Bad Kissingen

Ungewöhnliches Konzert beim Frauenring Bad Kissingen

Mit Chansons und Gedichten aus dem Münchner Brettl-Milieu begeisterte Christa Tuchscheerer das Publikum. Sie ist in Jena geboren, hat lange in New York und München gelebt und ist vor drei Jahren nach Bad Kissingen gezogen.
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Konzert beim Frauenring Bad Kissingen:  Rechts Sängerin Christa Tuchscheerer, am Piano Ralf Meyer-Natus. Birgit Fischer
Konzert beim Frauenring Bad Kissingen: Rechts Sängerin Christa Tuchscheerer, am Piano Ralf Meyer-Natus. Birgit Fischer
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"Meine Liebe gehörte schon immer den Chansons von Berthold Brecht oder Kurt Eisler", sagt Christa Tuchscheerer, wenn man sie fragt, wie sie zu dieser Musikrichtung kam, - "und richtig vertieft habe ich dieses Interesse in meiner Münchner Zeit, als ich die Schwabinger Szene-Wirtin Gisela kennen und schätzen lernte". Mit einem musikalischen Reigen bekannter und auch weitgehend unbekannter Chansons und Gedichten aus dem Münchner Brettl-Milieu begeisterte Christa Tuchscheerer Mitglieder und Gäste des Ortsrings Bad Kissingen des Deutschen Frauenrings im Wintergarten des Burkardus Wohnparks gefolgt waren.

Seit drei Jahren lebt Christa Tuchscheerer in Bad Kissingen, und bei einem eher zufälligen Treffen mit dem Pianisten Ralf Meyer-Natus war die Idee entstanden, ein gemeinsames Konzert zu gestalten - 2017 zum ersten Mal mit Liedern von Marlene Dietrich. Beim Frauenring entführte die frühere Dozentin für Deutsch als Fremdsprache ihre Gäste in die Welt des Münchner und Berliner Brettl-Milieus, wieder gemeinsam mit Ralf Meyer-Natus, der sie am Klavier begleitete. Da Christa Tuchscheerer inzwischen Mitglied beim Frauenring geworden war, bot es sich an, ihre "Chansons und Gedichte aus dem Münchner und Berliner Brettl-Milieu" in die Veranstaltungsreihe des Frauenring-Programms aufzunehmen.

Kurz vor dem Mauerbau war die gebürtige Jenaerin 1960 in den Westen geflüchtet, lebte mit ihrem Mann, nach Stationen in verschiedenen westdeutschen Städten, einige Jahre in New York - dort fand sie auch ihren ersten Job an der New Yorker Universität. Als berufliche Gründe das Paar zurück nach Deutschland führte, wurde die bayerische Landeshauptstadt für 38 Jahre ihr Lebensmittelpunkt. Dort gehörte Christa Tuchscheerer einige Jahre dem Münchner Bach Chor an, doch als sie die berühmte Schwabinger Wirtin Gisela kennen lernte, erwuchs daraus eine Freundschaft, die auch ihr musikalisches Faible prägte.

Bei Gisela trafen sich Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und Altersklassen, erinnerte sich Christa Tuchscheerer, die zwischen ihren Chansons aus dem Schwabinger Milieu berichtete. Dazu gehörten prominente Gäste wie auch Erich Kästner, mit dessen Gedicht "Ankündigung einer Chansonette" Christa Tuchscheerer den Reigen von Chansons und Gedichten aus dem Münchener und Berliner Brettl - Milieu eröffnete.

Mit dem Lied "Die drei Stationen" stellte sie die Schwabinger Szene-Wirtin Gisela vor, die ihre Gäste jeden Abend mit ihrer rauchigen Stimme unterhalten hatte - mit Chansons, von denen die "Schwabinger Laterne" oder der "Nowak" zu ihren bekanntesten zählen. In Giselas Lokal hatte Christa Tuchscheerer auch manchmal selbst Chansons vorgetragen - nie professionell, dafür mit viel Herzblut, wie sie betont.

Diese Leidenschaft für ihre Kunst konnte die Sängerin dem Publikum im Wintergarten des Burkardus Wohnparks vermitteln - mit nachdenklichen Chansons wie der "Seeräuber-Jenny" aus der Dreigroschenoper oder dem berühmten Antikriegslied "Sag mir wo die Blumen sind", das Marlene Dietrich einst bekannt machte. Ihre heitere Seite hingegen zeigte die Interpretin mit Liedern wie "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben" von Zarah Leander.

Mit dieser gekonnten Mischung von Musik und Gedichten gelang es den beiden Künstlern, die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zu begeistern - die Erläuterungen zu Chansons und Gedichten taten ein Übriges. Mit der Zugabe "Lili Marlen" klang der Nachmittag aus, und lang anhaltender Applaus belohnte die Interpreten.

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