Langenleiten
Illegale Müllentsorgung

Umweltsünden am Feuerberg

Wer in der Rhön wandert, will die Natur erleben. Allerdings ist das Naturerlebnis an einigen Stellen getrübt.
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Sanitärbedarf wird von der Natur am Wegesrand überwuchert. Wo Wanderer in der Rhön die Natur genießen wollen, hinterlassen andere Hausmüll und Unrat.Johannes Schlereth
Sanitärbedarf wird von der Natur am Wegesrand überwuchert. Wo Wanderer in der Rhön die Natur genießen wollen, hinterlassen andere Hausmüll und Unrat.Johannes Schlereth
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Die Rhön hat viel zu bieten, sei es die malerische Landschaft - oder aber das Wanderwegenetz mit dem "Hochrhöner" und dessen Extratouren als Aushängeschild für die Region. Allerdings muss ein solches Idyll gepflegt werden.


Müll-Hotspots

"Dafür haben wir im Rhönklub ein Wegewart-Team, das sich der Sache annimmt", erläutert Manfred Egert, der 1. Wanderwart des Rhönklub-Zweigvereins Bad Kissingen. "Wenn Pflegemaßnahmen ergriffen werden müssen, informieren die Wegewarte im Regelfall die Kommune oder die Forstbehörde, so dass entsprechende Schritte eingeleitet werden können." Mit illegaler Müllentsorgung habe der Rhönklub nur wenig Probleme. "Die Ärgernisse mit dem Müll verteilen sich auf einige Hotspots", führt Egert aus. Ein Beispiel ist das Grenzgebiet der beiden Landkreise Bad Kissingen und Rhön Grabfeld bei Langenleiten: Beim Wandern auf dem "Hochrhöner" und den Extratouren, wie dem Basaltweg am Feuerberg, stechen abseits des Weges Bauschutt und Müll ins Auge.

Darunter auch Kuriositäten wie ein Waschbecken. "Da muss die Kommune handeln und sofern möglich, den Müll entfernen", stellt Egert fest. Bei der Bürgermeisterin der Gemeinde Sandberg, Sonja Reubelt, sorgen die Ablagerungen ebenfalls für Kopfschütteln: "Wir dulden illegale Müllentsorgung nicht. Es gibt ein kostengünstiges Entsorgungssystem - niemand muss heute mehr seinen Schutt in der Natur abladen. Deshalb haben wir an alle Mitarbeiter die Weisung erlassen, solche Vorfälle direkt zur Anzeige zu bringen."


Trendwende

"Bauschutt wird immer weniger in der Natur entsorgt, der Großteil des Mülls am Wegesrand sind häufig Altlasten", gibt Tobias Seufert, Sachbearbeiter für Umweltschutz im Landratsamt Bad Kissingen, Einblick. "Klassiker sind zum Beispiel Zigarettenstummel und -schachteln, Einwegbecher oder Hausmüllsäcke. Aber auch Elektroschrott, Windeln, Altreifen und Bauschutt gehören dazu", ergänzt Christian Pörtner, der stellvertretende Dienststellenleiter der Bad Kissinger Polizeiinspektion. "Ein aktuelles Beispiel für illegale Müllentsorgung im Landkreis ist eine Badewanne im Wald. Und das, obwohl wir im Landkreis Bad Kissingen gut aufgestellt sind, was Entsorgungsmöglichkeiten angeht", kritisiert Pörtner.


Keine Toleranz aber trotzdem hohe Dunkelziffer

"Jeder der Müll und Abfälle illegal in der Natur entsorgt, hätte die Chance gehabt, diesen kostengünstig legal zu entsorgen. Deshalb ahnden wir auch jeden Einzelfall mit einer Anzeige und Bußgeld", führt Tobias Seufert, Sachbearbeiter für Umweltschutz im Landratsamt Bad Kissingen, aus.
"Trotz aller Möglichkeiten schlägt das Thema ,illegale Müllentsorgung' bei uns mindestens einmal wöchentlich auf", bilanziert der stellvertretende Dienststellenleiter der Kissinger Polizei.

"Dadurch, dass die Polizei in vielen Fällen ermittelt, haben wir einen recht hohen Fahndungserfolg", zeigt sich Seufert beruhigt. Was aber wirklich in der Natur liegt , gleich von den Gemeinden entfernt wird oder weder auf dem Amt noch auf der Polizeiinspektion gemeldet wird, gibt ihm zu denken: Es gibt vermutlich eine große Dunkelziffer", stellt Seufert fest. Ein weiteres Problem für die Behörden: "Wo einmal Müll liegt, kommt schnell mehr dazu". Daher sei es wichtig, schnell und lösungsorientiert zu arbeiten, um "illegale Müllhalden zu vermeiden."

Häufig würden sich die Umweltsünder ihres Mülls an Wegkreuzungen, Wanderparkplätzen oder in Gräben entledigen. "Da sind durchaus auch Wanderer dabei, die ihre Hundekotbeutel nicht entsorgen. Wir haben deswegen mittlerweile Mülleimer aufgestellt ", berichtet Kathi Cavallo, die Vorsitzende des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer.

Auch in der Kissinger Hütte, auf dem Feuerberg, ist die illegale Müllentsorgung ein Thema: "Wir haben deshalb an einigen Stellen im Außenbereich kleine Mülltonnen hingestellt, die die Wanderer nutzen können", beschreibt die Pächterin Diana Tisma ihr Konzept, um illegale Abfallentsorgung in der Natur zu vermeiden. "Der gute Wanderer nimmt seinen Müll wieder mit ins Tal. Es reicht, wenn man eine Tüte mitnimmt, in die der Müll gepackt wird. Die braucht wenig Platz und passt in jeden Rucksack. Bei fast allen Wanderhütten gibt es Mülleimer - und falls nicht, kann man seinen Müll auch Zuhause wegwerfen", appelliert Pörtner an die Wanderer.


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