Bad Kissingen
Soziales

Was der Nebel im Kopf bedeutet

Im Rahmen der bayerischen Demenzwoche hat die Berufsfachschule für Altenpflege Schülern der Anton Kliegl Mittelschule die Welt Demenz-Erkrankter nähergebracht.
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Szene aus dem Rollenspiel. Ein Pfleger (Soran Geyer) hilft einer verwirrten Patientin (Sandra Brückel). Foto: Werner Vogel
Szene aus dem Rollenspiel. Ein Pfleger (Soran Geyer) hilft einer verwirrten Patientin (Sandra Brückel). Foto: Werner Vogel

Sandra Brückel setzt eine altmodische Brille auf, versteckt ihr Haar unterm Kopftuch, stützt sich auf einen Stock und mimt eine demenzkranke Oma, die im Altenheim ihr Zimmer nicht mehr findet. Soran Geyer, der nette junge Mann hilft ihr: "Sie wohnen in Zimmer 32", tröstet er die vergessliche Seniorin. Mit dieser Szene wollen die beiden angehenden Altenpfleger die Schüler der Kliegl Schule mit dem Thema Demenz vertraut machen.

Katrin Schor, Schulleiterin der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe des BFZ in der Columbia Straße, klärt auf: "Wir beteiligen uns mit einem Demenzparcours an der Demenzwoche des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Wir wollen das Thema schon jungen Menschen näherbringen".

1,7 Millionen Betroffene

Eine der Stationen dieses Parcours ist das erwähnte Rollenspiel, das die Schüler der 7. Klasse der Kliegl Schule ziemlich nachdenklich macht. Luca, er ist 13, hat eine ähnliche Situation schon erlebt, erzählt von einer Frau, die sich in dem Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt, auch nicht mehr zurechtfand: "Und die war noch viel jünger", bestätigt, dass es nicht nur Senioren treffen kann. Neben der im Rollenspiel dargestellten Orientierungslosigkeit haben die Schülerinnen und Schüler der Pflegeschule klassenübergreifend noch sieben andere Aspekte der Krankheit, an der 1,7 Millionen Menschen in Deutschland leiden, mit unterschiedlichen Methoden dargestellt.

Kilian aus der 7b der Klieglschule darf ausprobieren, was der Nebel im Kopf und die nachlassenden körperlichen Fähigkeiten bewirken. Er trägt Handschuhe und kann so die kleinen Tabletten nur ganz schwer aus der Schachtel kriegen. Isabella setzt eine Brille auf, die alles verzerrt und hat ein Gewicht am Handgelenk. Was sie - so behindert - auf das Blatt schreibt, ist kaum leserlich.

So dargestellte Alltagssituationen erlauben es, Gefühle und Empfindungen demenziell veränderter Menschen zumindest ansatzweise zu verstehen. "Fühlsäckchen" erschweren das Greifen, Hören wird mit Nebengeräuschen schwieriger, Gerüche zuzuordnen, schafft das Gedächtnis der Patienten oft nicht. Durch das Selbsterleben wird Demenz auch für junge Leute verständlicher. An anderen Stationen wird aufgezeigt, welche Wege Betroffene und Angehörige gemeinsam gehen können, um Lebenswelten und Beziehungen gemeinsam gestalten zu können. Licht, Farben und kleine Hilfsmittel spielen dabei eine Rolle.

Demenz-Wegweiser

Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit und das quälende Verlöschen der Persönlichkeit wird intensiv erforscht, doch noch immer ist kein Mittel gefunden, Störungen von Gedächtnis, Denken, und Orientierung, von Auffassung, Lernfähigkeit und Urteilsvermögen wirksam zu bekämpfen.

"Die Begleitung Demenzkranker wird wichtiger Bestandteil des Berufsbildes Altenpflege bleiben", meint auch die stellvertretende Schulleiterin Katrin Kritzner und verweist auf den Demenz Wegweiser, den das "Kompetenz Netzwerk Demenz" des Landkreises Bad Kissingen für Angehörige und Betroffene bereithält.

Ansprechpartnerin im Landratsamt Bad Kissingen ist Antje Rink unter Tel.: 0971/801 52 01 oder antje.rink@kg.de

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