Bad Kissingen
Starkregen

Unwetter im Kreis Bad Kissingen: Nasse Füße, volle Keller

Zwischen 20 und 85 Liter hat es am Sonntag in kürzester Zeit pro Quadratmeter im Landkreis geregnet. Besonders in Nüdlingen war die Feuerwehr gefordert.
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Besucher des Rakoczy-Fests flüchten in der Ludwigstraße vor dem plötzlichen Starkregen. Foto: Anja Vorndran
Besucher des Rakoczy-Fests flüchten in der Ludwigstraße vor dem plötzlichen Starkregen. Foto: Anja Vorndran
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Überflutete Straßen, herausgedrückte Gullydeckel, vollgelaufene Keller. Die Unwetter mit Starkregen am Sonntagnachmittag haben auch im Landkreis Bad Kissingen die Feuerwehren beschäftigt. Am stärksten betroffen waren die Anwohner in Nüdlingen. Rund 40 Feuerwehrleute aus Nüdlingen und Haard rückten um halb fünf am Nachmittag aus und waren bis abends um 21 Uhr im Einsatz. "Wir hatten sieben Gebäude, bei denen die Keller unter Wasser standen, davon zwei große Baubetriebe im Gewerbegebiet Nüdlingen", berichtet Kommandant Alexander Frey. Teilweise stand das Wasser bis zu 40 Zentimeter hoch in den Räumen, da schützten selbst Gummistiefel nicht mehr vor durchnässten Füße. "Wir waren in Minuten tropfnass. Die Wassermassen waren extrem", sagt er.

Rund 85 Liter pro Quadratmeter Regen hat die Nüdlinger Wehr im Ort am Nachmittag gemessen, 800 bis 1000 Liter Wasser wurden pro Minute aus den Kellern gepumpt. Frey: "Wir hatten alle Pumpen, die wir besitzen im Einsatz." Von der kleinen Tauch- bis zur großen Feuerlöschpumpe. Die Einsätze verteilten sich über die ganze Gemeinde, vom Gewerbegebiet, über die Haardstraße bis zum Wurmerich. Überall dort, wo die Kanäle den Starkregen nicht schnell genug abtransportierten und sich Rückstaus bildeten, drückte sich das Wasser in die Gebäude - über Toiletten, Garagen und Rohre. "Es hat geschüttet ohne Ende. Wir haben kein Land gesehen", sagt der Nüdlinger Kommandant.

Brandgefahr bleibt

An der Niederschlagsstation in Bad Kissingen hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) in der Zeit um 17 Uhr innerhalb von 45 Minuten 50 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Zum Vergleich: Zur selben Zeit hat es in Maßbach im Osten des Landkreises gerade einmal 20 Liter pro Quadratmeter geregnet, in den Alpen waren es stellenweise dagegen bis zu 120 Liter. "Gewitterregen sind örtlich beschränkt. Bei uns war der Schwerpunkt über Bad Kissingen und Umgebung", sagt Frank Pilhofer, zuständig beim WWA für die Warndienste. Der Regen war zwar wichtig, im Hinblick auf die extrem hohe Wald- und Flächenbrandgefahr aber dennoch nicht mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißem Stein. "Das hat an der Grundsituation nichts geändert. Sobald die Sonne wieder ein paar Tage scheint, ist die Thematik wieder da", erklärt er.

Kissingen kommt glimpflich davon

Die Große Kreisstadt ist da noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Das Unwetter hat zwar viele Besucher vom Rakoczy-Fest vertrieben, der historische Umzug am Nachmittag und das Abschlussfeuerwerk am Abend fielen aber nicht ins Wasser. Laut Polizei ist es zu keinen wetterbedingten Unfällen gekommen und auch die Freiwillige Feuerwehr meldet für die Kernstadt keine Alarmierungen. "Auf den Straßen war richtig das Wasser gestanden, teilweise haben die Kanäle den Regen nicht gepackt. Aber es ist nichts passiert", berichtet Stadtbrandinspektor Harald Albert. In Garitz rückten die Einsatzkräfte einmal und in Reiterswiesen zwei Mal aus, um vollgelaufene Keller leer zu pumpen.

Ein Einsatz in Steinach

Das Unwetter hat Steinach mit etwas Verzögerung erreicht und weniger heftig erreicht. 37 Liter pro Quadratmeter Niederschlag sind laut Feuerwehrkommandant Jens Endres aber auch in relativ kurzer Zeit runtergekommen. Gegen 17.45 Uhr kam dann die Alarmierung wegen eines überschwemmten Gebäudes. "Da stand der Keller 20 Zentimeter unter Wasser. Der Anwohner selbst war mit vielen Helfern da", berichtet er. Ohne Unterstützung der Rettungskräfte ging es aber nicht. Mit Tauchpumpe und Nasssauger wurde das Wasser beseitigt, der Einsatz dauerte rund 90 Minuten.

Einsätze in der Region

Unterfranken Über 200 Mal rückten die Feuerwehren am Sonntagnachmittag und -abend in Unterfranken zu Unwettereinsätzen aus. Im Landkreis Schweinfurt zählte die Integrierte Leitstelle 17 und im Landkreis Haßberge zwölf Alarmierungen. Die Feuerwehren Bad Kissingen, Nüdlingen und Steinach melden elf Einsätze.

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