Bad Kissingen
Konzert

Vorweihnachtsstimmung im Bad Kissinger Kurtheater

Die Kissinger Sängervereinigung lockt mit "sinfonietta franconica" viele Zuhörer ins Kurtheater. Als Solisten wirken Sopranistin Maximiliane Schweda und Blockflötist David Hanke mit.
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Dicht gepackt unter dem Weihnachtsstern standen im Kurtheater auf der Vorbühne und auf einem Podest im Portal der Hauptbühne die Akteure, ein Chor der Kissinger der Sängervereinigung, das Kammerorchester "sinfonietta franconica", die Solisten Maximiliane Schweda (Sopran) und David Hanke (Blockflöte) unter der Leitung von Hermann Freibott bei ihrem mit viel Applaus bedachten traditionellen Konzert zum 1. Advent. Foto: Thomas Ahnert
Dicht gepackt unter dem Weihnachtsstern standen im Kurtheater auf der Vorbühne und auf einem Podest im Portal der Hauptbühne die Akteure, ein Chor der Kissinger der Sängervereinigung, das Kammerorchester "sinfonietta franconica", die Solisten Maximiliane Schweda (Sopran) und David Hanke (Blockflöte) unter der Leitung von Hermann Freibott bei ihrem mit viel Applaus bedachten traditionellen Konzert zum 1. Advent. Foto: Thomas Ahnert
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So viel, wie auf der Bühne des Kurtheaters möglich, zeigte die ganz frisch erneut mit dem Ehrentitel "Leistungschor" geehrte Kissinger Sängervereinigung in ihrem Adventskonzert, das traditionell am 1. Adventssonntag im Kurtheater stattfindet.

Das Parkett des Kurtheaters war gut gefüllt, viele Zuhörer hatte sicherlich der Zeitungsbericht über die Ehrung trotz denkbar schlechten Spätherbstwetters neugierig gemacht auf das Können des Chores und seines Leiters Hermann Freibott. Der hatte nicht nur für eine üppige Dekoration der Bühne mit Leuchtreh im Vordergrund und Drehstern von oben sorgen lassen, sondern auch - wie schon Tradition - auch ein kleines Streichorchester aus dem Fundus seiner "sinfonietta franconica" , zwei Solisten und einen Organisten mitgebracht. Der blieb im Programm ungenannt und am Ende unbedankt, macht aber durchwegs aus der linken Proszeniumsloge (Lautsprecherboxen) von sich hören.

Hilfe in Todesnot

In Felix Mendelssohn-Bartholdys "Hör mein Bitten", einer Kirchenhymne für Singstimme, Chor und Orgel, die Mendelssohn für seine englischen Bewunderer schrieb und die im 19. Jahrhundert sehr populär war, begleitete er die Sopranistin Maximiliane Schweda vom Mainfrankentheater Würzburg und den Gesamtchor der Sängervereinigung. Schweda ist schon seit einigen Jahren für die Gesangssoli zuständig. Zusammen gestalteten sie eindringlich die Bitte des Psalms 54 um Hilfe in Todesnot, der auf die vergangenen Totengedenktage im November zurückverwies. Die stellvertretende Vorsitzende des Chors, Christina Weiß, begrüßte das Publikum mit Worten zum Advent, der ein "Bereitmachen für das wahre Weihnachten" sein und nicht als eine bloße "Erfindung der Konsumgüterindustrie" wahrgenommen werden solle.

Zu sehr farbigem, abwechslungsreichem Musizieren fand sich der zweite Solist des Konzerts, der 27-jährige Blockflötist David Hanke, mit den Musikern der "sinfonietta franconica" zusammen. Ohne Dirigenten spielten sie sehr kammermusikalisch und ohne die häufig allzu starr terrassendynamische Abfolge Concertino - Tutti Giuseppe Sammartinis "Concerto F-Dur", wobei in das Wechselspiel mit dem Solisten nicht nur die Continuogruppe, sondern fast alle Instrumentalisten einzeln und solistisch einbezogen wurden. Auch bei den virtuosen Variationen in Arcangelo Corellis, in denen die "sinfonietta" den Flötisten wieder engagiert begleitete, zeigten die Musiker, wie fröhlich und kurzweilig barocke Musik sein kann.

Schöner Zusammenklang

Nach der Pause ließ dann leider die Orgel für die vorderen Reihen im Parkett den Hörgenuss immer wieder problematisch werden. Schon bei Gabriel Faurés "Cantique de Racine", auf dessen Nachdichtung "Verbe, égal au Trés-Haut" des ambrosianischen Hymnus, Consors paterni luminis, das die Streicher sehr delikat begonnen hatten, konnte sich der Chor nur sehr langsam aus dem Dröhnen befreien. Luigi Cherubinis "Ave Maria" ist als Duett zwischen Englischhorn und Solostimme komponiert, aber für viele Besetzungen arrangiert worden. Schweda fand im Wechsel mit dem Frauenchor und in Streicherbegleitung zu einem schönen Zusammenklang. Einen Ruhepunkt bot Felix Mendelssohn-Bartholdys Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs "Air" aus der 3. Orchestersuite, dessen eigentliche Beschwingtheit aber durch den etwas hölzern gestalteten Cantus firmus etwas ausgebremst wurde.

Wenn die Orgel dröhnt

Vorweihnachtlich angehaucht war dann eine sehr gekürzte, von Schweda gesungene Fassung von Georg Friedrich Händels Arie "Er weidet seine Herde" aus dem "Messias", zu deren Vorspiel Christine Weiß Assoziationen zu "Advent" sprach. Einen typisch romantischen A-Cappella-Männerchor, "Die Nacht" von Franz Abt, interpretierte der Männerchor (unterstützt von fünf Frauen) sehr gefühlvoll, bevor im "Cantique de Noel" dessen Schöpfer Adophe Adam zeigte, dass er als Opernspezialist wusste, wie man effektvoll für Singstimme komponiert. Der Chor füllte sehr zart den Hintergrund, die Sopranistin kam besser über das Orgelrollen hinweg. Beim eigentlich unendlich zarten "Wie lieblich sind die Boten" aus Mendelssohn-Bartholdy Oratorium "Paulus" dröhnte die Orgel das meiste zu, der Chor verschwand beinahe, auch Schwedas Stimme klang in den Höhen angegriffen, erst bei der Pianowiederholung konnte man die Melodie wirklich hören.

So richtig aus dem Weihnachtsrepertoire waren dann die drei Zugaben, die sich das Publikum erklatschte. Bei Händels triumphalem Hit "Halleluja" gab der Chor mit viel Einsatz sein Bestes, aber die Orgel siegte. "Tochter Zion" löste in diesem Jahr das traditionelle "Oh du fröhliche" zum Mitsingen für das Publikum ab und mit Saint-Saens' Schlusschor "Tollite hostias", dem Schlusschor aus seinem Weihnachtsoratorium, ging das Konzert mit einem feierlichen Ohrwurm zur Vorweihnachtszeit zu Ende.

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