Bad Kissingen
Bilanz

Verkehrsstatistik im Kreis Bad Kissingen: Mehr Unfälle mit E-Bikes

Pedelecs liegen im Trend. Das sieht auch die Polizei. Die spricht von einem extremen Anstieg der Unfallzahlen. Einen Toten und zwölf Verletzte gab es 2018.
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Matthias Kleren von der Kreisverkehrswacht erklärt den Umgang mit E-Bikes. Benedikt Borst
Matthias Kleren von der Kreisverkehrswacht erklärt den Umgang mit E-Bikes. Benedikt Borst

Seit 15 Jahren führt Fahrradhändler Johannes Floth E-Bikes in seinem Laden. In den letzten Jahren haben sich die Gefährte mit Elektromotor zum absoluten Verkaufsschlager entwickelt. Bei acht von zehn verkauften Rädern handelt es sich mittlerweile um E-Bikes. "Das bergige Gelände hier in Bad Kissingen ist ja auch prädestiniert dafür", sagt er. Gerade ältere und weniger trainierte Menschen erhalten mit den E-Bikes die Möglichkeit, sich bequem und umweltschonend ohne Auto in der Stadt und im Umland fortzubewegen.

Dieser Trend macht sich auch bei den Unfallzahlen bemerkbar. Die Polizei Bad Kissingen spricht in ihrer Verkehrsstatistik für 2018 von einem "extrem starken Anstieg" in Zusammenhang mit Pedelec-Unfällen. Während 2017 nur drei Mal E-Bikes in Unfälle verwickelt waren, wurden im vergangenen Jahr 14 Unfälle im Dienstbereich Bad Kissingen gezählt, darunter ein tödlicher. Ein 42-Jähriger geriet im September auf der B287 am Schindberg in Richtung Münnerstadt mit seinem Pedelec in den Gegenverkehr. Den Zusammenstoß mit einem Pkw überlebte er nicht. Des Weiteren wurden bei E-Bike-Unfällen acht Personen schwer und zwei leicht verletzt.

Fahrverhalten wird unterschätzt

Bei den beiden anderen Polizeidienststellen im Landkreis zeigt sich diese Entwicklung nicht. Die Hammelburger Polizei meldet zwei Unfälle mit zwei verletzten E-Bikern, im Dienstbereich der Polizei Bad Brückenau wurde gar kein Pedelec-Unfall erfasst. Großes Aber: "Zwei E-Bike-Unfälle vor einer Woche veranlassen uns, diese Gruppe besonders im Blick zu haben", betont Revierleiter Herbert Markert.

"Die meisten Unfälle wurden selbst verschuldet", berichtet Lothar Manger von der Bad Kissinger Polizei. Hauptgrund für den starken Anstieg der Unfallzahlen ist, dass mehr Pedelecs auf den Straßen unterwegs sind. Davon abgesehen beobachtet der Verkehrssachbearbeiter auch Pedelec-spezifische Unfallursachen. "E-Bikes sind schwerer und haben eine eigene Fahrdynamik", sagt er. Wie sich das Rad verhält, könne von unerfahrenen Fahrern falsch eingeschätzt werden. Relativ häufig kommen zudem Handhabungsfehler beim Anfahren vor. Weil die Fahrer die schnelle Beschleunigung falsch einschätzen, komme es oft zu Stürzen. Einen vierten Grund sieht er darin, dass gerade ältere Menschen einen Mobilitätsradius (wieder-) erlangen, der sie überfordert.

Trainings bei Verkehrswacht

Die Kreisverkehrswacht sieht Handlungsbedarf und hat sich deshalb ein E-Bike angeschafft. "Wir wollen dieses Jahr Pedelec-Trainings anbieten", sagt Geschäftsführer Matthias Kleren. Wo sitzt der Motor und wie wirkt sich das aufs Fahrverhalten aus? Worauf sollte beim Kauf geachtet werden? Welche Tipps gibt es, um Stürze beim Anfahren zu vermeiden? "Es geht vor allem darum, die Leute auf den Umgang damit aufmerksam zu machen", sagt er.

Um Unfälle zu verhindern, ist auch die Achtsamkeit von anderen Verkehrsteilnehmern gefordert. Kleren: "Hier sehe ich die Gefahr, dass Autofahrer die Geschwindigkeit von E-Bikes unterschätzen." Fahrradhändler Johannes Floth sieht dieses Risiko auch. Der optische Eindruck von einem E-Bike-Fahrer passe in bestimmten Situationen nicht zur tatsächlichen Geschwindigkeit, etwa bergauf. "Man sieht keine dynamische Bewegung und meint, der ist langsam", sagt er. Durch den Motor ist die Geschwindigkeit aber deutlich höher, als gedacht.

Bei den Fahrrad-Unfällen ging die Entwicklung in eine andere Richtung. Alle drei Dienststellen melden für ihre Bereiche rückläufige Zahlen. Während 2017 landkreisweit 51 Radler in Unfälle verwickelt waren, waren es im vergangenen Jahr nur noch 37. Davon wurden 33 verletzt. "Die häufigsten Unfallursachen waren Vorfahrtsverletzungen und Stürze ohne Fremdbeteiligung", sagt der Hammelburger Dienststellenleiter Alfons Hausmann. Wie so etwas passieren kann, zeigte ein Mann in Bad Kissingen. Er stürzte mit 1,51 Promille von seinem Rad.

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