Bad Kissingen
Konzert

Vom Leben in der Rhön

Geschichten vom Landleben und Brauchtum aus der Rhön: Der Rhöner Heimatabend brachte seinem Publikum das Land der offenen Fernen nahe.
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Nicht nur die Tänze der Trachtentanzgruppe Weisbach sind schön anzusehen, sondern auch ihre anspruchsvollen Trachten. Fotos: Peter Klopf
Nicht nur die Tänze der Trachtentanzgruppe Weisbach sind schön anzusehen, sondern auch ihre anspruchsvollen Trachten. Fotos: Peter Klopf
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Bad Kissingen Was macht die Rhön so bemerkenswert? Das sind die Natur, die Menschen und ihre jahrhundertealte Kultur und ihr Brauchtum. Eingebettet in die Veranstaltungsreihe "Fränkischer Heimatabend", fand jetzt im Rossini-Saal erstmals ein "Rhöner Heimatabend" mit Laienkünstlern aus der Gegend zwischen Feuerberg, Kreuzberg und Heidelstein statt.

Unter der Moderation von Heribert Voll und Gabi Kanz gaben die "Premicher Blechbläser", die "Hoibüche Muisig" aus Gefäll mit Justin Huppmann sowie Daniela Pototschnik aus Fladungen mit typischer Musik, Volksliedern und fränkischer Mundart interessante Einblicke in Rhöner Kultur und Brauchtum.

Traditionelle Volkstänze, wie "Stampfer", "Sternpolka" oder "Schlamperer", standen mit der Trachtentanzgruppe Weisbach (Markt Oberelsbach) auf dem Programm. Heribert Voll ist ein "Vollblutrhöner" und Musikant, der aus Gefäll (Markt Burkardroth) stammt. Dies spürte man bei seinem Spaziergang über das karge Landleben in der Rhön, wie es auch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch präsent war.

Er erzählte vom Brauchtum, vom Jahresablauf in den Rhöndörfern und spickte es mit Anekdoten aus der Zeit, als er noch ein Bub war. Was schätzt er an seiner Heimat? "Die Tradition, die Heimat. Die Rhön gibt es kein zweites Mal. Der Rhöner ist ein eigener Mensch. Man muss wissen, wie man ihn anpackt, dann kann man erkennen, dass er im Herzen ein liebenswerter Mensch ist", erklärt er. Ihm liege es am Herzen, dass man das alte Liedgut und Brauchtum an seine Enkel weitergibt, damit es nicht verloren geht. Er ist Chef der "Hoibüche Muisig", bei der auch seine Ehefrau Luise mitspielt und singt. Sie erklärt das vielfältige kulturelle Leben auf dem Lande so: "Früher war in den armen Dörfern der Rhön in den Wintermonaten die Spinnstube die einzige Zerstreuung für die Dorfbevölkerung. Es wurde gesungen, Besen gebunden, die Kartoffelsäcke ausgebessert, aber auch das Tanzen gelernt. Großväter erzählten Geschichten, dass sich die Haare der Kinder sträubten. So wurde das Brauchtum weitergegeben."

Lieder von Liebe und Trauer

Es sei auch poussiert worden. Jeder junge Mann wollte das Mädchen seiner Träume nach Hause bringen, damit der Nebenbuhler keine Chance hatte, sie ihm auszuspannen. "Die alten Lieder der Rhön handeln immer von Liebe und Trauer. Denn es sollten immer zwei Reiche zusammenkommen. Der Arme war dann traurig, weil er nicht zum Zuge kam." Kirchweih und Fasching seien die einzigen Veranstaltungen gewesen, bei der getanzt wurde. Enkel Justin ist zwölf Jahre alt und ein begeisterter Musiker auf der Steirischen Harmonika, der gerne Volksmusik darauf spielt. "Mir gefällt die Musik und es macht mir Spaß, mit meinen Großeltern zu spielen", sagt er.

Flotte Tänze

Stimmungsvolle Musik, besinnlicher Gesang, spannende Geschichten und flotte Tänze sorgten für einen kurzweiligen Abend, bei dem man dem Rhöner mit einem Augenzwinkern tief in die Seele blicken konnte. Ein spannender Abend, der die Besucher aus nah und fern begeisterte.

Ein Gast bemerkte: "Ihr Rhöner habt aber einen rauen Ton. Den muss man gewöhnt sein. Dennoch seid ihr im Herzen liebenswert."

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