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Heimatgeschichte

Wollbacher Pieta war monatelang verschwunden

Vor 25 Jahren wurde die Pieta aus der Siebenschmerzkapelle in Wollbach gestohlen. Im Februar 1988 tauchte das Diebesgut wieder auf.
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Die Pieta in der Siebenschmerzkapelle in Wollbach schuf Bildhauer Heinz Schiestl (Würzburg) im Jahr 1915. Foto: Alfred Saam
Die Pieta in der Siebenschmerzkapelle in Wollbach schuf Bildhauer Heinz Schiestl (Würzburg) im Jahr 1915. Foto: Alfred Saam
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Großer Schrecken herrschte kurz vor Weihnachten des Jahres 1987 in Wollbach, denn die Pieta, das Kleinod der Siebenschmerzkapelle, war gestohlen. Hubert Weißenseel aus Wollbach war der erste, der den Diebstahl am Sonntag, 20. Dezember, bemerkte.

Sofort ging er in das Haus des Rudolf May. Denn der besuchte immer wieder die Siebenschmerzkapelle, verschloss sie damals aber nicht - wie heute - regelmäßig. Karoline May, seine Schwägerin, benachrichtigte sofort den damaligen Ortsreferenten Emil Höchemer über den Diebstahl. In der Folge wurde die Kriminalpolizei verständigt, die alle Spuren aufnahm. Allerdings war keine davon verwertbar.

Die Saale-Zeitung schrieb in ihrer Ausgabe vom 21. Dezember 1988: "Zehn Tage nachdem bislang unbekannte Täter aus einem Heiligenhäuschen in Bad Bocklet eine wertvolle Madonnenfigur gestohlen hatten, wurde jetzt in der Nacht auf Sonntag, 20. Dezember, in der Siebenschmerzkapelle an der Ortsverbindungsstraße von Wollbach nach Premich eine Pieta geraubt. Unbekannte Täter hatten die Kapellentüre aufgebrochen und die zirka 110 mal 60 Zentimeter große, handgeschnitzte Pietà mitgenommen. Außerdem stahlen die Einbrecher noch drei goldene Barock-Kerzenständer. Der Wert der Beute beläuft sich auf sechs- bis achttausend Mark. Der Sachschaden liegt bei etwa 500 Mark."

Figur ist fast 100 Jahre alt

Die Pieta stammt aus dem Jahre 1915, als die Siebenschmerzkapelle noch unter Führung der Kirchenverwaltung in Burkardroth mit Pfarrer Ludwig Kolb stand. Zu dieser Zeit hatte an der vernachlässigten Anlage eine größere Renovierung angestanden. Aus diesem Anlass erwarb man von dem Kunstbildhauer Heinz Schiestl aus Würzburg die Pieta für 507 Mark.

Zur großen Freude tauchte die gestohlene Pieta im Februar 1988 wieder auf. Die Heimkehr der Holzstatue lief über Pfarrer Anton Reinhard. Er war von einem Amtskollegen aus Nordhessen verständigt worden, bei ihm sei eine Pieta abgegeben worden, die angeblich aus dem Raum Bad Bocklet stamme. Unverzüglich fuhren Pfarrer Anton Reinhard und der Ortsreferent Emil Höchemer nach Rotenburg an der Fulda und holten die geschätzte Pieta zurück.

Der Pfarrer aus Rotenburg berichtete glaubhaft, ein am Diebstahl unbeteiligter habe die etwa 90 Zentimeter hohe Holzstatue bei ihm abgegeben. Nach dessen Angaben stamme sie aus dem Raum Bad Bocklet. Nachdem in Bad Bocklet aber keine solche Pieta vermisst wurde, wurde der Ortsreferent Emil Höchemer verständigt, der der Beschreibung nach die Pieta aus Wollbach erkannte. Es fehlte allerdings der silberne Strahlenkranz rund um die Figur. Das jedoch hielt weder Pfarrer noch Ortsreferent davon ab, ins Hessische zu fahren. In Rotenburg wurde ihnen die Holzfigur nach ihrer Identifizierung mittels Foto vom dortigen Pfarrer übergeben.

Die Statue durfte nicht bleiben

Allerdings durfte die Statue nicht endgültig in ihrer Heimatgemeinde bleiben. Mit Vorwürfen gegenüber den Abholern der Pieta aus Rotenburg holten Beamte des Landeskriminalamtes die Figur nach München. Eine "kriminaltechnische" Untersuchung sollte bei der Ermittlung des Täters oder des Weges helfen, den das Diebesgut genommen hatte. Was jedoch dabei herauskam, ist nicht bekannt.

Der fehlende Strahlenkranz war nicht die einzige "Macke" an der Pieta, auch ein Stück des Sockels war herausgesägt. Nach dem Diebstahl planten Wollbacher Bürger, über Spenden eine ähnliche Pieta zu beschaffen. Sie stellten fest, dass ein Kunstwerk dieser Art zwischen 10.000 und 15.000 Mark kosten würde.

Nachdem Adolf Rottenberger aus Wollbach die Pieta nach ihrer Rückkehr aus München gründlich renoviert und mit einen neuen Strahlenkranz versehen hatte, kam sie im Sommer 1988 wieder an ihrem alten Platz in der Siebenschmerzkapelle.

Gleich darauf wurde an der Kapellentür von der Firma Otto Kröckel ein Eisengitter angebracht. Seit dieser Zeit wird die Kapelle von einer Person frühmorgens auf- und am Abend wieder abgeschlossen. Die Bevölkerung aus Wollbach hütet ihre Kapelle seitdem wie ihren eigenen Augapfel, ein weiterer Raub soll schließlich nur schwer möglich sein.

Quellen: Saale-Zeitung; Elli Grom, Wollbach; Theresia Höchemer, Wollbach


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