Bad Kissingen

Viele Bauplätze ungenutzt

Im Rathaus fand ein Informationsabend mit dem "Schwerpunkt Innenentwicklung" statt. Thema war der Umgang mit Leerständen und Baulücken.
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Innenentwicklung müsse vor der Erschließung neuer Baugebiete stehen, meinten die Planer in der Informationsveranstaltung.  Symbolfoto: Armin Weigel/dpa
Innenentwicklung müsse vor der Erschließung neuer Baugebiete stehen, meinten die Planer in der Informationsveranstaltung. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa
Mit diesem Problem steht Bad Kissingen nicht allein: Einerseits stehen zu wenige Grundstücke insbesondere für den Wohnungsbau zur Verfügung. Andererseits werden vielfach Baugrundstücke für Kinder oder Enkel in der oft eher vagen Hoffnung gehortet, dass diese zurückkehren oder sie dienen den Eigentümern einfach als Geldanlage. Auch stehen viele, manchmal schon recht unansehnliche Gebäude in den Kernen der Städte, Stadtteile und Gemeinden leer. Auch Bad Kissingen macht da keine Ausnahme
mit insgesamt 610 Baulücken und leer stehenden Wohnhäusern.
Beim Informationsabend zum Thema "Schwerpunkt Innenentwicklung" kamen die Zahlen detailliert auf den Tisch. Sie sind wichtig für das Gemeindeentwicklungskonzept Bad Kissingen (GEK), das im Frühjahr nächsten Jahres fertig sein soll, wie Bauamtsleiter Jan Voll beim Informationsabend mehrfach ausdrücklich betonte. Das Interesse der Bürger an diesem wichtigen Zukunfts-Thema hält sich offenbar etwas in Grenzen. Insgesamt waren weniger als 30 Frauen und Männer, einschließlich der Vertreter des Bauamtes und einiger Stadträte in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen, um zu hören, was Leonhard Valier (Büro für Städtebau und Bauleitplanung Bamberg) und Gunter Schramm (Büro Planwerk für Stadtentwicklung,
Stadtmarketing und Verkehr Nürnberg) zu sagen hatten.


510 Baulücken in der Stadt

Die Zahlen zu den Baulücken und leer stehenden Häusern präsentierte Leonhard Valier: Insgesamt gibt es in Bad Kissingen, einschließlich der acht Stadtteile, 510 Baulücken und 100 leer stehende Wohngebäude. Einsamer Spitzenreiter ist der Stadtteil Garitz mit 145 Baulücken und 29 Leerständen. In der Kernstadt selbst und in Reiterswiesen ergab die Untersuchung jeweils 77 Baulücken.
Während in Reiterswiesen außerdem 28 Wohngebäude leer stehen, ergab die Erhebung für das GEK in der Kernstadt keinen einzigen Leerstand. So sehen die Zahlen in den anderen Stadtteilen aus: Albertshausen 28 Baulücken/3 Leerstände, Arnshausen 42/9, Hausen 37/15, Kleinbrach 16/2, Poppenroth 47/4, Winkels 41/10.
Empfehlungen für die einzelnen Stadtteile, die sehr unterschiedlich ausfallen, wurden auch gleich mitgeliefert: in Albertshausen sei statistisch gesehen für mindestens fünf Jahre ausreichend Wohnbaufläche vorhanden, eine Ausweisung weiterer Wohnbaugebiete wird nicht empfohlen. In Arnshausen wird derzeit im Gründlein erschlossen, für mindestens die nächsten vier Jahre ist ausreichend Fläche vorhanden. In der Kernstadt ist Fläche für die nächsten zwei Jahre vorhanden. Es gibt im Bereich der Innenstadt begrenzte weitere Entwicklungsflächen. Im Bereich der ehemaligen Family-House-Siedlung sind Entwicklungsflächen und Gebäude vorhanden. In Garitz gibt es für die nächsten vier bis sechs Jahre genug Wohnbaufläche.
Der Bebauungsplan Rinnerfeld könnte in absehbarer Zeit erschlossen werden. Mit dem Bereich Eichendorffstraße, Rinnerfeld und Peter-Henlein-Straße ergeben sich insgesamt etwa 25 neue Bauplätze. Eine Ausweisung weiterer Wohnbaugebiete wird nicht empfohlen. Hausen hat für die nächsten zwei bis vier Jahre ausreichend Wohnbaufläche, mittel- bis langfristig sind neue Planungen erforderlich. Kleinbrach und Poppenroth haben für die nächsten 20 Jahre genügend Platz, deswegen wird dort keine Ausweisung weiterer
Baugebiete empfohlen, "dazu muss der Stadtrat stehen."
In Reiterswiesen ist der Bedarf für die nächsten zehn Jahre statistisch gesehen gedeckt, die Fläche Gickelhorn im Baugebiet Schindgraben steht zusätzlich noch zur Verfügung. Eine Ausweisung weiterer Wohnbaugebiete wird nicht empfohlen.
Winkels schließlich hat ausreichend Platz für die nächsten drei bis fünf Jahre, die Ausweisung neuer Wohngebiete wird mittelfristig nicht empfohlen.
Überall heißt es "es muss in jedem Fall versucht werden, private Wohnbaufläche für den Markt zu aktivieren." Am liebsten wäre es den Planern, die Stadt könnte die Flächen aufkaufen und dann mit einem Baugebot weiterverkaufen. Damit könnte verhindert werden, dass die Bauplätze weiter gehortet werden und ungenutzt bleiben. Die 610 Eigentümer von Bauplätzen oder leer stehenden Häusern in der Gesamtstadt wurden angeschrieben, ein Drittel davon antwortete. 81 dieser 205 Eigentümer signalisierten Verkaufsbereitschaft.
Leonhard Valier betonte, dass die Innenentwicklung vor der Erschließung neuer Baugebiete gehen müsse und bat die Anwesenden "tragen Sie die Botschaft in ihre Vereine oder Stammtische". Damit werde der Baulandverbrauch reduziert. Die Erschließung sei erledigt. Die soziale und technische Infrastruktur würden besser ausgelastet, die Bewohner müssten nicht so mobil sein und hätten kürzere Wege. Mehr Informationen über die Förderprogramme des Bundes, des Freistaates und der Stadt, eine Förderfibel zur Information, eine Wohnungsmarktanalyse, eine Machbarkeitsstudie, eine barrierefreie Musterwohnung, Internetvermarktung nannte er als Beispiele, wie man mit Leerständen und Baulücken umgehen kann und präsentierte auch zahlreiche Beispiele aus dem Internet.
"Es gab in Bad Kissingen eine Zeit, in der Menschen hier keinen Bauplatz bekamen und deshalb in die Nachbarschaft gingen", klagte ein Bürger. Kritik kam von Stadträtin Karin Renner (CSU): "Es gibt viel Nachholbedarf in der Stadt. Wenn sie attraktiver wäre, gäbe es die Leerstände nicht. Wir sind gegenüber der Nachbarschaft etwas hinten dran, das stört mich." Sie wollte wissen, ob schon vor der im Frühjahr 2018 geplanten Vorlage des Gemeindeentwicklungskonzeptes Förderanträge gestellt werden können. "Die paar Monate müssen sie sich noch gedulden", so dazu Gunter Schramm. "Es ist irgendwann wichtig, den vielen geschriebenen Worten auch Taten folgen zu lassen", regte ein Teilnehmer an.

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