LKR Bad Kissingen
Kommunalwahl

Von Aura bis Zeitlofs: Übersicht zur Bürgermeisterwahl

Eine Umfrage ein Jahr vor der Kommunalwahl hat ergeben, dass sechs Bürgermeister 2020 sicher aufhören und zehn für eine weitere Amtszeit kandidieren wollen.
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Grafik: Carolin Höfler
Grafik: Carolin Höfler

Während in anderen bayerischen Kommunen und Kreisen bereits die ersten Kandidaten nominiert wurden, ist es im Landkreis Bad Kissingen noch ruhig rund um die Kommunalwahl. "Nachfragen von Gruppierungen oder Kandidaten sind mir keine bekannt", sagt etwa Marina Härder, Leiterin des Münnerstädter Bürgerservices. Laut einer Umfrage der Redaktion gingen auch in den anderen Gemeinden oder Verwaltungsgemeinschaften bisher noch keine Anfragen ein. Die Stadt Bad Kissingen hat vorsorglich bereits Wahlunterlagen bestellt und Angebote für den Druck von Stimmzetteln eingeholt. "Intensiv wird es nach der Europawahl Richtung drittes Quartal losgehen", berichtet Rathaus-Sprecher Thomas Hack.

Hack ist gleichzeitig seit 2002 ehrenamtlicher Bürgermeister von Aura. "Ich würde das Amt gerne noch sechs Jahre machen", sagt der 56-Jährige auf Nachfrage. 2002 hatte er noch Jutta Hofmann als Gegen-Kandidatin, seitdem trat niemand mehr gegen ihn an. Hack hofft, dass es in der kleinen Gemeinde wieder nur eine Liste gibt: "Dann ist die Wahl am fairsten", verweist er darauf, dass in diesem Fall die acht Kandidaten mit den meisten Stimmen in den Gemeinderat einziehen.

"Ich trete wieder an", sagt auch der Oerlenbacher Bürgermeister Franz Kuhn, der im Januar seinen 60. Geburtstag feierte. Bei einer Wiederwahl wäre er also bis drei Monate über 67 Jahre im Amt. "Dann mache ich das halt ein halbes Jahr länger als mein eigentlicher Renten-Eintritt."

"Mir macht es nach wie vor Spaß, ich würde mich freuen, wenn mich die CSU wieder aufstellt", erklärt der Nüdlinger Bürgermeister Harald Hofmann. Der Wähler müsse dann entscheiden, ob er die beiden Mammut-Projekte Schul-Sanierung und Umgehungsstraße weiter begleiten kann. "Der Job macht Spaß, es ist viel angeschoben worden", kündigt auch der Wildfleckener Bürgermeister Gerd Kleinhenz eine erneute Kandidatur an.

Dagegen stehen 2020 in zwei Gemeinden im Landkreis keine Bürgermeisterwahlen an: In Bad Bocklet wurde nach dem Tod des langjährigen CSU-Bürgermeisters Wolfgang Back im Jahr 2017 Andreas Sandwall (ebenfalls CSU) gewählt. Seine Amtszeit endet erst im Jahr 2023, Bürgermeister und Gemeinderat werden also um drei Jahre versetzt gewählt. In Bad Brückenau ist das bereits seit den 1970er Jahren so, dort ist Brigitte Meyerdierks noch bis 2022 im Amt (siehe Seite 17).

Ihre einzige Bürgermeister-Kollegin Patricia Schießer (CSU) in Euerdorf hält sich mit einer Aussage noch zurück: Vor allem führt sie dabei "private Belange" an, allerdings dürfte auch das bevorstehende Ratsbegehren eine Rolle spielen: Auf Initiative der Wirmsthaler Gemeinderäte stimmen die Euerdorfer am 26. Mai darüber ab, ob sie einen hauptamtlichen Bürgermeister behalten oder zur ehrenamtlichen Lösung von vor dem Jahr 2014 zurück kehren. Schießer selbst will sich zu dieser Frage nicht äußern und verweist auf ihre Neutralitätspflicht. Über ihre Kandidatur will sie nach den Sommerferien entscheiden.

Zu den noch unentschiedenen Amtsinhabern gehört Egon Klöffel (CSU) aus Thundorf: "Ende März frage ich erst einmal im Gemeinderat, wer wieder kandidiert", sagt der 55-Jährige. Denn das Miteinander im Gemeinderat spiele eine wichtige Rolle. "Früher waren das ja kriegsähnliche Zustände, jetzt passt das Team", berichtet der Schreiner.

