Oerlenbach

Windkraft Eltingshausen: Initiative will Bürgerentscheid

Sollen im Eltingshäuser Wald zwei neue Windkraftanlagen gebaut werden? Eine Bürgerinitiative hat Unterschriften gegen die Pläne der Gemeinde gesammelt.
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Die Mappe mit den Unterschriften ist dick, die Manuela Schmitt von der BI "Wald vor Windkraft" Bürgermeister Franz Kuhn übergibt. Fotos: C. Schmitt
Die Mappe mit den Unterschriften ist dick, die Manuela Schmitt von der BI "Wald vor Windkraft" Bürgermeister Franz Kuhn übergibt. Fotos: C. Schmitt
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Zu fünft waren sie im Oerlenbacher Rathaus aufgeschlagen. Eine Frau, vier Männer: Sie sind gekommen, um die Meinung ihrer Nachbarn, Freunde, Bekannten und Mitbürger zu übermitteln. Fast 900 Menschen haben der Bürgerinitiative (BI) "Wald vor Windkraft" ihre Unterschrift gegeben. Sie alle sind gegen den geplanten Standort für zwei neue Windkraftanlagen im Eltingshäuser Wald. Jetzt soll es einen Bürgerentscheid geben. Dabei geht es auch um viel Geld für die Gemeindekasse.

Manuela Schmitt ist fast jeden Tag in der "Wengert", wie das Waldstück in der Gemeinde auch genannt wird. "Ich nutze es zum Abschalten", sagt die 42-Jährige. Verschnaufen, Ruhe finden, Bewegung an der frischen Luft - ihr Ausgleich zum Job am Schreibtisch. Dazu: der Ausblick. "Wir sehen von hier die ganze Rhön. Das ist ein besonderes Stück Wald." Geht es nach der Gemeinde Oerlenbach und der Firma "Energieallianz Projekt GmbH", sollen auf diesem "ganz besonderen Stück Wald" schon bald zwei Windkraftanlagen gebaut werden. Die Verträge wurden bereits vor Jahren fix gemacht. Seit einigen Wochen wird jetzt Widerstand aus der Bevölkerung laut.

Innerhalb von 24 Stunden hatten sich 35 Leute zusammengefunden, erzählt Manuela Schmitt. Nach einer Infoveranstaltung des Betreibers vor einem Monat hatten sich die besorgten Eltingshäuser getroffen. Sie gründeten eine Initiative, um per Bürgerbegehren bei der Gemeinde einen Bürgerentscheid zu beantragen. Jetzt reichten sie diesen Antrag bei der Gemeinde ein.

Vier Wochen gingen die Frauen und Männer von Haus zu Haus und sammelten Unterschriften - die meisten in Eltingshausen. "Die Resonanz war groß. Wir haben kaum jemanden getroffen, der nicht unterschrieben hat", sagt Manuela Schmitt. 873 haben unterzeichnet. Für die Vertreter der Initiative "ein starkes Statement der Bürger". Dass die Mappe so dick ausfallen würde, hatte Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) nach den Reaktionen der letzten Wochen erwartet, sagt er. Nicht aber diesen Widerstand überhaupt, meint er. Kuhn fragt sich: Warum jetzt?

Projekt war bekannt

Ende 2016 gingen in Rottershausen die ersten drei Anlagen des Projekts ans Netz. Es war immer klar, dass weitere folgen würden, sagt der Bürgermeister. "Es gab so viele Veranstaltungen. Keiner kann sagen, er hat nichts davon gewusst." Der Protest kam für ihn "aus heiterem Himmel". Seit der Bürgerversammlung im Frühjahr rumort es in Eltingshausen. Auch wenn die Meinungen gespalten sind, die Bevölkerung will es nicht sein.

Edwin Renninger, Vertreter der BI, sagt: "Wir haben gemerkt, es gibt Widerstand - den haben wir koordiniert." Eine Spaltung der Ortsteile wolle niemand herbeiführen. Die Stimmung am Tisch in Besprechungsraum des Rathauses ist entspannt. Höflich und entschlossen trifft die BI auf das Gemeindeoberhaupt. "Wir wollen nicht gegen die Gemeinde arbeiten", sagt Manuela Schmitt. Bürgermeister Franz Kuhn meint: "Egal, wie es ausgeht, ich hoffe, dass wir uns weiter in die Augen schauen können."

Gegen Windkraft sind sie nicht, betonen sie, "nur gegen den Standort". Die BI will, dass die Gemeinde das Projekt neu und anders plant. "Windkraft: Ja. Aber nicht um jeden Preis", sagt Manuela Schmitt. "Nicht wenn dafür so ein Stück Natur geopfert werden soll. Wir hoffen, dass es gestoppt wird und der Wald nicht gerodet wird." BI-Kollege Heinz Herzig meint: "Wir wollen, dass die Bürger entscheiden."

Ob sie das dürfen, werde in den nächsten Wochen überprüft, sagt Bürgermeister Franz Kuhn. Wenn die Bürgerinitiative "Wald vor Windkraft" formal alle Richtlinien eingehalten hat, werden die Bürger der Gemeinde an einem Sonntag in den kommenden Monaten zur Wahlurne gebeten. Die geben dann ihre Stimme auch für oder gegen ein Plus in der Gemeindekasse ab. Jährliche Einnahmen in einem "hohen fünfstelligen Betrag" hätte Oerlenbach mit den beiden Anlagen zu erwarten - in den nächsten 25 Jahren.

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