Reiterswiesen

Wie in der "guten alten Zeit"

Das Dorffest im Rathausgarten von Reiterswiesen ist ein Blick zurück. Da wird getanzt, Brot gebacken, werden Museumsschätze betrachtet und es wird Theater gespielt.
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Proben über Skype: Familie Richler zeigte beim Dorffest in Reiterswiesen das Stück "Der tote Mann": (von links) Eleonore, Sebastian und Veronika Richler.Doris Vogel
Proben über Skype: Familie Richler zeigte beim Dorffest in Reiterswiesen das Stück "Der tote Mann": (von links) Eleonore, Sebastian und Veronika Richler.Doris Vogel
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Hubert Warmuth ist der letzte Dorfbäcker von Reiterswiesen. Ein Mann großer Worte ist er nicht, aber wenn er den Bauernlaib, den er mit langem Schieber aus dem Dorfbackofen holt, beschreibt, gerät er doch ins Schwärmen. Der Duft, die Kruste, die Form, fasst er zusammen. "Wenn Du das ofenwarme Brot in Händen hältst, das ist schon ein besonderes Erlebnis", sagt auch Angelika Metz vom Heimatverein, die das Brot in Papier einschlägt und verkauft.

Von der Mühe, im Wald Reisig zu machen, Buchenknüppel zu schlagen, trocknen und anfahren, reden beide nicht. "Anfeuern, Glut aus dem Ofen ziehen, Brotlaibe aus dem Strohkorb aufs Fladenbrett in den Ofen einschieben", das macht Spaß meint Hubert. Gelernt hat er das nicht. Abgeschaut vom Vater, der das nicht mehr kann. Den Sauerteig selber ziehen, das schafft man schon lange nicht mehr. Trotzdem ist die Schlange der Käufer lang. Jeder nur ein Brot. Wie lange es das wohl noch gibt?

Dorfidylle

Es ist wie eine Reise in vergangene Zeiten. Vor der Fachwerkkulisse des Alten Rathauses von 1703 ist eine Theaterbühne aufgebaut, in der kleinen Anlage sitzen die Besucher unter ausladenden Linden. Auf dem Kiesboden am Rondell mitten unter den Gästen drehen sich Kinder- und Jugendliche in Tracht zu fränkischen Tänzen. Die Jüngsten plätschern am Gänsebrunnen, das Museum Heimatstube hat seine Pforten geöffnet. Ein wenig Rauch vom Dorfbackofen hängt in der Luft. Die Linsenspitzersuppe dampft im irdenen Teller, die Bratwurst schmeckt, das Bier ist süffig, die Unterhaltung angeregt. Reiterswiesen wird wieder zum Dorf. Jetzt fehlt nur noch gutes Wetter und ein Nostalgie-Erlebnis wird perfekt. Aber auch das passt. Die Stimmung ist prächtig und zum Theater am späten Nachmittag ist kaum ein Platz mehr frei.

Museumsschätze

Im ländlichen Museum Heimatstube ist eine Schneiderstube und viel altes Handwerk zu bewundern, Fotos vom Dorfgeschehen wecken Erinnerungen, wertvolle Urkunden unter Glas in der Vitrine und Fundstücke von der Burg weisen zurück in glanzvolle Zeiten des Otto von Botenlauben. Günter Immler führt durch die Räume, weiß viel zu erzählen. Vom Flachsbrechen, von der Schnitthappe und vom letzten Wagner aus dem Dorf. Vom Schuster und dem Dorfschmied und von der Waschschüssel samt Kanne aus Porzellan für die tägliche Morgentoilette.

Die Schauspielerfamilie

Das "Ritanswieser Burgtheater" hat eine große Fangemeinde. Das Freilichtspiel auf der Burg, abendfüllende Lustspiele und Boulevardstücke haben das Kulturleben im Dorf geprägt. Und natürlich die mittelalterlichen Schwänke von Hans-Sachs. So wirken die Stücke des Schumacherpoeten aus Nürnberg authentisch: Mitten unter den Leuten gespielt, die Fachwerkrückwand des Rathauses ist stimmungsvolle Kulisse. Gespielt wird diesmal: Der tote Mann. Mit Augenzwinkern werden allzu menschliche Weisheiten kernig, deftig serviert, wird der vermeintliche Tod des Mannes von der Nachbarin kommentiert: "Jetzt frisst er keine Bratwürscht mehr." Da bleibt kein Auge trocken. Die Darsteller sind neu und doch vom Freilichtspiel auf der Burg längst bewährt. Sie heißen Sebastian, Veronika, Eleonore und Andreas Richler. Eine Familie wuppt das ganze Lustspiel. Die Eltern haben ihre Leidenschaft fürs Theater vererbt. Weil Studium und berufliche Erfordernisse berücksichtigt werden müssen, muss man sich per Telefon verabreden, über Skype wird geprobt, Helgoland mit Freiburg und Reiterswiesen verbunden. Ganz wenig Proben vor Ort sind möglich. Aber sie kriegen das hin, die Richlers. Rauschender Beifall, wenn Spielleiter Werner Vogel die Schauspieler vorstellt, den Vornamen nennt und der ganze Dorfplatz wie beim Fußball den Nachnamen "Riiichleeer" nennt. Toller Lohn für einzigartiges Engagement.

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