Westheim bei Bad Kissingen
Faschingszug

Westheim außer Rand und Band

Ein farbenfroher und origineller Gaudiwurm schlängelte sich am Sonntag durch die Straßen von Westheim. Das Spektakel lockte einige tausend Zuschauer an.
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Die 13 Männer vermissen schmerzlich eine Kneipe. "Deshalb können wir uns immer nur privat treffen", schilderte Bernd Reuter das schreckliche Schicksal des FC-Stammtisches "Durst ist Trumpf". Den Faschingszug nutzten die Westheimer, um auf ihr hartes Los aufmerksam zu machen - und verbanden das gleich mit einer revolutionären Forderung. "Ein Kita-Platz wird gesetzlich garantiert. Deshalb wollen wir jetzt auch einen gesetzlich garantierten Kneipenplatz vor Ort", betonte Reuter. Wie eine solche "Staatskneipe" aussehen könnte, demonstrierten die Männer beim Umzug mit ihrer rollenden Gaststätte.

"Müssen wieder selber jagen"

Lokale Themen waren Trumpf. Gleich mehrere Wagen und Fußgruppen beschäftigten sich mit der Schließung von Geschäften. So dichteten die Silvester- und Wanderfreunde: "Wir müssen nach unserem Essen wieder selber jagen, in Westheim gibt es keinen Laden. Kein Bäcker und kein Metzger mehr in Sicht, zurück zur Steinzeit, so lustig ist das nicht." Dass es in Hammelburgs Zentrum ein ähnliches Problem gibt, meint der Film- und Fotoclub Westheim. "In der Stadt die Geschäfte schließen, außerhalb die Konzerne wie Pilze sprießen", reimte die närrische Fußgruppe.

Hintersinnig präsentierte die Fußgruppe von Anne Ebert ihre "Waster Schokobons". Mit Blick auf das Fehlen von Bäcker, Metzger und Gasthaus im Ort dichteten die Jecken: "Und Bon für Bon, so macht das Sinn, stellt uns doch ´ne Filiale hin." Gar vor einem Verfall des Dorfes durch das Aussterben der Geschäftswelt warnten die gruselig kostümierten Fire Hawks.

In dieselbe Kerbe schlug auch die Gruppe von Heiko Schmitt, die feststellte, dass es nur noch "Essen auf Rädern" in Westheim gibt. Dazu die Zeilen: "Waste, soweit is´ es jetzt, teuflisch schnelles Internet, aber ke´ Wurst mehr und ke´n Weck. Essen auf Rädern, des konn doch net sei, da könne mer ja gleich ins Altenheim neu!"
Die Gruppe um Stadträtin Gabi Ebert nahm das Storchennest auf dem Kindergartendach ins Visier. Das Nest eignet sich nur für gehörlose Störche, glauben die Narren, denn es befindet sich neben der Feuerwehrsirene. Die Rockabilly-Gruppe um Sebastian Reuter stellte indes unter Beweis, dass "Waste Rockt".

Nicht schön, doch faltenfrei

Schon lange bevor es Energy-Drinks gab, wussten die Kümmi-Damen mit Renate Kröckel an der Spitze: "Kümmerling verleiht Flügel." Nun war es auch zu sehen. Das Gerstensaft-Pendant zu den Damen, der Warsteiner-Club, feiert mit 22 Jahren heuer ausgerechnet ein Schnapszahl-Jubiläum.

Die Kegelfreunde um Walter Schultheis führten vor, was es mit den "Westheimer Käsfüß" auf sich hat. Die "Schönheitsklinik Saalestrand"ist eine Vision der Gruppe um Stefanie Wahler. Wo aber Quantität vor Qualität ging, waren die Ergebnisse zweifelhaft: "Beim Sparprogramm war´n wir dabei, wir sind nicht schön, doch faltenfrei."

Natürlich durfte auch das Thema gesperrte Saalebrücke nicht fehlen. Die Narren um Rene Weissenberger stellten fest: "Neue Brücke für die Stadt, doch Waste noch sei alte hat. Die darf man aber nicht befahren, drum möchten wir Hammelburgs alte haben."

Die Black Pearl auf der Saale

Den Blick auf die Saale richtete auch der von Lukas Wahler angemeldete Wagen. Das Weihnachtshochwasser hat die Besatzung der Black Pearl ans Ufer gespült. Und weil sie seitdem in Westheim festsitzen, machten die Piraten aus der Karibik nun beim Faschingszug mit.

Unter dem Motto "Außerirdisch Gut" war die Gruppe "The Voices" vom MGV Westheim mit von der Partie. Die elf nicht erkennbaren Gestalten im schwarzen Ganzkörperanzug waren ein närrischer Beitrag der etwas anderen Art.

Die zunehmenden Sicherheitsvorschriften für Faschingszüge nahmen die Alte Herren vom 1. FC Westheim aufs Korn. Ihr Kinder-Traktor mit Anhänger wurde von vier Security-Kräften umringt. Hierzu der passende Spruch: "Ist der Wagen noch so klein, müssen Securities wirklich sein?"

Der Vollgasclub Obererthal nahm die Zuschauer mit auf eine "Reise ins Paradies." Die "Crazy Frogs" fanden heraus, wie viele Frösche man küssen muss, um einen Prinz oder eine Prinzessin zu finden. Die Gruppe um Björn Rehwald interpretierte "Bauer sucht Frau" auf ihre Weise: "Ist der Bauer noch nicht satt, fährt er sich ein Hähnchen platt." Ein bunter Haufen der Lebenshilfe Hammelburg stellte klar: "Ein Mensch ohne Macke ist Kacke." Die Wilde Horte Wasserlosen schließlich zeigte den "Bachelor", wo Männer sich die Schönsten aussuchen.

Der Westheimer Kindergarten nutzte den Umzug, um sein aktuelles Projekt "Nussknacker und Mäusekönig" vorzustellen. Die Showtanzgruppe des SV Machtilshausen stellte einen "Panzer-Wendeplatz" dar, nachdem der Spieler eines gegnerischen Teams den Ausweichplatz als "Panzer-Wendeplatz" bezeichnet hatte. Die Fuschter Eul´s machten ihre "Leider Geil Party" zum Thema, weil es Kritik an den Plakaten zur Party gegeben hatte, auf denen ein spärlich bekleideter Frauenhintern zu sehen war. "Wir sind nicht frauenfeindlich,wir sind männerfreundlich", lautete ihre Erklärung.

Die Kinderoase Mach-tilshausen zeigte, wie man "Fit und gesund durch´s Jahr" kommt: "Gesundes Essen ist uns wichtig, darum ernähren wir uns richtig! Mag einer von uns kein Gemüse, dann kriegt er halt das Obst, das Süße!" Huldvoll grüßte das Saaletal-Prinzenpaar Hubert I. und Lisbet I. Auch das Prinzenpaar des Karnevalvereins Blau-Weiss, Prinz Marc I. und Prinzessin Nicole I., mit Elferrat gaben sich die Ehre. Für Stimmung sorgten die Kapelle aus Aura unter Führung von Edgar Lippert sowie die Musiker aus Fuchsstadt mit Elmar Schubert an der Spitze. In gekonnter Manier kommentierte Waldemar Greß das närrische Treiben. Veranstalter des Faschingszugs war der Vereinsring.
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