Bad Kissingen
Glaube

Weihnachten bei der russisch-orthodoxen Gemeinde in Bad Kissingen

Die russisch-orthodoxe Gemeinde feiert Weihnachten erst im Januar - nach Heilig Drei König. Wenn Katholiken und Protestanten schon feiern, müssen Orthodoxe noch streng fasten.
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Die russisch-orthodoxe Kirche in Bad Kissingen Fotos: Benedikt Borst
Die russisch-orthodoxe Kirche in Bad Kissingen Fotos: Benedikt Borst
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Vorfreude in der russischen Kirche des heiligen Sergius von Radonesch in der Salinenstraße: Endlich Weihnachten, endlich wieder normales Essen. Am Dreikönigstag am Montag endete für die orthodoxe Gemeinde die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit. 13 Tage nach dem katholischen und evangelischen Weihnachtsfest wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert. "Am 6. Januar ist für uns Heiligabend. Und am 7. Januar der erste Weihnachtsfeiertag", sagt Priester Alexej Lemmer.

Das liegt daran, dass sich die orthodoxe Kirche nicht am üblichen Gregorianischen Kalender orientiert, sondern am älteren Julianischen. So finden alle Feste zwei Wochen später statt.

An Heiligabend treffen die Gläubigen in der Kirche in Bad Kissingen die letzten Vorbereitungen für das Fest. Der Altarraum wird für die Messe am Weihnachtsmorgen hergerichtet und die Gemeinschaftsräume für das anschließende Essen dekoriert. "Wir schmücken die Tische und decken sie für 50 bis 60 Menschen ein", sagt Helferin Liliane Teichrew.

Das Essen ist opulent und abwechslungsreich. Es gibt Fleischtaschen, Hähnchen, Sülze, eingelegtes Obst, Torten und andere Süßspeisen. Es wird aufgetischt, was allen schmeckt. "Wenn man so lange gefastet hat, freut man sich auf alles", meint Liliane Teichrew. Ein traditionelles Festgericht wie hierzulande die Weihnachtsgans gibt es in ehemals sowjetischen Staaten nicht.

Einzig "Kutja", eine Süßspeise aus Getreide, Nüssen, Mohn und Honig, gehört zu Weihnachten dazu. "Das muss sein", sagt die gebürtige Kirgisin. Dazu wird ein Obstsaft aus Trockenfrüchte-Kompott getrunken; die Kalorienbomben sind die traditionellen Fastenbrecher. "An Heiligabend dürfen wir den Tag über nichts trinken und essen", sagt Teichrew. Erst abends, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist, dürfen die Gläubigen Nahrung zu sich nehmen.


Fasten als Vorbereitung

Die vorweihnachtliche Fastenzeit sei sehr streng, sagt Priester Alexej Lemmer. "Nur samstags und sonntags ist Fisch erlaubt", erklärt er. Den Rest der Woche gibt es Gemüse und Obst. Fleisch und Milchprodukte sind tabu. Das steigert sich kurz vor dem Fest bis zur totalen Abstinenz am heiligen Abend. "Die letzten fünf Tage vor Weihnachten wird auch kein Fisch mehr gegessen", sagt Alexej Lemmer.

Heiligabend gibt es zwar Kutja, aber das Fasten endet für die Gläubigen im Prinzip erst am ersten Weihnachtstag nach der Messe. Erst danach sind wieder alle Speisen erlaubt. "An erster Stelle steht an Weihnachten das Geistliche, erst dann kommt das Materielle", sagt der Priester. Deshalb müssen viele Kinder noch bis Mittag auf die Bescherung warten. Erst dann werden die Geschenke ausgepackt. Zwei Wochen später als ihre katholischen und evangelischen Altersgenossen in Deutschland. Das ist aber kein Problem. "Die Größeren verstehen, dass das bei anderen Konfessionen anders ist", sagt Alexej Lemmer.

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