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Bad Brückenau
Justiz

Urteil gegen Ex-Diakonie-Vorsitzenden gefällt

Er hat 73.000 Euro veruntreut. Nun musste sich der Ex-Vorsitzende des Diakonievereins Bad Brückenau und Eckarts vor Gericht verantworten. Das Urteil überrascht.
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In Bad Brückenau fahren die Autos der Diakonie nicht mehr. Foto: Ralf Ruppert.
In Bad Brückenau fahren die Autos der Diakonie nicht mehr. Foto: Ralf Ruppert.
Das Urteil über den früheren Vorsitzenden des Diakonievereins Bad Brückenau und Eckarts ist relativ milde ausgefallen: Zwei Jahre Haft, ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung sowie 4800 Euro Geldstrafe (120 Tagessätze). Dazu kommt noch eine Auflage von 400 Euro monatlicher Abzahlung, sobald das Privatinsolvenz-Verfahren gegen den Angeklagten ausläuft.

Der Mann hatte von April 2008 bis Juli 2011 insgesamt 73.000 Euro veruntreut. Der Verein hat das nicht überlebt. Am 30. April hat die Pflegestation der Diakonie ihre Türen für immer geschlossen.

"Normalerweise ist bei dieser Schadenshöhe Bewährung nicht möglich", sagt Matthias Göbhardt, Direktor des Bad Kissinger Amtsgerichts. Der Fall wurde vor dem Schöffengericht verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten gefordert, die Verteidigung auf Bewährung plädiert.


Warum diese Milde?

Vorsitzender Richter Göbhardt verkündete das Urteil. Das Gericht hatte sich entschieden, eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten zu verhängen. Eine Strafe, die eigentlich nicht zur Bewährung ausgesetzt werden darf. Man habe sich für eine Kombination aus Bewährungs- und Geldstrafe entschieden. So entgeht der Angeklagte einem Aufenthalt im Gefängnis.

Von Anfang an hatte der Angeklagte signalisiert, ein volles Geständnis abzulegen. Daher sah es das Gericht nicht als nötig an, Zeugen zu laden. Die Staatsanwaltschaft kritisierte das.

Der Verteidiger stellte das Fehlverhalten seines Mandanten in direkten Zusammenhang mit dessen persönlicher Notlage. Der Angeklagte sei als Unternehmer auf Honorarforderungen sitzen geblieben, weil eine Bad Kissinger Bank seinen Auftraggebern Kredite verweigert hatte. Das habe seine Kunden und auch ihn selbst in die Insolvenz getrieben, argumentierte er. Auch privat stehe er vor einem Scherbenhaufen.


Der Verein ist kaputt

Im Gespräch mit der Saale-Zeitung begründet der Richter das milde Urteil: "Der Angeklagte stellt sich der für ihn schwierigen Lage". Überzeugt habe die Schöffen, dass der Mann den "Mut hat, in einer Kleinstadt mit diesem Makel zu bleiben und zu sagen: 'Ich halte das aus'". Der Angeklagte, der früher ein angesehener Mann gewesen sei, zeige ehrliche Reue und Willen zur Wiedergutmachung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft überlegt, Rechtsmittel einzulegen.

Eberhard Schelle, der im April 2012 den Vorsitz des Diakonievereins übernahm, reagierte enttäuscht. "Ehrlich währt am längsten", hätte er sich ein anderes Verhalten von seinem Vorgänger gewünscht. Nachdem er das Amt des Vorsitzenden übernommen hatte, stieß Schelle auf die Unregelmäßigkeiten in der Buchführung. Er war es auch, der seinen Vorgänger schließlich anzeigte. Die Insolvenz des Vereins konnte er dennoch nicht verhindern.
"Unsere Station ist kaputt. Was soll ich noch dazu sagen?", ist ihm die Trauer über das Schicksal des Vereins anzumerken. Eine Neuauflage des Vereins ist für ihn nicht vorstellbar.
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