Hammelburg
Energie

Wie die Windkraft in der Rhön in Schwung kommen kann

Um regenerative Stromquellen besser nutzen zu können, muss nicht nur in Technik investiert werden. Der Erfolg für die Region hängt auch davon ab, wie gut die Bürger beteiligt werden.
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Wie steht es um die Windkraft in der Rhön? Robert Römmelt braucht für die Antwort nicht viele Worte, es reicht eine Geste: Daumen runter. Seiner Meinung nach passiert bisher nichts. "Wenn man die Wertschöpfung in der Region behalten will, ist Wind eine große Quelle", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Riedenberg im Gremialausschuss der IHK Würzburg-Schweinfurt. Die Herbsttagung der regionalen Untergliederung der IHK befasste sich mit der Energiewende in der Region. Die Windkraft war der jüngst heftig diskutierte Aufhänger.

Römmelt holte weit aus: "Wir müssen systematisch überlegen. Energie ist nicht nur Strom." Denn auch Wärme zähle dazu. "250 Millionen Euro müssen aufgebracht werden, um den Gesamtenergiebedarf im Landkreis zu decken", erklärte Römmelt.
Ihm ging es darum, den Einsatz von Rohstoffen, also den Primärenergieträgern, zu ersetzen, zumal diese zum überwiegenden Teil importiert werden müssen.

Der Weg zur Energiewende führte Römmelt dabei übers Grundsätzliche. "Wir haben ein Eigentümerproblem." Er meinte damit die Privatisierung der Energieerzeugung. Strom müsse aber wieder eine kommunale Aufgabe werden.

Römmelt sprach damit Matthias Klöffel aus dem Herzen. Der Geschäftsführer der Agrokraft GmbH Bad Neustadt erklärte, welche Investitionen mit Hilfe einer genossenschaftlichen Organisationsform möglich sind. Klöffel sagte: "In der Region ist alles da, was man braucht. Es fehlt nur an der Struktur. Die Frage lautet: Wie schaffen wir es das vorhandene Potential so zu nutzen, dass nicht jemand von außerhalb die Wertschöpfung aus der Region herausnimmt."

Auch bei Investitionen, bei denen eine Genossenschaft weniger Sinn macht, plädierte der Agrokraft-Geschäftsführer dafür, eine breite Beteiligung zu suchen. So hätten sich für den Bau der Biogasanlage in Großbardorf 41 Landwirte zusammengeschlossen. Großbardorf stellte er als Beispiel für die positive Wirkung von Beteiligung heraus. Laut Klöffel sind dort von 2006 bis 2011 in verschiedenen Formen Energie-Projekte mit einer Investitionssumme von insgesamt fast 15 Millionen Euro umgesetzt worden. "Eine Genossenschaft ist nicht das Allheilmittel, aber sie ist eine Möglichkeit", sagte Klöffel.

Doch lokale Initiativen garantieren noch keinen Erfolg, wenn naturschutzrechtliche Bedenken ins Spiel kommen. "Der Artenschutz ist der Knackpunkt", sagte Thomas Schoenwald vom Landratsamt Bad Kissingen. Im Rhöner Raum kommt der Landschaftsschutz dazu. Er verhindert zum Beispiel in Hammelburg zwei mögliche Windkraftstandorte. Schoenwald erläuterte aus juristischer Sicht, welche Folgen es aber hätte, wenn einzelne Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet Bayerische Rhön zugelassen würden. Es wäre ein "Einfallstor", das das Schutzgebiet zerstören würde.

Auch die Einteilung in schutzwürdige und weniger schutzwürdige Zonen ist für Schoenwald keine Lösung. Denn wie er erklärte, müsste dieser Einteilung eine Analyse vorausgehen, die am Ende vielleicht andere als die gewünschten Flächen ausweisen würde. So lautete die Empfehlung des stellvertretenden Landrats Emil Müller denn auch, sich auf die Flächen zu konzentrieren, "die jetzt schon für Windkraft da sind".
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