Bad Kissingen
Gesundheit

Wie gesund lebt man in Bad Kissingen?

Von der Krankheit bis zur ärztlichen Versorgung: Wie gesund lebt es sich im Landkreis Bad Kissingen? und woran erkranken die Menschen hier besonders häufig? Zum Start unserer Serie "Der Gesundheitstipp" antworten Ärzte und Krankenkassen auf Fragen rund um die Gesundheit und zur ärztlichen Versorgung.
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Prof. Dr. Rainer Voisard vom St. Elisabeth Krankenhaus in Bad Kissingen im Gespräch mit einer Patientin. Foto: St. Elisabeth Krankenhaus
Prof. Dr. Rainer Voisard vom St. Elisabeth Krankenhaus in Bad Kissingen im Gespräch mit einer Patientin. Foto: St. Elisabeth Krankenhaus

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Das nördliche Unterfranken ist schlechthin die unterfränkische Gesundheitsregion. Aber wie gesund sind die Menschen, die hier leben? Und leben sie hier gesund? Der Landkreis und die Rhön bieten eine intakte Natur, gute Lebens- und Wohnqualität sowie eine ärztliche Versorgung, die auf den ersten Blick keinen Grund zur Klage lässt.
Aber: Die Gesundheitsreports der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) und Barmer Gek bestätigen den ersten Blick nicht.

Der Krankenstand in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld ist nach dem DAK-Gesundheitsreport 2012 der höchste in Bayern gewesen. 3,9 Prozent (3,8 Prozent im Vorjahr) betrug er 2011. In Bayern lag der Durchschnitt bei 3,1 Prozent. Wolfgang Flaig von der DAK in Bad Kissingen relativiert die Zahl: "Vielleicht", sagt er, "hängt das auch mit sicheren Arbeitsplätzen zusammen. Da traut sich ein Arbeitnehmer schon mal zuhause zu bleiben."

Bandscheibe, Knie, Rücken

Die häufigsten Erkrankungen der Menschen im Landkreis Bad Kissingen werden am Muskel-Skelett-System (zum Beispiel Rücken, Bandscheiben, Knie) mit 24,2 Prozent diagnostiziert, gefolgt von Verletzungen (16,9 Prozent), Erkrankungen des Atmungssystemes (13 Prozent) und psychische Erkrankungen (11,0 Prozent). Gerade von den letzteren ist in den vergangenen Monaten viel zu lesen gewesen.

Fakt ist, so die DAK: 2011 haben in Bayern die Fehltage von Arbeitnehmern aufgrund psychischer Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zugenommen. In Bad Kissingen allerdings nur um die Hälfte, nämlich um 7,0 Prozent. Dabei spielen Belastungen am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle, bestätigt Wolfgang Flaig.

Unterschiede

Diese Entwicklung wird von den Erkenntnissen der Barmer-Ersatzkasse gestützt, mit einer Einschränkung, so der Kissinger Filialleiter Richard Bott: "Im Landkreis Bad Kissingen werden die Bundeswerte bei den psychischen Erkrankungen um rund 22 Prozent unterschritten." Immerhin. Aber, so Bott weiter: "Bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen werden die Bundeswerte dagegen um 14,5 Prozent überschritten."

Wie gesund lebt man also im Landkreis Bad Kissingen? Die Frage kann Dr. Rainer Schamberger, Chefarzt der Medizinischen Klinik II - Kardiologie am St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen, nur anhand statistischen Zahlen vage beantworten. Nach seinen Worten haben bei Herzbeschwerden die stationären Behandlungen in Deutschland um 0,3 Prozent abgenommen. Erkrankte Männer sind in 32,5 Prozent mit Herzinfarkten konfrontiert, bei den erkrankten Frauen sind es 17 Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten liegt bei 15,8 Prozent (Männer) und 14,4 Prozent (Frauen). Aber generell gilt, so Schamberger: "Die Sterblichkeitsrate bei Herzerkrankungen ist abnehmend". In Bayern sterben statistisch gesehen 69,9 pro 100 000 der an Herzinfarkt erkrankten Menschen an dieser Krankheit. Das sind 6,7 Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt (Detail-Zahlen für den Landkreis gibt es dazu nicht).

Krebserkranken

Nimmt man die Zahl der Krebserkrankungen als weiteres Indiz für die Gesundheit der Menschen in Deutschland insgesamt, so zeigt sich, erklärte Prof. Dr. Elke Wagler, Chefärztin der Abteilung für Onkochirurgie am St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen, dass in Deutschland jährlich rund 400 000 Menschen neu an bösartigem Krebs erkranken. Gesunken seien die Fälle bei Magenkrebs, dagegen gestiegen bei Dickdarmkrebs.

Gibt es ausreichend Ärzte?

Die ärztliche Versorgung im Landkreis Bad Kissingen entspricht bis auf zwei Bereiche den Bedarfsrichtlinien der Kassenärztlichen Vereinigung, wie Kersten Warweg, die stellvertretende Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern bestätigte. "In der Fachgruppe der Hausärzte und der Kinder- und Jugendärzte bestehen noch Zulassungsmöglichkeiten", sagte sie auf Anfrage. In keinem der 79 Planungsbereiche der KV Bayern bestehe derzeit eine Unterversorgung mit Ärzten. "In vielen, insbesondere ländlichen Gebieten", so Kersten Werwag, "besteht eine 'gefühlte Unterversorgung'".
Fakt ist: Im Jahr 2011 beendeten in Bayern 43 Hausärzte ihre Praxistätigkeit, 17 Praxen konnten nicht nachbesetzt werden, davon lagen fünf im Landkreis Bad Kissingen. Bei den Fachärzten waren es insgesamt 49 Praxen, die schlossen, zehn konnten nicht nachbesetzt werden, davon drei im Kreis Bad Kissingen.
Probleme gebe es bei der Organisation des Bereitschaftsdienstes, was sich aktuell auch bei der Änderung des Bereitschaftsdienstes für den Bereich Schweinfurt dokumentiert hat. Das Thema Gesundheit ist eines der wichtigsten unserer Gesellschaft. Ob nun eine Podiumsdiskussion in Burkardroth in der kommenden Woche ist, oder die heute beginnenden Gesundheitstage in Bad Kissingen, hier wird durch die Resonanz der Menschen dokumentiert, wie wichtig das Thema jeder nimmt.

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