Bad Kissingen
Umsatz

Touristen sichern Bad Kissingens Handel

Bad Kissingen verliert zwar Kaufkraft an Schweinfurt und Würzburg, gleicht sie mit den Umsätzen der Gäste aber mehr als aus. Denn viele Tagestouristen geben Geld in der Kurstadt aus, wie eine Erhebung der IHK Würzburg-Schweinfurt ergeben hat.
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"Stadt und Landkreis Bad Kissingen stehen mit ihren Zahlen recht ordentlich da", sagt Volker Wedde, Geschäftsführer des LEB-Bezirksverbandes. Bad Kissingen verliert zwar Kaufkraft an Schweinfurt und Würzburg, gleicht sie mit den Umsätzen der Gäste aber mehr als aus. Foto: Archiv
"Stadt und Landkreis Bad Kissingen stehen mit ihren Zahlen recht ordentlich da", sagt Volker Wedde, Geschäftsführer des LEB-Bezirksverbandes. Bad Kissingen verliert zwar Kaufkraft an Schweinfurt und Würzburg, gleicht sie mit den Umsätzen der Gäste aber mehr als aus. Foto: Archiv
Was macht Bad Kissingen falsch, das Haßfurt richtig macht? Das könnte man fragen, wenn man die Erhebung der IHK Würzburg-Schweinfurt "Kaufkraft, Umsatz und Zentralität - Kennzahlen für den Einzelhandel in Mainfranken 2012" durchblättert. Denn da rangiert Haßfurt unangefochten mit einem Einzelhandelsumsatz von 214,7 Millionen Euro vor Kitzingen (163,1) und Bad Neustadt (158,9). Bad Kissingen folgt erst auf Rang 4 mit 153,8 Millionen Euro (die Oberzentren Würzburg und Schweinfurt sind ausgeklammert). Und das, obwohl Haßfurt nur 13.000 Einwohner hat, fast 10.000 weniger als Bad Kissingen. Entsprechend hoch ist der sogenannte Umsatzindex: 320,6 in Haßfurt, 147,4 in Bad Kissingen.

"Gerade der Umsatzindex ist eine Zahl, die man mit Vorsicht genießen muss", sagt Volker Wedde, Geschäftsführer des unterfränkischen Einzelhandelsverbandes, "denn der kann sehr stark schwanken." Das sei eine Maßzahl
für die Attraktivität des gesamten Standortes, mehr aber nicht. "Denn sie macht keinerlei Aussagen darüber, wo der Umsatz getätigt wurde, ob es sich um hochwertige Sortimente oder Discountangebote handelt." Ohne den Möbelhandel, der sich in Haßfurt auf der grünen Wiese etabliert hat, wären sämtliche Zahlen deutlich niedriger. Bad Kissingen hat keinen Möbelhandel auf der grünen Wiese. Problematisch, so Wedde, ist die Situation dennoch nicht: "Stadt und Landkreis Bad Kissingen stehen mit ihren Zahlen recht ordentlich da."

Ein Umsatzindex für ländlich geprägte Landkreise jenseits der Ballungszentren unter dem Durchschnitt der Indexzahl 100 sei ganz normal. Der Landkreis Bad Kissingen liegt mit 72,9 im mainfränkischen Mittelfeld. Denn das Geld bleibt trotzdem im Wesentlichen in der Region: Die Stadt hat einen Umsatzindex von 147,4. Wedde: "Das zeigt, Bad Kissingen erfüllt seine Funktion als Versorgungszentrum. Die Stadt profitiert von der Kaufkraft des Umlandes." Natürlich ziehen die Oberzentren Schweinfurt und Würzburg Kaufkraft ab: "Das lässt sich nicht vermeiden. Aber das ist auch nichts Neues und es ist nicht besorgniserregend."

Andere Städte mussten mehr Federn lassen

Da gibt ihm Ralf Ludewig, LBE-Bezirksvorsitzender und selbst Kaufmann in Bad Kissingen, recht: "Wir stehen gar nicht so schlecht da, wenn ich uns an vergleichbaren Städten in Deutschland messe" - wo der Einzelhandel zum Teil wesentlich stärker zurückgegangen sei. Denn die Kaufkraft, die an Schweinfurt oder Fulda verloren gehe, werde durch den Kapitalzufluss durch Fremde und Gäste mehr als wett gemacht: "Es kommt mehr Geld in die Stadt als weg geht." Sonst wäre ein so breites und vielschichtiges Angebot, wie es Bad Kissingen seinen Gästen unterbreite, nicht zu halten." Und: "Wir haben viele Tagesgäste aus Unterfranken und Hessen, die bewusst zum Einkaufen kommen, weil sie hier ein besser überschaubares Angebot haben."

Allerdings habe auch in Bad Kissingen der Einzelhandel eine schwere Zeit durchgemacht: als durch die Gesundheitsreform die Gästezahlen einbrachen und gleichzeitig der innerstädtische Einzelhandel durch die Gründung von Gewerbegebieten in Garitz und in der Kaserne in die Zange genommen wurde: "Noch vor zehn Jahren war die Ertragskraft höher." Leider sei es bisher nicht gelungen, in der Innenstadt einen Magnetbetrieb zu installieren.

In diese Richtung zielt auch Volker Wedde: Wenn die Stadt etwas für ihren Einzelhandel tun wolle, dann müsse sie sich klar positionieren, dann müsse sie klar machen, wofür sie steht, wo sie ihre Alleinstellungsmerkmale sieht, beispielsweise als Gesundheitsstadt oder als moderne Kurstadt: "Sie muss sich, da die Innenstadt der gesellschaftliche und wirtschaftliche Mittelpunkt ist, auf die Entwicklung dieser Innenstadt konzentrieren." Sie müsse Nachhaltigkeit ermöglichen, fragen, was fehlt, wo das angeboten werden kann, und sie müsse den Verdrängungswettbewerb vermeiden, um die Kaufkraft nicht überzustrapazieren: "Bad Kissingen ist da auf einem guten Weg." Und was wünscht sich Ralf Ludewig? "Dass Fürstenhof und Steigenberger kommen. Den Rest hat Bad Kissingen schon zu bieten."
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