Bad Kissingen
Bildung

Wer zahlt fürs Studium?

In Bayern setzt sich ein Volksbegehren gegen Studiengebühren ein. Im Landkreis hat sich ein lokales Aktionsbündnis gegründet. Schüler, Eltern und Lehrer sind für die Abschaffung.
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Foto: dpa
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Christoph Rustler ist 17 und möchte seinen Eltern möglichst wenig auf der Tasche liegen. "Ich finde, das gehört sich so." Er jobbt neben der Schule, obwohl ihm die Zeit langsam knapp wird. Umso knapper, je näher die Abiturprüfungen im Frühjahr rücken. Er ist prinzipientreu und möchte von ihnen auch dann nicht abrücken, wenn er sich im Oktober für ein Wirtschaftsstudium an der Uni einschreibt. Entschieden hat er sich noch nicht, eine Lehre würde ihn reizen. "Um schon etwas Festes in der Hand zu haben", sagt er.


Bildung für Alle

Als Student wäre er wahrscheinlich gezwungen, gegen seine Vorstellungen zu verstoßen, obwohl er weiter nebenbei arbeitet. Er wäre finanziell wieder stärker von seinen Eltern abhängig. Teure Mieten in den bayerischen Großstädten, hohe Lebenshaltungskosten, Semesterticket - und Studiengebühren.
"Das ist nicht ohne, da wird man schnell sein Geld los", meint der Bad Kissinger. Deshalb sind auch viele Bekannte nicht in Bayern an einer Uni eingeschrieben, sondern nach Thüringen und Sachsen gegangen. Dort ist Bildung günstiger. Eigentlich sollte die aber frei zugänglich sein. "Schulen kosten ja auch nichts", sagt Rustler. Studiengebühren grenzen seiner Meinung nach ärmere Mitmenschen aus.

"Studiengebühren sind sozial selektiv", schimpft Sabine Dittmar (SPD). Die Bad Kissinger Landtagsabgeordnete ist Mitglied im lokalen Aktionsbündnis zur Abschaffung der Studiengebühren. Mit sieben weiteren Bündnispartnern, darunter die Oppositionsparteien, der DGB und die evangelische Kirche, wirbt sie im Landkreis für das Volksbegehren, das vom 17. bis 30. Januar bayernweit läuft. Mit guten Erfolgsaussichten. "Man sieht an der Vielfalt der Bündnispartner, wie breit der Rückhalt in der Bevölkerung ist." Dittmar ist zuversichtlich, die benötigten 950.000 Unterschriften zu erhalten. Gegner müssen offiziell eintragen lassen.


Bayern doppelt belastet

"Ich finde es gut, dass die Meinung der Leute abgefragt wird", sagt Wilfried Hamm, Vorsitzender des Elternbeirats am Jack-Steinberger-Gymnasium. Er geht davon aus, dass das Volksbegehren erfolgreich ist und findet die Haltung der Gebührengegner verständlich. "Besonders in Sachen sozialer Gerechtigkeit". Er sieht allerdings auch den Nutzen, der bei der Einführung durchgesetzt werden sollte. Nämlich die solide Finanzierung der Universitäten.

Dennoch denkt Hamm, dass die Abgabe mittlerweile im Widerspruch zum Länderfinanzausgleich steht, weil sie außer in Bayern nur noch in Niedersachsen erhoben wird. "Bayerische Eltern werden doppelt bestraft", kritisiert er. Sie müssten über die Studiengebühren direkt und über die Ausgleichszahlungen indirekt für das Hochschulsystem aufkommen.


Die Gesellschaft profitiert

"Es kann nicht sein, dass man meint, Bildung bekommt man umsonst", betont Frank Kubitza, Schulleiter am Jack-Steinberger-Gymnasium. Deutschland sei eines der reichsten Länder Europas, liege in Sachen Bildungsausgaben aber hinter dem OECD Durchschnitt.

"Wir sollten uns Bildung schon etwas kosten lassen." Damit meint der Oberstudiendirektor die Allgemeinheit. Zwar verdient der einzelne Akademiker mehr, aber er bringt auch eine erhebliche Leistung und zahlt höhere Steuern. Wer studiert, bringt sich später zum Nutzen der Gesellschaft ins System ein. "Bildung ist ein Anliegen von allen und kein Privatvergnügen. Sie muss von allen finanziert werden, denn sie kommt allen zugute", betont Kubitza. Auch Nicht-Akademiker und Eltern ohne Kinder.

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