Bad Kissingen
Ernte

Trockenheit lässt auch im Landkreis Bad Kissingen die Ernte-Erträge schrumpfen

Die Trockenheit des Sommers 2018 hat die Ernte-Ergebnisse der Landwirte beeinflusst. Die Erträge blieben hinter den Erwartungen zurück.
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Ein Traktor bearbeitet sein abgeerntetes Feld und zieht eine Staubwolke hinter sich her - ein typisches Bild in diesem Jahr, weil auch der Herbst sehr trocken ist.Heike Beudert
Ein Traktor bearbeitet sein abgeerntetes Feld und zieht eine Staubwolke hinter sich her - ein typisches Bild in diesem Jahr, weil auch der Herbst sehr trocken ist.Heike Beudert

Für die Landwirtschaft war der Sommer 2018 in jeglicher Hinsicht ein außergewöhnlicher. Die lange Trockenheit hat nicht nur zu stellenweise deutlichen Einbußen bei den Erträgen geführt, sondern auch zu einer Ernte, die viel früher abgeschlossen war als in normalen Jahren. DerMünnerstädter Landwirt Roland Dömling hatte seine Getreide bereits vor dem Rakoczy-Fest eingefahren. "Das war noch nie da". Auch beim Mais war es ähnlich. Vier bis fünf Wochen, schätzt er, konnte er früher ernten als in normalen Jahren. Auch sein mittlerweile 80-jähriger Vater könne sich nicht an ein solches Jahr erinnern, meint Dömling.

Im Gespräch mit Landwirten wird aber auch deutlich, dass ein pauschales Urteil zur Ernte heuer nur schwer möglich ist. Denn ob die Früchte auf dem Acker gut, weniger gut oder vielleicht gar nicht gediehen, war in diesem Jahr nicht etwa von Landkreis zu Landkreis oder Dorf zu Dorf unterschiedlich. In diesem Jahr beobachteten Landwirte Unterschiede von Feld zu Feld, erklärt der Geschäftsführer im Kreisverband des bayerischen Bauernverbandes, Georg Scheuring. Diese Beobachtung bestätigen auch der stellvertretende BBV-Obmann im Landkreis, Andreas Lutz sowie der Münnerstädter Landwirt Roland Dömling. Denn der wenige Regen, der in diesem Sommer über den Landkreis niederging, war lokal sehr begrenzt. "Es kommt darauf an, wo die Wolke hingeregnet hat", so Dömling. Auch Andreas Lutz aus dem Warthmannsrother Ortsteil Windheim hat beim Getreide deutliche Ertragsunterschiede von Feld zu Feld.

Die Dürre hat sich nach Auskunft von Georg Scheuring vor allem auf Böden mit geringerer Bonität ausgewirkt. Besonders schwierig war die Situation im östlichen/nordöstlichen Landkreis, während die Früchte im Saaletal mit guten, tiefgründigen Böden noch etwas besser zurecht kamen. So habe es dort beim Mais sogar stellenweise noch ganz gute Ernten gegeben, meint Scheuring, während anderenorts im Landkreis der Ertrag sehr schlecht gewesen sei.

Schwer hatten es die Viehhalter, speziell in der Rhön. "Nach dem ersten Schnitt kam fast gar nichts mehr", erklärt Scheuring. Die Betriebe hätten sich mittlerweile auf solche Trockenphasen eingestellt. Die staatliche Futterbeihilfe für die Landwirtschaft werde bislang aber noch kaum nachgefragt. Wenn noch mehr solcher trockener Jahre folgen, werde es aber für die Landwirtschaft immer schwieriger. Allerdings gibt Scheuring zu bedenken, dass die Landwirte von guten Ergebnissen der Vorjahre auch verwöhnt waren.

Schwierig war der Sommer auf den Feldern eigentlich für alle Früchte, vielleicht weniger für die Wintergerste, weil die noch am meisten vom feuchten Winter profitieren konnte. Roland Dömling rechnet mit Ernteeinbußen von bis zu 30 Prozent beim Weizen. "Beim Raps ist es auch nicht besser", ergänzt er. Der Mais ist bei Dömling "katastrophal" gewachsen. Auf einigen seiner Äcker ist er gerade 150 Zentimeter groß geworden; in guten Sommern kann er die doppelte Höhe erreichen. Auch bei den Zuckerrüben rechnet er mit einem Ergebnis weit unter dem Schnitt, auch wenn die Früchte derzeit noch im Boden stecken und auch noch wachsen können, falls es regnen sollte. Momentan sei es stellenweise so trocken, erzählt Georg Scheuring, dass die Erntemaschinen die Zuckerrüben gar nicht ordentlich aus der Erde bringen.

Beim Obstbauern Claus Schmitt ist zwar der Ertrag in diesem Jahr hoch, doch die Qualität des Obstes hat gelitten. Viele Äpfel hätten sichtbare Hitzeschäden davon getragen. Außerdem hat der trockene, warme Sommer dazu geführt, dass der Befall mit Apfelwickler heuer sehr hoch ist. Ein Apfel mit Wurm ist aber nicht mehr verkaufbar. Bei den Erdbeeren war es heuer eine "sehr schnelle Ernte", betont Claus Schmitt. Insgesamt, so Schmitt, waren Beeren und Äpfel dieses Jahr zwei Wochen früher ausgereift.

Ein ganz anderes Problem hat Andreas Lutz mit seinem zweiten landwirtschaftlichen Standbein, der Kultur von Streuobst-Beständen. Er hat mit einer Obstflut zu kämpfen, die für den Familienbetrieb zeitlich nicht mehr zu bewältigen ist. Die Früchte sind zuckersüß, freut er sich, aber "es gibt einfach von allem zuviel und viel zu viel auf einmal".

"Wir müssen damit zurecht kommen", meint Andreas Lutz, und auch Roland Dömling sagt: "Der Landwirt muss das aushalten", fügt aber die Frage hinzu, wie lange das möglich ist. Denn bereits jetzt blicken die Bauern mit einiger Sorge ins nächste Jahr. Raps haben einige Landwirte jetzt im Spätsommer 2018 schon gar nicht mehr gesät, weil es zu trocken war. Dieser fehlt im kommenden Jahr dann auch den Imkern für ihre Bienen, gibt Georg Scheuring zu bedenken.Wie sich die anderen Saaten entwickeln, wird der Winter zeigen, meint Dömling. Andreas Lutz rechnet damit, dass die Obstbäume 2019 deutlich weniger tragen werden.



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