In Münnerstadt ist klar, dass Bürgermeister Helmut Blank (CSU) nach zwei Amtsperioden nicht mehr als Rathauschef kandidiert. Der CSU-Ortsvorstand hat sich einstimmig auf Michael Kastl geeinigt, die offizielle Nominierung dürfte reine Formsache sein. Kastl hatte Bürgermeister Helmut Blank während einer langwierigen Krankheit im Rathaus vertreten.

Einen offiziellen Gegenkandidaten gibt es noch nicht. Allerdings gilt die Kandidatur des Zweiten Bürgermeisters Andreas Trägner (Freie Wähler) als sicher. Auch er hat Helmut Blank während dessen Krankheit vertreten. Unklar ist noch, ob Trägner auch Favorit von Forum aktiv und SPD wird, oder ob die beiden Fraktionen eigene Kandidaten ins Rennen schicken. 2014 hatten Freie Wähler, Forum aktiv und SPD einen gemeinsamen Kandidaten, während die Wählerliste Neue Wege Helmut Blank unterstützte. Ob die nun einen eigenen Kandidaten stellen, lässt Klaus Schebler (Neue Wege) offen. Er verrät nur, dass er wieder kandidieren wird. Ob als Stadtrat oder als Bürgermeister, lässt er offen.

In Hammelburg schaffte es 2014 nach 24 Jahren wieder ein CSU-Kandidat an die Spitze der Stadt. Der letzte "schwarze" Bürgermeister war bis dahin Elmar Hartung gewesen, der von 1984 bis 1990 eine Wahlperiode lang amtierte. Warmuth ist außerdem der erste Bürgermeister, der nicht aus der Kernstadt, sondern einem Stadtteil von Hammelburg kommt. Der Diebacher hatte zwei Mitbewerber: Dominik Sitter aus Obereschenbach und Stefan Lang aus Nüdlingen. Sitter trat für die damals neu gegründete Bürgerliste Obereschenbach an, hinter Lang standen fünf Gruppierungen und Parteien: CBB, SPD, Grüne/BfU, Junge Liste und H.A.B. Warmuth setzte sich in einer Stichwahl mit knapp 54 Prozent gegen Lang durch.

Weder Warmuth noch mögliche Gegenkandidaten haben sich bisher öffentlich zu einer Kandidatur bekannt. Klar ist zumindest, dass Lang nicht abermals als Kandidat für das Bürgermeisteramt in Hammelburg infrage kommt. Nach Aussage von Sitter ist die Bürgerliste Obereschenbach noch dabei, zu prüfen, ob sie wieder einen Bürgermeisterkandidaten aufstellen.

Bereits im Herbst hat Norbert Schaub erwähnt, dass er sich eine Kandidatur vorstellen könnte. Der Westheimer, der Kreisvorsitzender der SPD und noch Hammelburger Ortsvereinsvorsitzender ist, möchte einer Parteientscheidung aber nicht vorgreifen: Die SPD sei bemüht, einen Kandidaten aufzustellen, sagte er auf Nachfrage.

Für mindestens sechs Bürgermeister - alle älter als 60 Jahre - endet am 30. April 2020 die Amtszeit. Dazu gehört auch der aktuell dienstälteste Bürgermeister: Wilhelm Friedrich (CSU) aus Zeitlofs. "Ich denke, nach 24 Jahren als Bürgermeister kann man beruhigt in den Ruhestand gehen", sagt der 64-Jährige. Ein möglicher Nachfolger sei bislang nicht in Sicht.

Bürgermeister Gotthard Schlereth aus Oberthulba gab seinen Abschied bereits im Oktober bekannt. Im Januar und Februar folgten dann seine beiden Bürgermeisterkollegen Peter Hart (CSU/UWG) aus Fuchsstadt und Jürgen Karle (Freie Wählergemeinschaft Völkersleier-Heckmühle) aus Wartmannsroth. Sie kündigten ebenfalls an, auf eine weitere Kandidatur und Amtszeit zu verzichten.

Alle drei begründeten ihre Entscheidung ähnlich: Sie wollen künftig mehr Zeit für private Dinge und noch etwas vom Leben haben. Hart ist 65, Karle 61 Jahre alt. Einige, die kommunalpolitisch aktiv sind, überraschte der Entscheidungszeitpunkt der drei. Es ist nicht gerade Gewohnheit, dass sich Amtsträger so früh so klar äußern. Doch die drei Bürgermeister wollten potenziellen Nachfolgekandidaten für die Entscheidung und Vorbereitung auch genügend Zeit lassen.aki/rr

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