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Bad Kissingen
Corona

Wirtschaftsförderung in Krisenzeiten: Online-Hilfe für Händler

Wege für Geschäfte durch die Krise finden. Während die Wirtschaftsförderin der Stadt, Svenja Melchert, auf Onlinestrategien setzt, sieht Pro Bad Kissingen die schnelle Rettung nicht im Internet.
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An vielen Schaufenstern in der  Innenstadt wird auf die vorübergehende Schließung aufgrund der Corona-Pandemie hingewiesen. Benedikt Borst
An vielen Schaufenstern in der Innenstadt wird auf die vorübergehende Schließung aufgrund der Corona-Pandemie hingewiesen. Benedikt Borst

Viele Geschäfte haben zwar wegen der Corona-Pandemie geschlossen, die Fixkosten aber laufen weiter. Personal, Miete, Kredite müssen bezahlt werden, obwohl die Umsätze fehlen. Mittelständler und Kleinunternehmer, Selbstständige und Freiberufler, Friseure, Floristen, Hoteliers, Gastronomen - viele kämpfen derzeit um ihr wirtschaftliches Überleben.

Den ansässigen Geschäften durch die Krise zu helfen, ist derzeit die zentrale Herausforderung für die Wirtschaftsförderin der Stadt, Svenja Melchert. Dafür probiert sie neue Ideen aus. Sie war eine von rund 20 000 Freiwilligen, die sich an dem Online-Hackackton der Bundesregierung beteiligten. Es galt, Ideen und Lösungsansätze zur Bewältigung der Krise zu erarbeiten. "Ich bin in einem Team mit 20 Leuten, die ein sehr gutes Fachwissen haben", berichtet sie, und: "Wir haben eine Videokonferenz organisiert, um uns abzusprechen, was man erreichen kann."

Grundidee von Melcherts Teams ist, eine Online-Plattform zu erstellen. Auf dieser sollen deutschlandweit lokale Unternehmen ihre Produkte anbieten in der Zeit, in der sie nicht öffnen dürfen. Im Fokus stehen die Geschäfte aus den Innenstädten, also das Café um die Ecke, der Spielwarenladen oder die nächste Modeboutique. Das Team taufte das Projekt "Livelyhood", angelehnt an den englischen Begriff livelihood für Lebensunterhalt. Motto: "Lass uns gemeinsam Deutschlands Lieblingsorte retten". Melchert: "Es geht darum, so vielen Unternehmen wie möglich zu helfen."

Plattform für lokale Unternehmen

Die Homepage wird aktuell aufgebaut. Unter www.livelyhood.de sollen Unternehmen die Möglichkeit bekommen, ihre Kunden zu informieren. Kunden wiederum erfahren, was in ihrer Gegend trotz Corona-Schließungen angeboten wird. Darüber hinaus soll die Plattform Tipps und Hilfestellungen geben. Es gibt bereits ein Toolkit zum Herunterladen, das Informationen bündelt zu Themen wie Kurzarbeit und staatliche Soforthilfen. Außerdem informiert es darüber, wie Unternehmer ihre Produkte anpassen und ihr Sortiment erweitern können, so dass sie in der Krise weiterhin Geld verdienen. Das Toolkit nennt Beispiele, wie andere Unternehmer mit der Situation umgehen. "Wir wollen zeigen, dass man nicht den Kopf in den Sand stecken darf", sagt Melchert. Als Positivebeispiele nennt sie unter anderem die Metzgerei Faber Feinkost, die mit einem Lieferservice und Drive In auf die Krise reagiert hat sowie den Fruchthandel Mönch aus Großenbrach, der Obst- und Gemüsekisten zum Festpreis bei Abholung anbietet.

Livelyhood soll Geschäften ferner helfen, ihre Kunden zu binden. "Ein Problem für den Inhabergeführten Einzelhandel ist auf Social-Media-Kanälen mit ihren Kunden in Kontakt zu treten", sagt Melchert. Hier seien manche kleinere Läden nicht zeitgemäß vertreten und damit für Kunden nicht sichtbar. Livelyhood wolle Hilfe zur Selbsthilfe in Sachen Digitalisierung bieten.

Der Stadtmarketingverein Pro Bad Kissingen bietet auf seiner Homepage www.badkissingen-erleben.de einen Überblick, welche Mitgliedsbetriebe geöffnet haben, welche Geschäfte Online-Shops und Lieferservices anbieten und bei welchen Cafés und Restaurants Kunden Essen abholen oder sich liefern lassen können. Nur wenige Kissinger Einzelhändler betreiben eigene Online-Shops, berichtet Pro Bad Kissingen Geschäftsführer Klaus Bollwein. Online-Shops seien für die zumeist kleinen Läden mit hohem Aufwand und Kosten verbunden, es gebe zudem hohen rechtliche Anforderungen. "Wir von der Werbegemeinschaft sind deshalb der Ansicht, dass ein Online-Schnellschuss für die Händler relativ schwierig ist", sagt er. Aber wenn absehbar würde, dass die Geschäfte wegen Corona noch länger geschlossen blieben, brauche es da natürlich eine Lösung.

Denkbar wäre grundsätzlich, einen Onlineshop für die Kissinger Einzelhändler auf dem Portal Bad Kissingen erleben zu realisieren beziehungsweise sich an einem bereits bestehenden lokalen Online-Shop anzudocken. Bollwein appelliert grundsätzlich an die Kunden, größere Einkäufe wenn möglich zu verschieben. "Ich hoffe, dass Sie später wieder in die Läden zum Einkaufen gehen", sagt er.

Die IHK-Mainfranken hat zwar alle Geschäftsstellen geschlossen, die verfügbaren Mitarbeiter beraten die regionalen Unternehmer aber telefonisch und per E-Mail. Die IHK stellt ein Informationsportal zum Coronavirus bereit, eine Telefonhotline sowie einen Chatbot-Infodienst. Ein Computer beantwortet hier häufig gestellte Fragen zu Corona. Für Existenzgründer und junge Unternehmen hat die IHK zudem eine Crowdfundig-Kampagne gestartet. "Existenzgründer und Start-ups profitieren von den staatlichen Hilfen eher weniger. Da ist Crowdfunding eine Hilfsoption", sagt Marcel Gränz von der IHK-Pressestelle.