig, dass er sie sich sogar per Post nach Langenprozelten schicken lässt. Trotz Internet und sozialer Medien genießt er das Zeitungslesen beim Frühstück oder unterm Tag. Foto: Ralf Ruppert
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Günther Felbinger ist nicht nur Abonnent der Saale-Zeitung, sondern nimmt sogar den Nachteil in Kauf, dass er die Zeitung erst gegen 11 Uhr mit der Post bekommt. Denn: Der Freie-Wähler-Landtagsabgeordnete wohnt nicht im Landkreis Bad Kissingen, sondern in Langenprozelten. "Ich liebe die Vielfalt an Informationen. Es geht nichts über die Zeitung auf Papier", betont Felbinger.
Das habe nichts mit Technikverweigerung zu tun: "Ich nutze auch die News-App und lese aktuelle Berichte online, aber das ersetzt für mich nicht die gedruckte Zeitung."


Persönlicher Bezug in den Kreis

Günther Felbinger will als Landtagsabgeordneter vor allem wissen, das im Landkreis Bad Kissingen vor sich geht. Zudem hat er einen persönlichen Bezug in die Region: "Meine Frau kommt aus Hassenbach, dort verfolgen wir die Berichte natürlich besonders genau." Wegen des Interesses an lokalen Themen gefällt Felbinger auch das Konzept der Saale-Zeitung: "Die lokale Titelseite passt gut zu einer kleinen Zeitung", sagt er, und: "Der Mehrwert ist, dass die Bedeutung der Region in den Vordergrund gestellt wird."
Diesen Fokus auf lokale Themen und die Inhalte der Saale-Zeitung sind für Felbinger auch trotz des Zeit-Verzuges noch interessant. "Die Zeitung kommt meistens so gegen 11 Uhr, oft lese ich sie dann halt am Abend oder am nächsten Morgen." Lediglich im Urlaub beziehe er die Zeitung online, aber selbst dann mit Einschränkungen: "Manchmal lese ich es trotzdem noch auf Papier nach."


Entspanntes Lesen auf Papier

Auch Josef Schuster, Mediziner in Würzburg und Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezieht die Saale-Zeitung nach wie vor auf Papier. Sein Interesse gelte vor allem dem Lokalteil Bad Brückenau, weil dort seine familiären Wurzeln liegen und er Grundbesitz geerbt habe. "Prinzipiell ist es mir wichtig, eine Zeitung in der Hand zu haben. Das Lesen in elektronischer Form ist mir persönlich zu umständlich und ermöglicht mir kein entspanntes Lesen", begründet Schuster seine Gewohnheit.
Die beiden Beispiele von außerhalb des Landkreises passen zu den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage im Landkreis: 296 von 523 Befragten bezeichnen die Tageszeitung als wichtige, weitere 120 als "eher wichtige" Informationsquelle. Das sind zusammen 79,5 Prozent. Lediglich für 34 Befragte, also 6,5 Prozent, ist die Tageszeitung unwichtig. Das Internet erachtet nur gut ein Drittel der Befragten als wichtige Informationsquelle, bei den sozialen Medien sinkt der Wert auf 15 Prozent (siehe Grafik). Bei der genauen Analyse zeigen sich einige Trends: 65,7 Prozent der Nicht-Berufstätigen ist die Zeitung besonders wichtig, aber nur 49,7 Prozent der Berufstätigen. Das hat viel mit der Altersverteilung zu tun: 71,2 Prozent der Generation 65plus halten die Zeitung für wichtig, weitere 16,3 Prozent zumindest für eher wichtig. Dagegen stuften nur 47,7 Prozent der 18- bis 39-Jährigen die Zeitung als wichtigste Informationsquelle ein. In dieser Altersklasse hat das Internet fast aufgeschlossen: 45,9 Prozent erachten das Internet als wichtig. In der Altersgruppe 65 plus sind es nur 22,1 Prozent. Noch krasser wird es bei den sozialen Medien: Immerhin für 23,5 Prozent der 18- bis 39-Jährigen sind Facebook, Twitter und Co. wichtig, aber nur 12,1 Prozent der Senioren.


"Geprüfte" regionale Inhalte

"Kein anderes Medium stellt Zusammenhänge und Hintergründe so umfassend und deutlich heraus wie eine Tageszeitung", sagt Paul Ziegler, Redaktionsleiter der Saale-Zeitung. "Die fundierte Nachricht, die von den Lokaljournalisten überprüfte Richtigkeit von Meldungen und ihrer Inhalte ist für den Leser wichtig." Andere Nachrichtenkanäle könnten diese "geprüften" regionalen Inhalte nicht liefern. Die Mediennutzung sei zudem abhängig von den eigenen Interessen: "Wer sich nur für das Ergebnis eines Fußballspieles interessiert, wird keine Tageszeitung haben müssen. Das erfährt man schneller aus dem Internet."


"Mehr als das gedruckte Wort"

In Zukunft werde der Einzelne noch deutlicher bestimmen, welche Informationen er haben will und entsprechend seine Quellen auswählen. "Ich bin überzeugt, dass die Tageszeitung dabei eine wesentliche Rolle spielen wird", sagt Ziegler. Im Wettbewerb mit dem Internet müsse die Tageszeitung weiter an ihrer Qualität arbeiten, um ältere und jüngere Menschen von der Relevanz des gedruckten Wortes zu überzeugen. "Aber ein Verlag wie der unsere macht heute schon viel mehr als nur das gedruckte Wort. Auch wir sind online vielfältig unterwegs und haben neue digitale Nachrichtenkanäle aufgebaut", betont Paul Ziegler.

Verteilung Das Bamberger Centrum für Empirische Studien (BACES) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hat insgesamt 533 Menschen zu Themen rund um Lebensqualität, Angebote in der Region, Handlungsfelder und Mediennutzung befragt. Aus der Stadt Bad Kissingen wurden 213 Menschen befragt, das entspricht etwa einem Prozent der Bevölkerung, aus den restlichen 25 Kommunen waren es zusammen 320 Befragte, also etwa 0,4 Prozent der Bevölkerung.

Geschlecht Für die Studie haben die BACES-Mitarbeiter 277 Frauen und 256 Männer befragt. Diese Verteilung von 52 zu 48 Prozent spiegelt in etwa die Verteilung in der Bevölkerung wider.

Alter und Bildung 171 Teilnehmer waren 18 bis 39 Jahre alt, 212 zwischen 40 und 64, 135 älter als 65. 190 Befragte gaben einen niedrigen, 167 einen mittleren und 168 einen hohen Bildungsabschluss an.
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