Bad Kissingen
Umweltschutz

Wie sich die Gewässerentwicklung auch im Landkreis Bad Kissingen lohnt

Bei einer Veranstaltung der Regierung von Unterfranken wurde deutlich, dass überall erheblicher Nachholbedarf besteht. Nach einer europäischen Richtlinie sollen bis 2027 alle Gewässer in gutem Zustand sein.
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Bürgermeister Harald Hofmann aus  Nüdlingen stellet die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen in seiner Gemeinde vor.  Axel Bauer
Bürgermeister Harald Hofmann aus Nüdlingen stellet die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen in seiner Gemeinde vor. Axel Bauer
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7.000 Kilometer an kleinen Gewässern gibt es in ganz Unterfranken. Für diese sogenannten Gewässer dritter Ordnung sind die Kommunen zuständig. Bei einer Veranstaltung der Regierung von Unterfranken unter dem Motto "Lebendige Bäche - Lebendige Dörfer" in der Zehntscheune des Juliusspitals in Würzburg wurde deutlich, warum sich hier ökologische Projekte lohnen. Vier Bürgermeister, darunter auch Harald Hofmann aus Nüdlingen, stellten Bispiele vor. Fachleute der Wasserwirtschaftsämter Aschaffenburg und Bad Kissingen, des Landesamts für Umwelt sowie der Regierung sprachen über die fachlichen Anforderungen und stellten dar, welche Unterstützung die Kommunen in Anspruch nehmen können.

Welche Begeisterung entsprechende Projekte bei der Bevölkerung auslösen können, stellte Bürgermeister Harald Hofmann vor. Am Nüdlinger Bach, einem Zulauf zur Fränkischen Saale im Landkreis Bad Kissingen, war ursprünglich der Biber Anlass, sich näher mit dem Gewässer auseinanderzusetzen. Mit seinen Dämmen staute er das Wasser auf und verursachte Überschwemmungen der anliegenden Grundstücke. Zunächst wurde darüber diskutiert, das Tier mit einem Elektrozaun in Zaum zu halten. Dies erschien jedoch keine nachhaltige und ökologisch tragfähige Lösung zu sein. Deshalb zog man den bereits im Jahr 2004 erstellten Gewässerentwicklungsplan hervor, der Möglichkeiten aufzeigt, wie das ursprünglich begradigte Gewässer wieder ökologisch umgestaltet werden kann.

Vor allem durch die Bereitstellung von Flächen - ein für die Gemeinde teilweise mühsames Unterfangen - sei es gelungen, den Konflikt mit dem Biber zu lösen und gleichzeitig der Natur und dem Menschen wieder einen ansprechenden Lebensraum zu bieten. Insgesamt 155.000 Euro wurden bislang investiert, wozu der Freistaat Bayern 83.000 Euro und der Landkreis Bad Kissingen 35.000 Euro Fördermittel beigesteuert haben. Der Erfolg sei Ansporn für die Gemeinde, zum Weitermachen: Mit Blühwiesen und Magerrasen soll künftig ein Beitrag zur Artenvielfalt geleistet werden.

Dank der hohen staatlichen Zuschüsse seien die Gemeinden durchaus in der Lage, ökologische Maßnahmen an den Gewässern zu planen. Besonders wichtig ist den Gemeinden dabei, die Bevölkerung mitzunehmen, was allerdings nicht immer einfach ist. In persönlichen Gesprächen werde aber immer wieder deutlich, dass den Bürgern die ökologische Verbesserung ihrer Heimat durchaus wichtig ist. Und so setzen die Gemeinden darauf, dass sich das Bewusstsein ändert, wenn erst einmal die ersten Maßnahmen umgesetzt werden. Dies soll in den nächsten Jahren Schritt für Schritt angegangen werden, zunächst in den Dörfern, danach auch in den Außenbereichen.

Bürgermeister Josef Mend appellierte an seine Berufskollegen, Pläne für die Gewässerentwicklung bereit zu haben. Denn nur dann könnten neue Förderprogramme auch schnell in Anspruch genommen werden. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass die Kommen mehr von ihrem Bauplanungsrecht Gebrauch machen sollten. Mit Flächennutzungs- und Bebauungsplänen können frühzeitig die Weichen gestellt werden für naturnahe und für die Menschen wichtige Erholungsgebiete. Und er wies darauf hin, dass mit einer durchdachten Gewässerökologie auch Starkniederschläge, die aufgrund des Klimawandels künftig die Kommunen verstärkt treffen würden, abgemildert werden könnten.

Mit Blick auf die Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie stellte Bertram Eidel, Leiter des Bereichs Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz der Regierung von Unterfranken, fest, dass praktisch überall noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Die Richtlinie fordert, dass bis 2027 die Gewässer in einem guten Zustand sein sollen. Doch bislang erreichen erst vier Prozent der Gewässer in Unterfranken dieses Ziel. Rund zwei Drittel der Gewässer lägen dabei in kommunaler Zuständigkeit.

Nach Barbara Meidl, Gewässerbiologin im Sachgebiet Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken, steht über allen fachlich komplexen Untersuchungen und Bewertungen ein bedeutendes Ziel: Die Artenvielfalt in und an den Flüssen und Bächen zu erhöhen. Denn Gewässer mit hoher Biodiversität ließen sich durch widrige Umstände nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Fällt eine Art, z.B. durch eingetragene Stoffe oder durch Hitzestress, einmal aus, kann sie durch andere Arten kompensiert werden.

Vertreter der Wasserwirtschaftsämter Bad Kissingen und Aschaffenburg, Birgit Imhof und Maximilian Sehr, stellten dar, dass die Kommunen für ökologische Maßnahmen an den Gewässern dritter Ordnung derzeit die höchstmögliche Förderung von 75 Prozent erhalten. Dies gelte sowohl für Planungen als auch für den Bau. Die wasserbaulichen Maßnahmen eignen sich auch als Ausgleichsmaßnahmen für andere Bauvorhaben. Sie können auf das Ökokonto "eingezahlt" werden.

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