Münnerstadt
Wiedereröffnung

Vize-Landrätin kämpft ums Hallenbad

Magdalena Dünisch ist das 800. Mitglied im Verein Bürgerbad Münnerstadt. Der Betrieb soll über eine Genossenschaft laufen.
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Stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch bestaunt die Urkunde, sie sie als 800. Mitglied des Vereins Bürgerbad Münnerstadt erhalten hat. Jael und Sina (von links) sind schon lange dabei, Hinten diskutieren Wolfgang Blümlein, Rainer Kirch und Peter Hirschbrunn.  Foto: Thomas Malz
Stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch bestaunt die Urkunde, sie sie als 800. Mitglied des Vereins Bürgerbad Münnerstadt erhalten hat. Jael und Sina (von links) sind schon lange dabei, Hinten diskutieren Wolfgang Blümlein, Rainer Kirch und Peter Hirschbrunn. Foto: Thomas Malz
Jetzt kämpft sie mit. "Ich wollte, dass die Mitgliederzahl nach oben geht und das Hallenbad wieder eröffnet wird." So begründet die stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch (Freie Wähler) aus Poppenlauer ihren Beitritt. Sie war genau das 800. Mitglied des Vereins, wofür sie jetzt eine Urkunde überreicht bekam. "Für euch machen wir das", sagt sie zu den beiden Kindern Jael und Sina.

Das war genau das richtige Stichwort, um bei den Anwesenden eine erneute Diskussion auszulösen. Die Vorstandsmitglieder sorgen sich um das Wohl der Kinder. Im Gegensatz zu allen anderen Bädern, die sie besucht haben, hat das Münnerstädter eine Hebebühne. In dem flachen Wasser könnten die Kinder das Schwimmen ohne Angst erlernen, so der stellvertretende Vorsitzende Peter Hirschbrunn. Er kann es immer noch nicht fassen, dass der Stadtrat den Förderantrag für die Generalsanierung nicht gestellt hat.
"Erst stirbt das Hallenbad, dann die Bibliothek und dann die Musikschule", sagt er. "Übrig bleibt die Bestatterschule, die können dann Münnerstadt bestatten." Rainer Kirch betont, dass das Bad für die Region ganz wichtig sei. Allmählich seien sogar die Wasserwachten wegen des fehlenden Bades in Auflösung begriffen, hieß es.

Werner Menegoni, ebenfalls aus Poppenlauer, ärgert sich, dass der Stadtrat offensichtlich dem Verein nicht zutraut, dass er das Bad führen kann. Aber selbst wenn sich der Vereine wirklich auflösen sollte, dann hätte die Stadt doch ein generalsaniertes Bad. Der Verein werde sich aber nicht so schnell auflösen.

Dem Verein werde auch vorgehalten, dass die Vorstandsmitglieder zu alt seien, sagte Peter Hirschbrunn. Deshalb wollen die Verantwortlichen die Last auf breitere und jüngere Schultern verteilen. Geprüft wird derzeit, ob das Hallenbad nicht in Form einer Genossenschaft geführt werden könnte. Positive Beispiele gebe es genug. Ins Boot geholt werden sollen Sportvereine Energieversorger und die Wasserwachten. Derzeit laufen die Vorbereitungen.

Es regnet rein

Die Zeit drängt. Seit zweieinhalb Jahren steht das Bad nun leer, in diesem Winter wird es nicht mehr beheizt. In den Eingangsbereich dringt Regenwasser. Vorsitzender Wolfgang Blümlein und Peter Hirschbrunn versichern, dass die Vereinsmitglieder das begehbare Dach (Betonplatten) auf eigene Kosten mit eigenen Arbeitern abdichten würden. "Aber man lässt und nicht ins Hallenbad", beklagen sie.

