Was als Vorstellung der Entwurfsplanung für die Sanierung der Unterhainstraße auf der Tagesordnung stand, wuchs sich in der jüngsten Stadtratssitzung zu einer eineinhalbstündigen Diskussion auch um Sinn und Unsinn der Maßnahme aus. "Ich sehe keinen Handlungsbedarf, da 800 000 Euro auszugeben", sagte etwa PWG-Stadtrat Ingo Walcher. "Die Straße ist einfach fällig, wir schieben die Maßnahme seit Jahren vor uns her", hielt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) dagegen. Damit hatte sie am Ende auch die Mehrheit des Gremiums auf ihrer Seite: Nur die Stadträte Walcher und Manfred Kaiser (CSU) lehnten den Entwurf samt Kostenschätzung ab.
Tobias Schneider vom Büro "ARZ Ingenieure" stellte Planung und Kostenschätzung vor. Geplant ist der Lückenschluss zwischen den beiden bereits ausgebauten Enden der Unterhainstraße und des Abschnitts zwischen Sinnauplatz und Einmündung in die Unterhainstraße. Insgesamt belaufen sich die Kosten dafür auf 884 000 Euro. Diese sind jedoch in drei Abschnitte eingeteilt, die auch getrennt auf die jeweiligen Anlieger umgelegt werden. Die Anliegerbeiträge summieren sich auf 486 677 Euro, die Stadt hofft für ihren Anteil von 397 000 Euro auf rund 220 000 Euro an Zuschüssen.
Der Ausbau der zweispurigen Strecke zwischen Sparkassenstraße und Einmündung Sinnaustraße ist mit rund 259 000 Euro veranschlagt, Kämmerer Leo Romeis rechnet mit einer Umlage von 6,12 Euro pro Quadratmeter, um die Anliegerbeiträge (132 000 Euro) zusammen zu bekommen. Für den Bauabschnitt vom Sinntor bis zur VR-Bank sind 522 000 Euro an Baukosten und 253 000 Euro an Anliegerbeiträgen geplant, in dem eng bebauten Gebiet würde sich eine Umlage von 9,50 Euro pro Quadratmeter ergeben, rechnete Romeis vor. Für den letzten Abschnitt der Sinnaustraße liegen die Baukosten bei 168 000 Euro sowie die Anliegerbeiträge bei vier Euro pro Quadratmeter und 101 500 Euro insgesamt.
Ausführlich ging Schneider auf den schlechten Zustand der Straße ein. Die Straße sei an mehreren Stellen aufgegraben worden: "Dann kommt ewben so ein Flickenteppich zustande." Zudem gebe es Risse und Setzungen an zahlreichen Stellen. Schlechte Nachrichten brachte auch die Untersuchung der Bohrkerne: "Teile des gebundenen Oberbaus sind teerhaltig, was es sehr teuer in der Entsorgung macht." Und: "Auch der Boden darunter ist belastet." Zudem sei der Untergrund nicht ausreichend tragfähig, es könne passieren, dass der Boden noch tiefer als die vorgesehene Ausbautiefe von 65 Zentimetern abgegraben werden muss. Auf Nachfrage versicherte Schneider jedoch: "Wir werden keinen Zentimeter tiefer gehen als unbedingt erforderlich."
"Früher sind da Holz-Transporter vom Vorndran gefahren und die Straße ist nicht abgegangen", äußerte Manfred Kaiser seinen Unmut über die Ausbautiefe. Zudem setzte er sich für eine baldige Info-Versammlung zu dem Thema ein: "Die Anlieger werden immerhin den größten Teil bezahlen", sagte der CSU-Stadtrat. "Das ist keine Frage, dass ich als nächstes eine Anlieger-Versammlung einberufe", versicherte Meyerdierks.
Diskussionen gab es auch zu mehreren Einzelpunkten: So sprachen sich mehrere Stadträte gegen Grünbeete im Bereich der Einbahnstraße aus, weil dort wegen Leitungen im Boden sowieso keine Bäume gepflanzt werden können. "Uns fehlen auf einen Schlag zehn Parkplätze weg", kritisierte Franz Walter (Freie Bürger) insbesondere die Streichung des Parkstreifens entlang der Sinnaustraße. Er forderte die Verwaltung auf zu prüfen, ob dort durch eine Einbahnregelung ein Parkbereich beibehalten werden könnte. "Die Bediensteten in der Stadt müssten nur zu Gunsten ihrer Kunden weiter weg parken", widersprach Stadtrat Hartmut Bös (CSU) seinem Ratskollegen.
Kritisch gesehen wurde auch der "höhengleiche Querungshilfe" vor dem Haupteingang der VR-Bank. Hier soll die Fahrbahn lediglich farbig abgesetzt werden. "Ich halte das für sehr gefährlich", befürchtet Thomas Eigenbrod (CSU), dass dadurch Kinder aus der Brunnengasse heraus einfach auf die Straße laufen. Planer Schneider machte jedoch darauf aufmerksam, dass stärkere Eingriffe in die Straße zu einem Verlust der Zuschüsse führen würden.