Der Autounfall zwischen Hammelburg und Westheim vor drei Wochen, bei dem zwei junge Männer schwer verletzt wurden, war für einige Kameraden der Westheimer Feuerwehr Neuland, wie Winfried Kleinhenz erklärt. Denn kleinere Wehren werden nicht oft zu solchen Einsätzen gerufen. "Die Westheimer haben aber gut reagiert", sagt der Kommandant der Hammelburger Wehr. Er hat einige Tage nach dem Einsatz dennoch zu einer Besprechung eingeladen.
Solche Gesprächsrunden soll es nun regelmäßig geben, nicht nur um über die technische Seite des Einsatzes zu reden. "Bei einem Unfall macht man seine Arbeit, die belastende Wirkung kommt erst hinterher."
"Stress ist normalerweise bei Einsatzende wieder vorbei. Manche Einsätze stellen aber eine besondere Belastung dar", heißt es im Informationsblatt des SbE-Teams (Stressbearbeitung nach belastenden Einsätzen). Diese Gruppe besteht aus 14 Einsatzkräften des Rettungsdienstes und der Feuerwehr aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld, die speziell geschult worden sind.
"Nach einem Einsatz suchen sie das Gespräch mit den Kameraden", erklärt Kreisbrandinspektor Peter Sell. Vor allem wenn Angehörige oder andere Bekannte in einen Unfall oder Brand verwickelt sind, könne es für die Helfer schwer werden, damit umzugehen, sagt Sell. Welche Situationen belastend sind, hängt von den konkreten Umständen des Einsatzfalls ab und lässt sich nicht generell sagen. "Es ist total unterschiedlich", sagt Thomas Keßler. Der Bad Kissinger Dekan, der selbst Erfahrung als Feuerwehrmann hat, leitet das SbE-Team. Er erklärt: "Stundenlang die Straße absperren zu müssen, nicht zu wissen, was vor sich geht, und mit den Fragen der Leute konfrontiert zu sein, kann schon Stress sein."
Das Angebot des SbE-Teams gibt es erst seit rund zwei Jahren. Nach Keßlers Angaben wurden die Teammitglieder bisher ungefähr achtmal gerufen. "Die Initiative muss von den Rettungsorganisationen ausgehen", sagt der Dekan. In vom SbE-Team moderierten Nachgesprächen können die Einsatzkräfte erzählen, was sie am Unglücksort gemacht haben und welche Bilder ihnen in Erinnerung geblieben sind. Entscheidend ist, betont Keßler, dass wirklich nur diejenigen an dem Treffen teilnehmen, die beim Einsatz dabei waren.
Der eigentliche Schwerpunkt des SbE-Teams liege aber in der Prävention. Die Mitglieder stehen für Schulungsabende zur Verfügung. Die Einsatzkräfte sollen lernen, dass die Belastung "eine normale Reaktion auf eine unnormale Situation" ist. Schlafstörungen oder Gereiztheit zählt Keßler als mögliche Symptome auf, die aber "normalerweise wieder abklingen". "Wichtig ist es, zur Ruhe zu kommen und etwas Schönes zu machen", erläutert Monika Hufnagel, Mitglied des SbE-Teams und der Feuerwehr Obererthal. Ihre Empfehlung lautet, Zeit für sich zu nehmen und mit anderen zu sprechen.
Im kommenden Jahr soll es einen speziellen Kurs geben, um neue Mitglieder für das SbE-Team zu gewinnen. Da das Präventionsangebot noch relativ jung ist, sieht es Keßler als Aufgabe, die Kommandanten dafür noch mehr zu sensibilisieren. "Es muss aus den Köpfen raus, dass ein Feuerwehrmann der starke Mann sein muss", sagt Hufnagel.