Premich
Natur

Umweltsünden am Premium-Wanderweg

Nicht jeder sorgt sich um die Umwelt. Das zeigt sich beim Blick in die Landschaft. An vielen Orten haben sich regelrecht illegale Müllhalden gebildet.
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Am Hochrhöner zwischen Langenleiten und Premich finden sich zahlreiche Umweltsünden neben der Wegtrasse. Foto: Johannes Schlereth
Am Hochrhöner zwischen Langenleiten und Premich finden sich zahlreiche Umweltsünden neben der Wegtrasse. Foto: Johannes Schlereth
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Klimawandel und Umweltverschmutzung sind spätestens seit den Protesten der "Fridays for Future" Bewegung in aller Munde. Das reicht jedoch nicht, denn ein aufmerksamer Blick in die Natur zeigt: Ins Bewusstsein aller Bürger sind die Themen noch nicht vorgedrungen. Zu sehen ist das auch in der Rhön.

Illegale Müllentsorgung im Landkreis Bad Kissingen: Alltagsgeschäft für Polizei

"Es ist tägliches Brot", sagt Christian Pörtner, stellvertretender Dienststellenleiter der Kissinger Polizei. Denn: "Mit Blick auf den Landkreis wird die Polizei wohl im Schnitt einmal täglich zu einem Vorfall gerufen." Umweltschäden mit gravierenden Folgen seien zwar selten, der illegal entsorgte Unrat in der Flur jedoch nicht.

Die Bandbreite des illegal entsorgten Mülls ist weit aufgefächert: Elektronikschrott, Sperrmüll, Hausrat und sogar Autowracks zählen zu den Fällen, mit denen sich die Kissinger Polizei laut Pörtner beschäftigt.

Müll ist nicht gleich Müll

Bei den Behörden schlägt allerdings nicht alles auf. "Die Fälle, bei denen illegale Müllentsorgungen freiwillig von Gemeinden ohne Anzeigenerstattung bei der Polizei entfernt werden sowie Beseitigungen im Zuge von sogenannten Ramadama-Aktionen von Vereinen werden nicht erfasst", informiert Tobias Seufert, stellvertretender Sachgebietsleiter im Ressort Umweltschutz des Landratsamtes Bad Kissingen. "Zu illegalen Müllentsorgungen zählen schließlich nicht nur abgeladener Bauschutt oder Sperrmüll, sondern auch weggeworfene Zigarettenstummel und Verpackungen von Schnellrestaurants-Ketten."

Beliebte Orte, an denen Umweltsünder illegal ihren Müll entsorgen, sind laut Pörtner Einmündungen, Wanderparkplätze und Waldwege. Das zeigt sich beispielsweise an einem Abschnitt des Hochrhöner-Wanderwegs zwischen Premich und Langenleiten.

Nur wenige Meter abseits der Wegtrasse liegen Fenster, Gartenmöbel, Holz und Plastik in den Gräben oder in der Böschung. Der Unrat in der Nähe des Grüngutplatzes sorgte schon einmal für Aufsehen. "Es ist tatsächlich festzustellen, dass die Bereitschaft, illegal Müll an Plätzen zu entsorgen, wo bereits Müll liegt, höher ist", erklärt Tobias Seufert, stellvertretender Sachgebietsleiter im Ressort Umweltschutz des Landratsamtes Bad Kissingen.

Verursacher häufig unbekannt

"Das Problem ist, dass uns der Verursacher unbekannt ist", sagt Sonja Reubelt, die Bürgermeisterin der Gemeinde Sandberg. Daher sei es schwierig, der Lage Herr zu werden. Selbst die Behörden stehen bei ihren Ermittlungen vor Hürden. "Manchmal gibt es Hinwiese von Zeugen, die uns zum Täter führen", teilt Pörtner mit. In anderen Fällen müssten die Beamten sogar im Müll wühlen, um Hinweise wie die Adresse des Verursachers zu finden. Dadurch habe die Polizei "immer wieder mal" Erfolg.

Während sich Müll am Wegesrand des Hochrhöner-Abschnitts zwischen Premich und Langenleiten sammelt, ist ein anderer Abschnitt des Weges bei der Wahl zu Deutschlands schönstem Wanderweg nominiert.

Kommune steht vor Hürden

"Eigentlich passt das nicht zusammen", sagt Reubelt. "Aber uns sind die Hände gebunden." Die Gemeinde Sandberg hofft deshalb auf die Wirkung eines Appells an die Bürger in der nächsten Ausgabe des Gemeindeblatts. Weitere Hoffnungen setzt Reubelt auf die Technik: "Die Gemeinde will außerdem prüfen, ob Grüngutplätze überwachbar sind." Dennoch sieht sie darin ein Problem. Zwar lasse sich möglicherweise das Areal um den Grüngutplatz überwachen - nicht jedoch der komplette Hochrhöner.

Ebenfalls unzufrieden ist Cathi Cavallo. Die Vorsitzende des Rhönklub Zweigvereins Walddörfer meint: "Der Respekt gegenüber der Natur sollte allen am Herzen liegen. Wanderer werden gebeten, ihren Müll wieder einzupacken und Zuhause zu entsorgen."

Laut Reubelt sei die Gemeinde Sandberg jedoch bereit zu handeln, sollte ein Bürger bei der illegalen Entsorgung seines Mülls erwischt werden. "Das heißt, dass der Täter eine Anzeige und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren bekommt. Außerdem muss er den Müll entfernen", führt Reubelt aus. Kommt er der Aufforderung nicht nach, setzt die Gemeinde eine Ersatzvornahme durch. "Das bedeutet, dass die Gemeindearbeiter den Müll entfernen - die Kosten dafür stellen wir dem Täter in Rechnung."

Zahleninfo:

50 Bußgeldanzeigen wegen illegaler Müllentsorgung übersendet die Polizei in etwa im Jahr an das Landratsamt Bad Kissingen.

Infobox:

Was tun bei illegalen Müllablagerungen?

Ansprechpartner Zuständig bei illegalen Müllablagerungen im Landkreis Bad Kissingen ist grundsätzlich der Fachbereich Abfallrecht im Landratsamt. Allerdings ist es ratsam, erst eine Anzeige bei der Polizei aufzugeben. Die Beamten versuchen daraufhin den Umweltsünder zu ermitteln. Sind die Ermittlungen erfolgreich, gibt die Polizei die Informationen an das Landratsamt weiter. Dort wird dann ein Beseitigungs- und Bußgeldverfahren gegen den Verursacher verhängt.

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