"Das Leitungswasser riecht nach Chlor" war in den vergangenen Tagen mehrfach in sozialen Netzwerken zu lesen. "Sonst rieche ich nichts, aber am Sonntag ist es mir stark aufgefallen. Das kratzt richtig im Hals", berichtet auch Walter Kunigk. Der 76-Jährige ist vor 15 Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach Bad Kissingen gezogen. Chlorgeruch kennt er, weil er früher im Labor arbeitete. Etliche Bürger meldeten sich bei den Stadtwerken, weil sie eine Verschmutzung des Wassers befürchteten. Der Wasser-Versorger gibt aber Entwarnung: "Im Trinkwassernetz der Stadtwerke gibt es keine Probleme mit Keimen", betont Willi Schulz, der fürs Trinkwasser zuständige Abteilungsleiter. Trotzdem werde an manchen Stellen sicherheitshalber gechlort.

Die Stadtwerke unterhalten insgesamt ein rund 212 Kilometer langes Netz an Wasserleitungen, durch das jedes Jahr rund 1,8 Millionen Kubikmeter, also 1,8 Milliarden Liter, fließen. Genau genommen handelt es sich aber um sieben getrennte Netze, weil das Wasser aus sieben unterschiedlichen Bezugsquellen kommt. Das Problem mit dem Chlorgeruch trat wohl vor allem in den Straßen auf, die mit Wasser aus dem Talgrund Münnerstadt versorgt werden, also an Sinnberg, Wendelinus, Staffels und in der Hochzone Garitz.

"Die Leitung von Münnerstadt nach Bad Kissingen ist rund elf Kilometer lang, deshalb setzen wir eine so genannte Transport-Chlorung ein", sagt Schulz. Direkt in Münnerstadt werde eine geringe Menge Chlor-Dioxid zugesetzt. Direkt in Münnerstadt und dann noch einmal am Hochbehälter Sinnberg wird die Chlorkonzentration gemessen und dokumentiert. Schulz hat die Werte der vergangenen Tage überprüft: "Es gibt keine Auffälligkeiten oder Abweichungen von der normalen Chlorung." 0,2 Milligramm Chlordioxid pro Liter seien zulässig, das Wasser aus Münnerstadt liege konstant zwischen 0,03 und 0,04 Milligramm je Liter, also weit unterm Grenzwert.

Viele Ursachen möglich

"Eigentlich bleiben wir immer unterhalb der Geruchsschwelle", betont Schulz. Wieso riecht es dann ausgerechnet jetzt nach Chlor? "Das wissen wir auch nicht", gibt Schulz zu, und: "Da spielen viele Faktoren eine Rolle." Trotz konstanter Einspeisung komme es immer mal wieder zu Nachfragen und Beschwerden - "so alle dreiviertel Jahre mal". Wetteränderungen, Druckschwankungen, höherer Wasserverbrauch: Vieles könne den Chlorgeruch begünstigen.

Auf die Nachfrage von Kunden und der Redaktion haben die Stadtwerke Bad Kissingen nun am Mittwoch die Chlor-Einimpfung für einige Tage ganz ausgesetzt: "Das Wasser ist ja gut, wir gehen mit der Chlorung nur auf Nummer sicher", begründet Schulz den Schritt. Wenn das komplette Leitungsnetz gespült wurde, soll vermutlich ab Montag wieder ganz normal gechlort werden.

Alle Wasserwerte im Internet

Chlor im Wasser gibt es auch in Winkels, Kleinbrach, Hausen und Reiterswiesen, weil dort das Wasser der Rhön-Maintal-Gruppe eingespeist wird. "In den anderen Wasserwerken wird überall mit UV-Licht entkeimt", berichtet Schulz. Die Wasserwerke in Reiterswiesen und in der Schweinfurter Straße in Arnshausen etwa versorgen Bad Kissingen, die Arnshäuser selbst trinken Wasser aus einem anderen Brunnen im Brühl. Gemeinsam mit dem Markt Oberthulba betreiben die Stadtwerke noch eine Wassergewinnung im Thülbingsgrund bei Hassenbach, mit der das Netz der Hochzone Garitz gespeist wird. Schließlich gibt es noch eine kleine Wasserversorgung im Klaushof. Welches Wasser welche Werte hat und wo gechlort wird, steht auch im Internet unter stwkiss.de/leistungen-stadtwerke/wasser-bad-kissingen.

Auch dort abzulesen: Wegen der unterschiedlichen Netze hat Bad Kissingen völlig unterschiedliche Härtegrade. Das Wasser aus Reiterswiesen, Arnshausen und Münnerstadt fließt durch Muschelkalk und ist deshalb sehr hart (bis zu 23,5 Grad deutscher Härte). Aus Hassenbach und von der Rhön-Maintal-Gruppe kommt dagegen weiches Wasser.

Nachrichten über Keime im Trinkwasser gab es in den vergangenen Monaten mehrfach in Unterfranken. "Im Landkreis gibt es keine Fälle", berichtet das Landratsamt auf Nachfrage. Deshalb gebe es auch keine angeordneten Chlorungen. Zum Chlorgeruch in Bad Kissingen teilt die Behörde mit: "Grundsätzlich riecht freies Chlor im Trinkwasser nur sehr wenig oder überhaupt nicht." Menschen mit einem sensiblen Geruchssinn würden aber auch sehr geringe Mengen wahrnehmen. Vor allem wenn gechlortes Wasser über Nacht in der Hauswasserleitung steht, gase das Chlor minimal aus und setze sich an der höchsten Stelle, also am Wasserhahn, ab. Zudem rieche der Verbraucher Chlor eher in feinen Sprühnebeln.

Die Stadtwerke setzen Chlordioxid ein, das eigentlich den Vorteil habe, keine stark riechenden Verbindungen einzugehen. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes habe bei Stichproben im Ortsnetz und am zentralen Hochbehälter Sinnberg keinen Chlorgeruch festgestellt.