150 neue Mitglieder

150 neue Mitglieder sind seit dem 14. Oktober in den Verein Bürgerbad Münnerstadt eingetreten. "Sie bezeugen damit, dass Sie für den Erhalt und den Weiterbetrieb unseres Hallenbads kämpfen wollen", heißt es in einem Brief an alle Mitglieder, den Vorsitzender Wolfgang Blümlein und sein Stellvertreter Dr. Peter Hirschbrunn unterzeichnet haben. "Uns als Vorstände ermuntern Sie damit, beherzt weiterzumachen, was wir Ihnen auch versprechen!"

Die beiden Vorsitzenden erinnern daran, dass der Stadtrat im Oktober mehrheitlich (13 zu fünf Stimmen) beschlossen hat, keinen Förderantrag bei der Regierung von Unterfranken zu stellen. "Über das Finanz-Ausgleichs-Gesetz (FAG) wurden der Stadt circa 1,87 Millionen Euro als Kostenzuschuss von der Bayerischen Staatsregierung zugesagt. Dies ist ein fantastisch hoher Betrag, der uns zeigt, wie viel Vertrauen der Bayerische Staat uns und der Stadt Münnerstadt entgegenbringt." So eine Gelegenheit komme sicher nicht wieder.
Um diese 1,87 Millionen Euro abzurufen, müsse die Stadt Münnerstadt einen Förderantrag stellen. Der Stadtrat hat es jedoch am 15. Oktober abgelehnt, diesen Antrag einzureichen.

"Damit ist das Projekt Generalsanierung jedoch nicht endgültig gestorben. Es sei lediglich verschoben, heißt es in dem Brief. Der Förderantrag könne jederzeit wieder gestellt werden. Mindestens noch in den nächsten vier Jahre. Die Vorstände hoffen, dass sich in dieser Zeit die politischen Mehrheiten im Stadtrat ändern.

"Wir bitten Sie alle, sprechen Sie die Stadträte und den Bürgermeister, wo Sie Ihnen auch begegnen, persönlich an. Fragen Sie nach, wieso sie gegen das Vorhaben Wiedereröffnung des Hallenbads handeln." Die Mitglieder sollten sich nicht mit einer Grundsteuererhöhung wegen der Finanzierung abspeisen lassen. Die sei nicht nötig. Der städtische Anteil an den Generalsanierungskosten betrage nur noch rund 500.000 Euro Bei einer Mitgliederversammlung im Juli seien folgende Lösungen diskutiert worden:
Die Rückflüsse aus den Schulden der Wasser-Abwassersanierung für das Bad zu benutzen. Bis heute seien das zwei Millionen Euro durch die Wassergeld-Erhöhung.

Wald verkaufen

Ebenso könne die Stadt mit den Rückflüssen aus der Schulsanierung verfahren, etwa 1,5 Millionen Euro durch die damalige Erhöhung der Grundsteuer. Nach wie vor sei auch der Verkauf von städtischen Waldflächen möglich ( 50 bis 100 Hektar, das sind nur fünf bis zehn Prozent des Stadtwaldes).

Ergebnis: Der Stadt stünden für die Sanierung des Hallenbades zwischen 400.000 und 800.000 Euro zur Verfügung. "Um zu verhindern, dass Spekulanten von außerhalb zuschlagen, sollte der Verkauf von Wald nur auf Münnerstädter Bürger beschränkt werden", heißt es in dem Schreiben.

Von Mitgliedern des Vereins könnten für den Fall, dass die Stadt Münnerstadt die Finanzierung nicht voll schafft etwa 250.000 Euro als zinsloses Darlehen auf fünf Jahre zur Verfügung gestellt werden. "Dies war und ist dem Bürgermeister bekannt, ohne dass er es an die Stadträte oder die Öffentlichkeit weitergegeben hat."
Es gebe also Lösungen, ohne die Schulden der Stadt und ohne die Grundsteuer zu erhöhen. Es gebe kein: "Geht nicht!", betonen die Vorsitzenden.
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