Bad Kissingen
Sonatenzyklus

Was nur zwei Jahre bewirken können

Kennen Sie Lady Inchiquin? Sind sie ihr schon mal begegnet? Vermutlich ja, wenn auch nicht bewusst.
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Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen.Gerhild Ahnert
Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen.Gerhild Ahnert

So heißt die Stradivari, mit der Frank Peter Zimmermann spielt, ein wunderbares Instrument, das früher einmal Fritz Kreisler gehört hat und nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend einer gewissen Lady Inchiquin, die auf einer kleinen Insel vor der irischen Westküste lebte. Zimmermann bekam sie 2001. Dass er sie auch mal für zwei Jahre zurückgeben musste, weil sich die internationalen Banken verzockt hatten, ist eine andere Geschichte.

Jetzt waren sie also im Max-Littmann-Saal: Frank Peter Zimmermann, Lady Inchiquin und Martin Helmchen und eröffneten den Beethoven-Zyklus, der den Sonaten für Violine und Klavier gewidmet ist und der 2020 fortgesetzt wird.

Es war, auch wenn "nur" Beethoven auf dem Programm stand, ein hochinteressanter Abend, denn er verdeutlichte den historischen Aspekt der Musik, auch wenn Zimmermann und Helmchen die ersten vier Sonaten nicht auf Originalklang trimmten, sondern mit modernen Mitteln (wenn man von der 300 Jahre alten Geige absieht) musizierten. Wobei immer wieder in den Vordergrund trat, wie gut sich die beiden musikalisch verstanden, wie mühelos sie miteinander kommunizierten, wie ihr Spiel zu einer virtuos und agogisch mitreißenden Einheit wurde, wie der Klang der Violine und der Anschlag des Klaviers zueinander fanden.

Zimmermann und Helmchen machten mit lockerer,spielerischer Souveränität deutlich, wie Beethoven in den ersten drei Sonaten für Klavier und Violine D-dur, A-dur und Es-dur noch experimentierte, wie weit er mit seiner Originalität und immer wieder mit seinem Humor wie im Es-dur-Rondo oder im D-dur-Finale gehen konnte, wie weit er Grenzen und geltende Regeln zugunsten einer geistreichen Unterhaltsamkeit überschreiten konnte. Und Frank Peter Zimmermann machte mit seinem Zugriff deutlich, dass Beethoven damals schon eine Aufwertung und Emanzipation der Violinstimme im Sinn gehabt haben musste.

Trotzdem: Überraschend war dann die 4. Sonate, weil man merkte, wie sehr sich Beethoven in zwei Jahren weiterentwickelt hatte - und nicht nur, weil sie jetzt Sonate für Violine und Klavier heißt. In der a-moll-Sonate wird nicht mehr experimentiert. Hier hat Beethoven sich entschieden, sich von der Unterhaltungsmusik endgültig zu verabschieden und subjektiv, persönlich zu werden. Und so spielten die beiden auch: mit modernem Zugriff, nicht auf Schönklang, sondern auf Auseinandersetzung und Konflikte zielend wie in der stark dramatisierten Durchführung des ersten Satzes. Da ging es plötzlich auch um Konkurrenz. Und man wurde das Gefühl nicht los, dass Beethoven hier das Tor zur Romantik einen Spalt breit geöffnet hatte. Zugabe war das Adagio aus der 6. Sonate.

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