Denkmal

Uraltes Kreuz zieht an die Ruine auf dem Michelsberg

Ein zuvor fast unbeachtetes gotisches Nasenkreuz ist auf Initiative von Kreisheimatpfleger Bertram Becker aus einem Waldstück an die viel besuchte Kirchenruine auf dem Michelsberg versetzt worden.
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Bertram Becker betrachtet den Schnittpunkt der Kreuzbalken, woran ein gotisches Nasenkreuz erkennbar ist.  Foto: Thomas Malz
Bertram Becker betrachtet den Schnittpunkt der Kreuzbalken, woran ein gotisches Nasenkreuz erkennbar ist. Foto: Thomas Malz
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200 Jahre sind eine lange Zeit. So lange in etwa hat das Steinkreuz im Wald gelegen, zerbrochen in zwei Teile. "Mein Opa hat schon davon erzählt, sagt Bertram Becker. Doch die Geschichte ist viel älter. Um 1320 bis 1340 ist das Kreuz in der Flurabteilung "Münnichholz" (Mönchholz) in Burghausen errichtet worden. Hat er vor 46 Jahren bei der Wiederaufstellung des zerborstenen Kreuzes mitgewirkt, so war Bertram Becker jetzt der Initiator für die Versetzung an einen viel würdigeren Platz. Und das war gleichzeitig eine seiner letzten Aktionen als Kreisheimatpfleger.

Manche Geschichten ähneln sich. In seiner Funktion als Kreisheimatpfleger hatte Betram Becker das Landesamt für Denkmalpflege schon bei der Suche nach der Meilenbank am Schindberg unterstützt, die die Münnerstädter einst dem Prinzregenten Luitpold gewidmet haben. Das Steinkreuz an der Gemarkungsgrenze Burghausen/ Haard galt für die Behörde ebenfalls als unauffindbar. Doch das wusste Bertram Becker besser.

Vom Deutschherrnorden

Als Junglehrer war er vor vielen Jahren beim Erstellen einer "Heimatkundlichen Stoffsammlung" auf das Kreuz gestoßen, das wohl seit 200 Jahren im Wald lag. "Man kann davon ausgehen, dass es als Grenzstein zwischen Burghausen und Haard eine Funktion hatte und vom Deutschherrenorden stammt", hat er herausgefunden. Um 1240 kam der Orden nach Münnerstadt, wo er die Pfarrei übernahm.

"Zu dieser Zeit erhielten die Deutschherren Schenkungen, unter anderem die Michelskapelle am Berg mit den Orten Burghausen, Reichenbach und Windheim als Zinsdörfer sowie Weinberge am Michelsberg, Feldereien und Waldungen in der Flurabteilung Mönchholz." In der Nähe des ursprünglichen Standortes des Kreuzes markieren noch heute einige alte Grenzsteine mit dem Deutschordenskreuz und der Jahreszahl 1595 die früheren Besitzverhältnisse und den Grenzverlauf, so Bertram Becker. Nach der Säkularisation zog sich der Orden um 1810 aus Münnerstadt zurück, alle Besitzungen fielen an den Staat.

"Die Gemeinden Burghausen, Reichenbach und Windheim wurden der Gerichtsbarkeit des Königlich Bayerischen Amtsgericht Bad Kissingen unterstellt. Die Kirchengemeinden Burghausen und Reichenbach erhielten je zur Hälfte die zerstörte Michelskapelle mit dem Friedhof." Das Gotteshaus war wenige Jahre zuvor abgebrannt. Das Kreuz und die Ruine der Michelskapelle haben also eine gemeinsame Geschichte. Doch es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis beide zusammen kamen.

Im Jahr 1967 gehörte Bertram Becker zu drei Junglehrern an der Verbandsschule in Haard, die Mitglieder der "Deutschen Steinkreuzforschung" waren und sich des zerborstenen Kreuz annahmen. "Das stellen wir wieder auf", nahmen sie sich vor und holten sich Hilfe beim damaligen Burghäuser Schmied Walter Kirchner. "Er hat es sagenhaft wieder hinbekommen", lobt Bertram Becker noch heute. Er muss ein wenig suchen, bis er die Stelle findet, an der das Kreuz zerbrochen war. Nach der Reparatur brachte die Truppe das Kreuz zurück an seinen alten Standort, wo es im Laufe der Zeit in Vergessenheit geriet, von Hecken, Sträuchern und Bäumen überwuchert.

Sehr aufwändige Sanierung

Nicht vergessen wurde dagegen die Kirchenruine auf dem Michelsberg. In den 200 Jahren seit ihrer Zerstörung hatte der Zahn sehr heftig an den Mauern genagt. Mehrere Versuche, die Ruine zu sichern, waren gescheitert. Dann hat es im Jahr 2007 doch noch geklappt. Unter der Federführung von Bertram Becker erfolgte die sehr aufwändige Konservierung der Kirchenruine. Etliche Burghäuser und Reichenbacher leisteten dabei unzählige Arbeitsstunden. Nun sind die historischen Mauern vor weiterem Verfall gesichert.

Nach den Konservierungsmaßnahmen an der Ruine wollte der Kreisheimatpfleger auch dem alten Kreuz wieder zu Ansehen verhelfen, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. "Die Stadt ist Besitzer des Denkmals, sie hat den Antrag auf Versetzung gestellt", sagt er. Aber auch der Besitzer des Waldes musste gefragt werden.

Unter Auflagen genehmigt

Vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Unteren Denkmalbehörder im Landratsamt sei der Antrag schließlich unter Auflagen genehmigt worden. Zu den Auflagen gehörte, dass ein Fachmann hinzu gezogen werden musste. Dank der Unterstützung von Sponsoren, fleißigen Helfern und der Anleitung des Bildhauers Michael Bauer wurde das Kreuz letztendlich an seinen neuen Platz versetzt. Ganz bewusst ist dieser Platz gewählt worden. Das Kreuz steht genau auf der ehemaligen Gemarkungsgrenze zwischen Burghausen und Reichenbach, die mitten durch die Kirche verlief.

Durch die Flurneuordnung gehört das Areal heute komplett zu Burghausen. Das Kreuz hat aber noch einen anderen Zweck. Jahrhunderte lang begruben die Burghäuser und Reichenbacher ihre Toten unmittelbar am Gotteshaus, wie es damals allgemein üblich war. Bei der Entschuttung des Areal während der Konservierung sind die Helfer auf viel Gebein gestoßen, das eingesammelt und in würdiger Form wieder begraben wurde. Genau an dieser Stelle steht jetzt das Kreuz. Auf die Frage, ob das Kreuz nun für die nächsten 100 Jahre gesichert ist, meint Bertram Becker: "Ich hoffe noch viel länger."

Das ganze Areal ist inzwischen zu einem Ausflugsziel der besonderen Art geworden. Nach wie vor kümmert sich Bertram Becker zusammen mit Helfern um die Pflege. Wenn der Diptam besonders schön blüht, hat der Hobby-Gärtner Bertram Becker möglicherweise ein wenig nachgeholfen.

Alle Wege sind ausgeschildert

Nicht weit entfernt von der Kirchenruine sind Burghäuser und Reichenbacher Blick weitere sehr beliebte Ziele für Wanderer. Am leichtesten zu erreichen ist die Kirchenruine von der Bushaltestelle am Thoraxzentrum Bezirk Unterfranken. Dort können auch Fahrzeuge abgestellt werden. Alle Wege sind ausgeschildert.


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