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Viele Bürger sind gegen Funklösung

Zeitlofs will seine Ortsteile mit schnellerem Internet versorgen. Dazu hat die Gemeinde einen Vertrag mit OR Network geschlossen. Doch einige Bürger laufen Sturm. Sie wollen, dass die Gemeinde den Vertrag kippt.
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Verwirrend: Reinhardt Kremer von der Initiative "Rhöner Bürger gegen Funkschädigung" misst die Strahlung mit zwei Geräten. Allerdings reagiert nur das schwarze. Das rote Messgerät bleibt stumm. Foto: Ulrike Müller
Verwirrend: Reinhardt Kremer von der Initiative "Rhöner Bürger gegen Funkschädigung" misst die Strahlung mit zwei Geräten. Allerdings reagiert nur das schwarze. Das rote Messgerät bleibt stumm. Foto: Ulrike Müller
Erst neulich hat er es wieder gespürt. Da kamen ein paar Besucher in das Pfundsmuseum von Reinhardt Kremer nach Kleinsassen, die ihr Handy nicht ausgeschaltet hatten. "Da reagiert mein Herz", erzählt Kremer. Seit zweieinhalb Jahren leidet er unter elektromagnetischer Hypersensitivität, das heißt, er nimmt Strahlung, die von elektronischen Anlagen ausgeht, körperlich wahr. Deshalb engagiert sich der 72-Jährige bei der Initiative "Rhöner Bürger gegen Funkschädigung. Deren erklärtes Ziel ist es, das Biosphärenreservat Rhön zur funkfreien Zone zu erklären.

Kremers Erfahrungsbericht ist Wasser auf den Mühlen der Bürgerinitiative gegen Richtfunkstrahlen, die sich an eben jenem Abend in Eckarts gründet. "Warum noch ein weiteres Funknetz?", fragt Kurt Ortwein in die Runde. Denn die Telekom bietet bereits schnelleres Internet - auch per Funk - für Eckarts und Rupboden. Elke Müller zum Beispiel könnte bis zu 50 Megabit pro Sekunde in ihrer Wohnung in der Alten Schule in Rupboden empfangen. Roßbach werde von Vodafone LTE abgedeckt, so Müller. Ist der Vertrag mit OR Network also überflüssig?

Die Bürger sind verunsichert. Längst geht es nicht mehr nur um eventuelle gesundheitliche Risiken durch die geplante Richtfunkanlage. Die Bürger stellen den Vertrag, den der Markt Zeitlofs mit der Firma OR Network ausgehandelt hat, grundsätzlich in Frage. In einem Anschreiben, das die Initiative an Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) beim nächsten Gemeinderat am 22. Januar übergeben will und das der Saale-Zeitung vorliegt, heißt es unter anderem: "Die Nutzungsverträge sind für die Bürger zu teuer [...]. Die Störanfälligkeit bei Schneefall und Starkregen wird auch von Fachleuten immer wieder bestätigt. [...] Die angebotene Download-Geschwindigkeit ist viel zu gering." Nun will die Bürgerinitiative, dass die Gemeinderäte den Vertrag mit OR Network auflösen und sich um eine Glasfaserlösung bemühen. "Andernfalls werden wir ein Bürgerbegehren anstreben", sagt Müller.

Förderung ist langwierig

Der Bürgermeister lässt sich von dieser Ankündigung nicht aus der Ruhe bringen: "So einfach geht das nicht. Für ein Bürgerbegehren müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein." Die Listen mit Unterschriften, auf denen rund 330 Leute aus Eckarts, Roßbach und Rupboden ihren Unmut über die geplante Richtfunkanlage bekundeten, erfüllen diese Kriterien nicht. "Erst wenn zehn Prozent aller Wahlberechtigten auf gültigen Listen unterschrieben haben, entscheidet der Gemeinderat über die Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens", sagt Verwaltungsleiter Gerhard Gunkel. "Ist das Bürgerbegehren zulässig, kommt es zu einem Bürgerentscheid. Bei einem Bürgerentscheid müsste sich dann die Mehrheit der Abstimmenden und mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten gegen die Richtfunkanlage aussprechen." Bei derzeit 1733 Wahlberechtigten im Markt Zeitlofs wären das 348 Personen.

Zum Vertrag mit OR Network selbst bezieht Friedrich nicht Stellung: "Über Vertragswesen spreche ich nicht in der Öffentlichkeit." Er bestätigt aber, dass der Vertrag über sieben Jahre geht. Dass danach aber sowieso das Glasfasernetz ausgebaut werde - wie es die Bürgerinitiative behauptet - sei jedoch noch nicht entschieden.
"Wir hoffen, dass der Gemeinderat noch einmal in sich geht", sagte Bernd Fischer bei der Gründung der Bürgerinitiative. Und: "Die Rhön als weißer Fleck ist auch nicht das Ziel. Wir wollen uns ja nicht von der Zukunft abschneiden", zeigt sich Müller moderat und verweist auf das neu aufgelegte Bayerische Hochgeschwindigkeitsbreitband-Förderprogramm.

Friedrich zeigt sich von der Idee nicht gerade begeistert. "Um die Förderung zu bekommen, müssen wir einen 19-Punkte-Katalog abarbeiten", schildert er den langwierigen Prozess. "Das können wir als Gemeinde gar nicht leisten. Damit müssen wir ein Ingenieurbüro beauftragen." Weiteres Hindernis: Gefördert wird das wirtschaftlichste Angebot. "Ob das die gewünschte Glasfaser-Lösung wird, weiß niemand."

Am 4. Januar war Reinhardt Kremer noch einmal für die Bürgerinitiative unterwegs. Zusammen mit Oliver Reitz, dem Geschäftsführer von OR Network, und Armin Krautwald maß er die Strahlung an einer bereits bestehenden Richtfunkanlage in Geiselbach. Kremer fing mit seinem Gerät, das ihm ein Strahlengegner aus Süddeutschland besorgt hatte, etwa 400 Mikrowatt Strahlung ein. Reitz maß dagegen nur auf der Frequenz von OR Network: 0,1 Mikrowatt. Der Grenzwert liegt in Deutschland bei 10 000 000 Mikrowatt, also 10 Watt.

Bürgerinitiative gegen Richtfunkstrahlen


Mitglieder: Aktuell hat die Bürgerinitiative gegen Richtfunkstrahlen 36 Mitglieder. Der lockere Zusammenschluss wird von Elke Müller angeführt. Neben ihr gelten Christine Hargesheimer, Lutz Gonschorek, Katja Müller-Burger und Armin Krautwald als Mit-Unterzeichner. Schriftführer ist Rolf Rengeling.

Ziele: Die Bürgerinitiative hat sich ein klares Ziel gesetzt: Die Gemeinde solle den Vertrag mit OR-Network über die Errichtung einer Richtfunkstrecke kündigen. Stattdessen wünschen sich die Bürger den Ausbau des Glasfasernetzes, um die Ortsteile mit schnellerem Internet zu versorgen. Dafür soll erneut ein Förderantrag gestellt werden.

Vorgehen: In der nächsten Sitzung des Marktgemeinderates will Elke Müller eine weitere Liste mit Unterschriften an Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) übergeben. Insgesamt haben sich rund 330 Einwohner gegen die Richtfunkanlage ausgesprochen. Die Bürgerinitiative will die Gemeinderäte anschließend auffordern, den Vertrag mit OR-Network zu kündigen, andernfalls will sie ein Bürgerbegehren gegen Richtfunk anstreben.
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