Bad Brückenau
Verkehr

Verkehrschaos in Bad Brückenau

Am Donnerstag wurde die A7 umgeleitet und zwar mitten durch die Innenstadt. Am Schwaneneck schleuste die Polizei den Verkehr einzeln vorbei. Für die Anwohner ist das nervenaufreibend, denn die Situation ist ohnehin angespannt.
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Kein leichter Job: Herbert Markert dirigiert die Lkws durch die Engstelle an der Schwanenapotheke. Fotos: Ulrike Müller
Kein leichter Job: Herbert Markert dirigiert die Lkws durch die Engstelle an der Schwanenapotheke. Fotos: Ulrike Müller
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Die Uhr tickt. Vera Haydu sitzt mit ihrer Mut ter in der Küche. Die beiden unterhalten sich. Bremsen quietschen. Nebenan ist das Wohnzimmer. Es tut einen Schlag. Die Fenster im Wohnzimmer sind geschlossen. Aber hinter den Scheiben rollt ein Lkw nach dem anderen ums Schwaneneck. Man könnte auch sagen rumpelt.



Am Donnerstag war es besonders schlimm, da wurde der Verkehr von der Autobahn durch die Innenstadt geleitet. "Das war richtig gut geplant", lobt Haydu die Blockabfertigung der Polizei am Schwaneneck trotz allem. Allerdings hatte die Schwanen-Apotheke schräg gegenüber kaum Kunden. " Die sind alle zuhause geblieben, schließlich hat die Polizei uns ja vorgewarnt", nimmt Inhaber Martin Lörzer die Ver kehrsumleitung aber gelassen.
Schließlich sei das ja nur eine "einmalige Geschichte".

Dauerbelastung für Anwohner
Keine einmalige Geschichte dagegen ist die Dauerbelastung durch Lärm und Schmutz für die Anwohner. Besonders ärgern sie sich über die Lkws, die zur As phaltmischanlage auf den Buchrasen wollen. "Wenn sie die Fuldaer Straße runterkommen, sind sie leer. Das scheppert richtig. Da vibriert mein Bett", er zählt Haydu. "Und wenn sie wiederkommen, sind sie voll beladen und quälen sich den Berg hinauf, geben Gas. Manchmal drehen sogar die Reifen durch."

Deshalb haben sich die An wohner im September mit ei nem Brief an Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) gewandt. 40 Leute haben ihren Namen auf die Liste gesetzt. Sie wollen, dass sich etwas ändert. "Man könnte die Tonnage begrenzen oder zumindest Tempo 30 vorschreiben", hat Haydu konkrete Vorstellungen. Aber so einfach ist das nicht.

Komplexes Problem
Um das Gewicht auf zwölf Tonnen einzuschränken, müsse erst einmal nachgewiesen werden, dass viele Lkws die B27 nutzen, um die Autobahnmaut zu umgehen, erklärt Franz-Josef Schäfer vom Straßenverkehrsamt im Landratsamt Bad Kissingen. "Und eine Begrenzung der Ge schwindigkeit darf nur dort vorgenommen werden, wo eine Gefahr besteht, die nicht sichtbar ist." Die Fuldaer Straße habe aber offensichtlich eine schwierige Verkehrsführung, das müsse der Autofahrer sehen und von sich aus vom Gas gehen. "Dafür habe ich doch meinen Führerschein gemacht", begründet Schäfer.

Vera Haydu arbeitet in der Rettungsleitungsstelle in Schweinfurt. Sie arbeitet in drei Schichten, muss manchmal auch tagsüber schlafen. Ihre Mutter hört den Lärm Tag und Nacht. Nachmittags gönnt sie sich immer ein kleines Päuschen und schaut "Rote Rosen", aber "durch den Lärm kann ich nur schlecht verstehen, was die Schauspieler sagen". Und dann seien da ja noch die Fenster. Helga Haydu wischt mit einem Taschentuch über den weißen Rahmen. Schwarze Staubpartikel ziehen Schlieren. "Hier kann ich eigentlich jeden Tag saubermachen", sagt die 73-Jährige und knüllt das Taschentuch zusammen, das einmal weiß war.

Große Resonanz beim Ortstermin
Als erste Reaktion auf den Brief der Anwohner gab es am Mittwoch einen Ortstermin. Vertreter von Polizei, Stadt und Landkreis hörten sich die Beschwerden von etwa 25 Bürgern an. "Ich war erstaunt, wie viele gekommen sind", freut sich Vera Haydu über die große Resonanz. Das Ergebnis sei aber eher frustrierend ausgefallen. "Man hat uns eigentlich keine Hoffnungen gemacht", sagt Haydu.

In der Tat ist das Problem sehr komplex. "Die Straße ist da, und der Verkehr ist da", bringt Schäfer das Dilemma auf den Punkt. "Aber wir machen uns Ge danken, ernsthafte Gedanken", versichert Schäfer.
Vera Haydu sitzt mit ihrer Mut ter in der Küche. Die beiden unterhalten sich. Bremsen quietschen. Es tut einen Schlag. Ach ja, und die Uhr tickt. Fast hätte man sie überhört.
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