Bad Kissingen
Sicherheit

Vollzeit für die Kissinger Feuerwehr

Mehr Einsätze, schärfere Vorschriften: Viele Freiwillige Wehren sind auf hauptberufliche Kräfte angewiesen. Die große Kreisstadt sucht jetzt einen zusätzlichen Gerätewart.
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Rainer Schmitt räumt einen gewaschenen und wieder aufgerollten Schlauch ins Lager. Foto: Benedikt Borst
Rainer Schmitt räumt einen gewaschenen und wieder aufgerollten Schlauch ins Lager. Foto: Benedikt Borst
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204 Mal rückte die Kissinger Feuerwehr dieses Jahr bislang aus. Dabei sind 2688 Einsatzstunden für die rund 70 aktiven Kameraden angefallen. Das ist viel Arbeit für die freiwilligen Einsatzkräfte, findet Stadtbrandinspektor und Kommandant Harald Albert. Damit die Ehrenamtlichen sich voll und ganz auf die Einsätze konzentrieren können, werden sie bislang von zwei hauptberuflich bei der Stadt Bad Kissingen angestellten Gerätewarten unterstützt. "Die Ehrenamtlichen schaffen das nicht mehr, weil die Einsatzzeiten überhand nehmen", sagt er. Gleichzeitig müssen sie sich darauf verlassen, dass alle Geräte in einwandfreiem Zustand sind und funktionieren. "Es müssen Hauptamtliche da sein, die sich darum kümmern."

Die beiden Hauptamtlichen: Das sind der Stadtbrandinspektor selbst (seit 28 Jahren) sowie Rainer Schmitt. Sie kümmern sich darum, dass nach einem Einsatz alles wieder so vorbereitet ist, dass die Feuerwehr wieder ausrücken an. "Wenn ein Rettungsgerät im Einsatz war sagt die Dienstvorschrift: Es muss geprüft werden", erklärt Albert. Die Gerätewarte tanken die Fahrzeuge, führen Reparaturen aus und warten, prüfen und reinigen die Gerätschaften von der Kettensäge, über den Chemikalienschutzanzug bis zur Atemschutzmaske. Dabei erledigen sie nicht nur die Aufgaben für die Kissinger Wehr, sondern auch für die Stadtteilwehren. In der Wache in der Kapellenstraße werden zum Beispiel zentral alle Schläuche gewaschen, getrocknet, aufgerollt und wieder ausgegeben.

Stadt sucht Gerätewart

Weil die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren zugenommen hat, benötigen Albert und Schmitt jetzt ebenfalls Unterstützung. "Wir kommen mit der Arbeit nicht nach", sagt Albert. Die Stadt Bad Kissingen sucht deshalb aktuell in Vollzeit einen weiteren Gerätewart. "Die Gemeinden haben den abwehrenden Brandschutz und technische Hilfeleistung als Pflichtaufgabe", erläutert Silvia Häpp, Pressesprecherin im Rathaus. Um dem gestiegenen Arbeitsumfang gerecht zu werden, wurde eine zusätzliche Stelle geschaffen. Von den Bewerbern gefordert wird unter anderem eine Meisterprüfung in einem dienlichen Bereich, etwa als KfZ-Mechatroniker, sowie für den Feuerwehrdienst relevante Qualifikationen. Weitere Voraussetzung ist, dass der Gerätewart Mitglied bei der Kissinger Feuerwehr ist beziehungsweise wird und mit zu Einsätzen ausrückt.

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Brückenau geht es nicht ohne einen hauptamtlichen Gerätewart. "Wir haben 2015 jemanden beim Bauhof eingestellt, der die Arbeiten erledigt", berichtet Kommandant Michael Krug. Vorher hatte die Wehr vier ehrenamtliche Gerätewarte, für die die anfallende Arbeit aber irgendwann nicht mehr zu bewältigen war. 1400 bis 1500 Arbeitsstunden leistet der hauptamtliche Gerätewart laut Krug derzeit jedes Jahr für alle Wehren im Stadtgebiet. Hinzu kommen noch weitere 500 bis 600 Arbeitsstunden, die zwei Ehrenamtlichen einbringen. "Es könnte noch viel mehr gemacht werden", sagt er. Um jede Vorschrift haarklein umsetzen zu können, müssten allerdings noch zwei weitere Hauptamtliche eingestellt werden.

Ursache für den gestiegene Arbeitsbelastung sind aber nicht nur höhere Einsatzzahlen. Heute gebe es mehr und schärfere Vorschriften als noch vor zehn, 20 Jahren. Dadurch haben die Gerätewarte nicht nur mehr zu prüfen, sondern vor allem mehr auch mehr zu dokumentieren. "Da legen die Versicherungen großen Wert drauf. Das nimmt viel Zeit in Anspruch", erklärt der Brückenauer Kommandant. Die Zeit, die handwerklich benötigt wird, falle hinterher noch einmal am Schreibtisch an. Andererseits: "Das Ganze ist ja nicht aus Jux und Dollerei entstanden", betont Krug. Die Vorschriften und die Prüfungen sollen Menschen schützen. "Der Gerätewart ist zuständig für die Sicherheit seiner Kameraden und der zu Rettenden", sagt er.

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