Bad Kissingen
Mundart

"Wenn's verreckt is, is verreckt"

Maler, Musiker, Mundartdichter: Konni Albert kann alles und beweist, dass die Sprache der Rhöner Bevölkerung ihren ganz eigenen Charme hat.
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Konni Albert kann alles  Lena Pfister
Konni Albert kann alles Lena Pfister
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Auswärtige haben keine Chance, und selbst Einheimischen ist nicht immer gleich klar, in welcher Sprache Konni Albert da singt: Erst nach einer Weile hört der Kenner heraus: Es ist Rhöner Mundart. Doch von der Rhöner Mundart gibt es viele Varianten, die sich teils von Ort zu Ort erheblich unterscheiden, erklärt Albert: "Ich singe auf Vorderrhöner Mundart - der Dialekt aus der Region Poppenroth, wo ich aufgewachsen bin."
Schnell merkt man: Mundart ist Konni Alberts Königsdisziplin, gewissermaßen spricht er fließend Dialekt. Umso verblüffender ist, dass Albert sein Talent dafür erst relativ spät entdeckt hat. Die Liebe zur Musik begleitet ihn aber schon länger.


Autodidakt

Inzwischen lebt Konni Albert nicht mehr in Poppenroth, sondern in Hammelburg. Hauptberuflich arbeitet er als Diplom-Grafiker, malt Portraits, Postkartenmotive und was ihm sonst gerade in den Sinn kommt. Er ist ein durch und durch kreativer Mensch. Müsste er zwischen den verschiedenen Künsten wählen, wäre die Musik sein Favorit. "Musik ist für mich das Höchste. Musik hat einfach mehr Wucht, da sind mehr Emotionen dabei!", schwärmt er.

Konni Albert ist Autodidakt: Kaum zu glauben wenn man sieht und vor allem hört, wie Albert sich an Akkordeon und Gitarre austobt und dazu inbrünstig singt. Das Gitarre spielen hat er sich ebenso selbst beigebracht wie das Song schreiben.

Mit Mundart zum ersten Mal in Berührung kam er 1998. Relativ spontan nahm er damals an einem Mundart-Wettbewerb in Bad Brückenau teil. "Sofort stand für mich fest, dass ich auch selbst Lieder in dieser Stilrichtung machen möchte", erinnert sich der heute 63-Jährige.


Des Künstlers Lohn: glückliche Zuhörer

An der Mundart gefällt ihm vor allem die Reaktion seiner Zuhörer. Vor allem ältere Leute, die schon länger in der Gegend wohnen, freuen sich besonders, die "alte" Sprache zu hören - insbesondere in Verbindung mit Alberts teils neckischen Texten. "Wenn's verreckt is, is verreckt", heißt eines seiner bekanntesten Lieder. "Oft singen die Leute direkt mit. Manchmal kommt es auch vor, dass mich jemand auf der Straße sieht und anfängt, das Lied zu singen", erzählt Albert und schmunzelt.

Doch bei ihm geht's nicht nur lustig zu - nachdenklich kann er auch. Viele seiner Lieder handeln vom Glauben, denn Konni Albert fühlt eine enge Bindung zu Gott. "Das macht mich froh und gibt mir Kraft", erzählt der Künstler. Doch manchmal überlegt er, ob nicht zu viele seiner Lieder von Gott handeln, gibt er zu. Doch woher auch die Inspiration kommt - Konni Alberts Lieder klingen kein bisschen nach verstaubter, altbackener Kirchenmusik.


Neuer Trend?


Mundart - stirbt die nicht langsam aus? Konni Albert ist bei dieser Frage unschlüssig. "Ich merke es an meinen Kindern. Die kennen wesentlich weniger Mundart-Begriffe als ich und auch sonst wirkt es, also wäre die Mundart den Menschen heutzutage weniger geläufig", berichtet er. Anders ist es in kleineren Ortschaften. "Dort treffe ich öfters Leute, die noch Mundart reden - auch jüngere! Wenn die Eltern Mundart reden, dann machen die Kinder mit und diese traditionelle Sprache wird noch gepflegt."

Altmodisch ist Mundart seiner Meinung nach kein bisschen. "Man muss sich nur mal ansehen, wie populär Volksmusik inzwischen ist und wie viele junge Leute sich das anhören. Volkstümliche Musik ist momentan eher ein Trend", schildert Albert, während er sich den Gurt seiner Gitarre über die Schulter streift und das nächste Lied anstimmt - in letzter Zeit war er nämlich kreativ. Heraus kam dabei seine inzwischen dritte CD mit dem Titel "Jetzt wird gesse". Und lauscht man Albert während er mit schelmischem Gesichtsausdruck seine Lieder schmettert, dann bekommt man Appetit auf eine weitere Portion Mundart. Lena Pfister


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