Das bestätigt auch eine kleine Umfrage unter den Buchhändlern im Landkreis. "Wir hätten unsere Filiale in Bad Kissingen nicht eröffnet, nachdem gerade eine Buchhandlung geschlossen hatte, wenn wir nicht begründet optimistisch wären", meinte Adolf Wolz jun., Geschäftsführer der Ferdinand Schöningh GmbH in Würzburg. "Der Online-Buchhandel ist für uns keine Konkurrenz, weil wir ihn selber auch im Internet und über unsere Filialen anbieten." Egal, ob neu oder antiquarisch oder eigentlich vergriffen - der Buchhandel in Deutschland habe sich darauf eingestellt, auch ausgefallene Wünsche zu befriedigen. "Und wir können genauso schnell und auch kostenfrei liefern wie die Internetanbieter. Mit einem aktuellen Vollsortiment könne man heute die Kunden, die auch Beratung zu schätzen wissen, in die Geschäfte locken. Was nicht vorrätig ist, kann in kürzester Zeit beschafft werden." Natürlich, so Wolz, hat sich auch das Bild der Buchhandlung nachhaltig verändert. Der Buchhändler steht nicht mehr am Tresen und greift hinter sich, wo er die Bücher aus dem Regal zieht und sie dem Kunden vorlegt. "Heute sind Buchhandlungen auch Treffpunkte, wo man sich bei einem Kaffee in eine bequeme Ecke setzen kann, wo man lesen und stöbern kann. Und wo man auch wieder rausgehen kann, ohne etwas zu kaufen." Das ist eine Entwicklung, die er und seine Kollegen sehr begrüßen, weil sie für eine unverkrampfte Kundenbindung sorgt.
Das sieht auch Filialleiterin Ute Schneider so: "Vor drei Jahren konnte man noch das Gefühl haben, dass das Internet dem Sortimentsbuchhandel zunehmend zu schaffen machen würde. Aber seitdem kehren die Kunden zu uns zurück, weil sie gerne stöbern und die Beratung schätzen."
Der Einstieg ins Online-Geschäft ist mittlerweile auch auf dem "flachen Land" üblich geworden. Das "Tintenfässchen" in Münnerstadt etwa weist schon auf der Startseite seiner Homepage auf die Online-Bestellmöglichkeiten hin mit einer entsprechenden Maske gleich zum Ausfüllen - und auf den kostenlosen Versand.
Das macht auch Martin Eisenmann, der in Bad Bocklet den "Bücher-Pavillon" betreibt. Er hat das Online-Bestellen zwar schon 2010 eingerichtet, aber damit in die Vermarktung gegangen ist er erst zum Weihnachtsgeschäft 2011. Wie hoch jetzt der Anteil des Internet-handels am Gesamtumsatz ist, lässt sich messbar noch nicht feststellen: "Dazu sind es noch zu wenige Bestellungen. Aber die Zahlen ziehen langsam an. Wenn es so weitergeht, kann ich zufrieden sein."
Eisenmann hat nicht den Eindruck, dass das Publikum auf dem Land konservativer ist als in den großen Städten. Im Gegenteil: Weil die Gemeindeteile von Bad Bocklet weit auseinanderliegen und längere Anfahrten bedeuten, geht er davon aus, dass die Online-Bestellung in Zukunft deutlich zunimmt. