Bad Kissingen
Gesundheit

Weg der Besinnung: Zwölf Stationen laden zum Nachdenken ein

Gemeindereferentin Ursula Summa führt zweimal im Monat Gruppen durch die zwölf Kunstwerke
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"Wer bin ich? Und wer will ich sein?" - das eigene Spiegelbild auf dem Weg der Besinnung wirft Fragen auf. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß
"Wer bin ich? Und wer will ich sein?" - das eigene Spiegelbild auf dem Weg der Besinnung wirft Fragen auf. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß
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Durch eine Lücke in den Bäumen schweift der Blick über Felder und Wiesen. Es duftet nach Blumen und sonnengetrocknetem Heu. In der Ferne sieht man die Dächer von Bad Kissingen. "Es ist immer schön, einmal innezuhalten", sagt Gemeindereferentin Ursula Summa, Kur- und Rehaseelsorgerin in Bad Kissingen. Entspannt lehnt sie in der Skulptur "Ausblick". In eine rund drei Meter hohe Metallplatte hat der Künstler Helmut Droll aus Euerdorf den Umriss eines Menschen mit ausgebreiteten Armen geschnitten. Insgesamt zwölf Kunstwerke hat er für den "Weg der Besinnung" geschaffen. Jeden Monat führt Summa Gruppen auf dem rund zwei Kilometer langen Weg, der von der Bildungsstätte Heiligenhof, am Ende der Alten Euerdorfer Straße in Bad Kissingen gelegen, bis zum Parkplatz am Rand des Stadtteils Garitz führt. Auch für sie selbst ist der Weg immer wieder spannend. "Es sind immer neue Leute und neue Reaktionen."

"Wer bin ich?"

Gemeindereferentin Ursula Summa führt regelmäßig Gruppen auf dem "Weg-der-Besinnung".Start ist am Heiligenhof am Ende der Alten Euerdorfer Straße."Wer bin ich? Wer will ich sein?" Das eigene Spiegelbild wirft Fragen auf.Der Weg ist auch für Familien mit Kinderwagen und Senioren gut geeignet.

Am Waldrand entlang verläuft der Weg in sanften Kurven im Schatten der Bäume. Zu Beginn sieht er ein wenig uneben aus. Er sei aber für Familien und Senioren geeignet, sagt Summa. Auch eine 85-jährige Frau mit Rollator sei schon mitgegangen. Gleich am Anfang stehen sich zwei Spiegel gegenüber. Mit ein bisschen Rumprobieren sieht man darin viele Spiegelbilder, die immer kleiner werden. Ein paar Schritte weiter ist eine Texttafel. "Wer bin ich? Gestern ein anderer als heute und morgen? Wer will ich sein?", ist darauf zu lesen. Zu jeder Station gehört eine Texttafel, die von Pfarrer Edwin Ziegler und seinem evangelischen Kollegen Jochen Wilde geschrieben wurde.

Mit allen Sinnen

Besinnung verbinden viele Menschen mit Nachdenken oder Meditation. "Besinnung heißt aber auch, mit allen Sinnen diesen Weg zu gehen und die Natur zu genießen. Bei jedem Licht, jedem Wetter, jeder Jahreszeit sieht der Weg anders aus." An diesem heißen Sommertag summen Insekten, raschelt trockenes Laub unter den Füßen. Ab und an hüpft ein Vogel über den Weg. Plötzlich duftet es intensiv nach Rosen, noch bevor man hinter der nächsten Biegung den Strauch sehen kann. "Ich gehe manchmal auch alleine hier spazieren", sagt Summa.

Der Weg begleite sie, seit sie als Kur- und Rehaseelsorgerin nach Bad Kissingen kam: "Er wurde im Herbst 2006 eröffnet, im gleichen Jahr, als ich hier angefangen habe." Von Mai bis Oktober bietet die Ökumenische Kur- und Rehaseelsorge zweimal im Monat Führungen an, die meist von Summa im Wechsel mit Pfarrerin Christel Mebert geleitet werden. Dazu kommen Sonderführungen für Gruppen. "Unsere Flyer gehen weg wie warme Semmeln", erzählt Summa. Auch die Postkartenserie mit Bildern von den einzelnen Stationen müsse häufig nachgedruckt werden. "Der Weg der Besinnung ist ein Highlight in Bad Kissingen."

Spielraum für Gedanken

Die abstrakten, aus Holz und Metall geschaffenen Kunstwerke lassen viel Spielraum für eigene Gedanken. Wie die glänzende Kugel, die aus einem großen Haufen abgestorbener Äste herausragt. Für manche Menschen sehe das zunächst aus wie ein chaotisches Gestrüpp, erzählt Summa. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man ein Senkblei, das über der Kugel zu schweben scheint. "Du!" hat der Künstler die Station genannt. Auf viele wirke die Anordnung bedrohlich, denn wenn das Blei herunterfalle, könne es die Kugel verletzen. "Aber man könnte es auch als ein ,Herausziehen" interpretieren." Die Texttafel bringt eine weitere Idee ins Spiel: "Wer ich auch bin, wohin immer ich gehe: Einer weiß von mir", ist unter der Überschrift "Gefunden" zu lesen. Der Künstler selbst sagte bei der Eröffnung, dass keines der Objekte fertige Lösungen biete. Sie seien allenfalls "als Wegweiser für den Betrachter" zu sehen, schrieb die Main-Post damals.

Wenn Summa mit einer Gruppe den "Weg der Besinnung" geht, ermuntert sie die Teilnehmer gerne zur Interaktion mit den Kunstwerken. Die Skulptur "Geborgen" etwa - ein riesiger Eichenstamm, der verkehrt herum im Boden steckt - ist groß genug, dass sich ein Mensch zwischen die Äste stellen kann, neben die kleine Kugel, die im Boden steckt. "Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manche fühlen sich darin geborgen, manche aber auch eingeengt." Zwischen den unterschiedlich hohen, dicken und dünnen Stäben, die bei "Wie weit noch" in einer langen Reihe in den Wald hineinführen, würden Kinder gerne Slalom laufen. An der Station "Narben" bleibt Summa ein wenig länger stehen. Vier scheinbar gleiche, glänzende Metallkugeln in einer Reihe - doch die eine hat einen Riss, die andere mehrere Dellen. "Das ist eine ganz tolle Station. Hier kommen die Lebensgeschichten mit ihren Verwundungen und Verletzungen."

Am Ende des Wegs stehen fünf Spiegel hinter einem großen Haufen von Ästen. "Hier lasse ich die Leute gerne im Gänsemarsch vorbeigehen, einer hinter dem anderen." Wenn die Teilnehmer dann vergleichen, was sie in den Spiegeln gesehen haben, werde schnell klar: Jeder sieht etwas anderes. "Ich mag diese Station sehr. Sie weitet alles", erklärt Summa. "Bei der ersten Station sehe ich mich, wie ich so bin. Hier erfahre ich, wie andere die Welt sehen, und lerne, die Sicht anderer Menschen und meine eigene, nebeneinander und auf Augenhöhe, zuzulassen, ohne Bewertung."

Der "Weg der Besinnung" ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Bad Kissingen, der katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde sowie des Künstlers Helmut Droll aus Euerdorf (www.drolls.de) und wurde im Oktober 2006 offiziell eröffnet. Der rund zwei Kilometer lange Weg führt vom Heiligenhof in der Alten Euerdorfer Straße bis zum Parkplatz Garitz. Die zwölf Kunstwerke wurden von Droll konzipiert und gestaltet. Führungen werden von Mai bis Oktober zweimal monatlich von der Ökumenischen Kur- und Rehaseelsorge Bad Kissingen angeboten. Die nächsten Führungen auf dem "Weg der Besinnung" sind am Samstag, 24. August, Freitag, 6. September, Samstag, 21. September, Freitag, 4. Oktober, und Samstag, 19. Oktober. Treffpunkt ist jeweils um 14.45 Uhr am Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße, 97688 Bad Kissingen.

Weitere Informationen gibt es bei der katholischen Kurseelsorge, Telefon 0971/72469313, sowie beim evangelisch-lutherischen Pfarramt, Telefon 0971/2747. Eine Wegbeschreibung und einen Flyer zum Herunterladen gibt es auch auf der Homepage der Stadt Bad Kissingen (www.bad-kissingen.de), dazu nacheinander auf "Aktivitäten" - "Sportliche Aktivitäten" - "Wandern" klicken.

Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

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