Bad Kissingen
International

Weltbad Bad Kissingen wird immer bunter

In vielen Hotels würde ohne ausländische Mitarbeiter nichts gehen. Auch deshalb wächst die Stadt.
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Vier Mitarbeiter, vier Herkunftsländer: Der französische "Cup-Vitalis"-Hotel-Manager Pascal Muller (hinten) mit seinen Mitarbeiterinnen (von links) Maryem Belhadi aus Marokko, Rocio de la Cinta Martin Marquez aus Spanien und Dóra Szabó-Földes aus Ungarn. Foto: Ralf Ruppert
Vier Mitarbeiter, vier Herkunftsländer: Der französische "Cup-Vitalis"-Hotel-Manager Pascal Muller (hinten) mit seinen Mitarbeiterinnen (von links) Maryem Belhadi aus Marokko, Rocio de la Cinta Martin Marquez aus Spanien und Dóra Szabó-Földes aus Ungarn. Foto: Ralf Ruppert
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Die Tourismus-Branche ist auch in Bad Kissingen international aufgestellt: "Etwa die Hälfte unserer Mitarbeiter hat ausländische Wurzeln", berichtet Pascal Muller, Manager des "Cup-Vitalis"-Hotels. Er selbst ist in Paris geboren, aber seit mehr als 30 Jahren in Deutschland oder von Deutschland aus in der Branche tätig. Regelmäßig holt er junge Mitarbeiter aus dem Ausland nach Bad Kissingen. Auch deshalb tragen ausländische Mitbürger überdurchschnittlich zum Wachstum der Stadt bei: Von 2009 bis 2019 wuchs Bad Kissingen um 1404 Bürger, die Zahl der Ausländer stieg gleichzeitig um 891. Deshalb stieg ihr Bevölkerungsanteil von 1,9 auf 5,5 Prozent.

Winter-Halbjahr in Franken

Pascal Muller sucht aktiv nach Mitarbeitern im Ausland: "Dabei helfen mir natürlich meine internationalen Kontakte", sagt der Hotel-Chef. Unter anderem arbeite er mit mehreren Hotel-Fachschulen zusammen, aus denen Praktikanten nach Bad Kissingen kommen, um Deutsch zu lernen. Eine besondere Zusammenarbeit habe er mit einem Kollegen in Bulgarien: "Dort dauert die Saison nur von Mai bis September", berichtet Muller. Die Mitarbeiter dort seien froh, wenn sie im Winter-Halbjahr in Bad Kissingen aushelfen können. "Wir sind fast das ganze Jahr über ausgebucht", sagt Muller über den Bedarf an Mitarbeitern im "Cup Vitalis": Zwischen 220 und 230 Gäste seien meist im Haus, 90 Mitarbeiter kümmern sich um den reibungslosen Ablauf.

An der Rezeption empfängt Dóra Szabó-Földes die Gäste. Die Ungarin kam vor dreieinhalb Jahren nach dem Abitur für ein Auslandsjahr nach Hammelburg. "Ich habe mich schnell eingelebt", berichtet sie über den europäischen Freiwilligendienst. Deshalb wollte sie in Deutschland bleiben und begann eine Ausbildung in der Gastronomie. "Ich fühle mich sehr wohl hier", sagt die 22-Jährige in perfektem Deutsch. Für EU-Ausländer gebe es auch keine bürokratischen Hürden: "Ich war noch nie beim Jobcenter oder beim Landratsamt." Und nach der Ausbildung überlegt sie, vielleicht sogar den Betriebswirt zu machen.

Von der Familie überredet

Im Restaurant des Hotels arbeitet Rocio de la Cinta Martin Marquez aus Spanien mit. Die 27-Jährige kam vor zwei Jahren nach Deutschland - ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Ihr Vater und ihre Schwester seien bereits vor vier Jahren nach Bad Kissingen gekommen. Sie habe lange gezögert, habe sich dann aber doch überreden lassen. "Mir gefällt es sehr gut hier, alle sind sehr hilfsbereit", erzählt sie. Ihre Deutsch-Kenntnisse verbessert sie täglich im Umgang mit Kollegen und Gästen, deshalb sei sie auch schon weiter als ihr Mann, der als Schreiner hier arbeitet. Sie sind zwei von insgesamt 40 Spaniern, die aktuell in der Stadt leben.

Die meisten ausländischen Mitarbeiter im Cup Vitalis kommen aus EU-Ländern, aber es gibt auch Ausnahmen: Maryem Belhadi kam vor eineinhalb Jahren durch ein Austausch-Programm der jeweiligen Tourismus-Verbände aus Marokko nach Deutschland. "Vorher habe ich drei Monate lang Deutsch-Kurs", erzählt die 23-Jährige. Als Auszubildende in der Küche versucht sie immer wieder, Traditionen aus ihrer Heimat einzubringen. Wenn zum Beispiel Couscous auf dem Speiseplan des Hotels steht, dann natürlich nach traditionell marokkanischer Art.

Alle drei jungen Frauen loben den Zusammenhalt in der Belegschaft: "Wir haben einen sehr guten Austausch", sagt Maryem Belhadi. Und auch wenn sie sich bisweilen mit Händen und Füßen verständigen, verbessern sie im direkten Kontakt doch immer die deutsche Sprache.

Laut Tanja Schottdorf, Leiterin des Bad Kissinger Bürgerbüros, kommen die meisten Arbeitsmigranten aus dem EU-Ausland: Vor allem die Bau- und die Hotel-Branche benötigten Fachkräfte aus anderen Ländern.

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