Bad Kissingen

Wann kommt das Bähnle zurück nach Bad Kissingen?

Der neue Betreiber will mit zwei Bahnen im Frühjahr durchstarten. Über den Winter wird ein Konzept mit der Stadt abgestimmt.
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Neben den Touren zum Wildpark Klaushof fuhr das Kurbähnle auch regelmäßig durch Innenstadt und Luitpoldpark. Hier entfernte Gästeführer Albin Markert (links) einen Pfosten und macht die Bahn frei. Wo das oder die Bähnle in Zukunft unterwegs sind, ist noch offen. Foto: Ralf Ruppert/Archiv
Neben den Touren zum Wildpark Klaushof fuhr das Kurbähnle auch regelmäßig durch Innenstadt und Luitpoldpark. Hier entfernte Gästeführer Albin Markert (links) einen Pfosten und macht die Bahn frei. Wo das oder die Bähnle in Zukunft unterwegs sind, ist noch offen. Foto: Ralf Ruppert/Archiv

Zum ersten Mal seit 1978 ist heuer im Sommer-Halbjahr kein Kurbähnle durch die Stadt getuckert. Die weiß-blaue Zug-Maschine mit ihren Anhängern für rund 50 Personen hat vielen Touristen und Familien gefehlt. Ab Mitte Juni richtete die Stadt an Wochenenden als Ersatz eine Bus-Linie ein. Ab Frühjahr soll das Bähnle wieder kommen, allerdings nicht in weiß-blau, sondern voraussichtlich in grün-gelb.

"Wir sind aktuell in Gesprächen und schauen, wie wir das umsetzen", berichtet Oliver Wolters, Inhaber der Kölner "Gecko-Bahn", von Absprachen mit der Stadt. Wolters hatte das Bad Kissinger Bähnle vor einem Jahr übernommen. "Ich habe aber nur die Bahn gekauft, nicht die Firma", stellt er klar. Deshalb müsse er auch noch Formalitäten erledigen, etwa die Genehmigung zum Betrieb der Strecke umschreiben lassen.

Erste Pause seit 40 Jahren

Im April war die Enttäuschung bei vielen Bähnle-Fans groß, als die Fahrten zwischen Innenstadt und Klaushof plötzlich ausblieben. Weil Wolters eine Kleinbahn fehlte, zog er die Bad Kissinger Bahn ab in Richtung Main. "Wir benötigen in Wertheim zu Stoßzeiten drei Bahnen, weil manchmal auf einen Schlag 180 Passagiere mit einem Schiff anlegen", argumentiert Wolters.

Außerdem erhielt er den Zuschlag für die diesjährige Landesgartenschau Sachsen-Anhalt. "Dort hatten wir zwei Bahnen im Einsatz", berichtet Wolters. Weil er außerdem heuer noch eine Bahn gekauft habe, gibt er sich optimistisch, dass Bad Kissingen nach einem Jahr Pause sein Bähnle wieder bekommt: "An Bahnen und am Personal scheitert es jedenfalls nicht."

Im Gegenteil: Er wolle sogar zwei Kleinbahnen in Bad Kissingen stationieren, unter anderem um im Schadensfall einen Ersatz zu haben. Für Wolters, der aus einer Kölner Bus-Unternehmer-Familie stammt, passt Bad Kissingen strategisch gut ins Geschäft: "Durch die Lage zwischen Wertheim und Coburg können wir auch mit Personal aushelfen."

OB will noch heuer Klarheit

Mühlhausen und Heidelberg sind weitere Standorte, an denen die typischen grün-gelben Bahnen fahren. Dieses Design will er auch für Bad Kissingen übernehmen, um Bahnen leichter austauschen zu können. Personal will sich Wolters vor Ort suchen, aber: "Ich bringe auch mindestens eine Person mit, die die Bahnen kennt."

Wolters' Ziel: "Ich will so früh wie möglich in die Saison starten." Bis dahin seien aber noch viele Fragen zu klären. In den kommenden Wochen wolle er ein Konzept für die Stadt ausarbeiten. Kerngeschäft bleibe natürlich die Fahrt zum Wildpark Klaushof. Allerdings brauche er auch andere Touren.

"Ich gehe davon aus, dass wir noch heuer Nägel mit Köpfen machen", hofft auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) auf baldige Klarheit über die Rückkehr des Bähnle. Er geht davon aus, dass das Thema Bähnle auch im Stadtrat behandelt wird, denn: "Es könnte sein, dass sich das Konzept möglicherweise nicht selbst trägt." Sprich: Vielleicht müsste die Stadt einen Zuschuss geben? Zumindest in Wertheim und Coburg ist das nicht der Fall: "In Wertheim gibt es keine finanzielle Förderung des Bähnle-Betriebs durch Stadt oder Tourimus-GmbH", heißt es vom Main. In Coburg wird laut Stadt auch kein Geld überwiesen, die Marketing-Abteilung bewerbe das dortige Bähnle lediglich mit.

Besucherzahlen im Mittel stabil

Im Wildpark hat der Ausfall des Bähnles zu keinem großen Einbruch der Besucherzahlen geführt. Sie stiegen von Juli 2017 auf Juli 2018 von 4792 auf 5299, dafür gab es in den jeweiligen Augustmonaten einen Rückgang von 8811 auf 7990. Kein einheitlicher Trend also. Rathaus-Sprecher Thomas Hack führt den schlechteren Besuch im August 2018 eher auf das heiße Wetter zurück. Insgesamt erwarte er jedenfalls ähnliche Besucherzahlen 2017 und 2018.

Im Frühjahr gab es an manchen Tagen zugeparkte Straßen, weil die Stellplätze nicht reichten. Das federte die Stadt mit einer zusätzlichen Bus-Linie ab: "Wir fahren seit Mitte Juni am Wochenende und an den Feiertagen täglich drei Mal hin und drei Mal zurück", berichtet Traudel Ziegler vom Bad Kissinger Reisebüro Ziegler, und: "Die Leute waren heilfroh, dass es eine Verbindung gab." Viele würden gerne die einfache Strecke wandern, aber hin und zurück sei ihnen zu anstrengend. Noch bis 28. Oktober fährt der Ziegler-Bus an den Wochenenden, danach kann Traudel Ziegler gerne auf den Zusatz-Auftrag verzichten, denn: "Das Bähnle gehört einfach dazu, das ist ein Anziehungspunkt und viel attraktiver als ein normaler Omni-Bus", erkennt sie neidlos an.



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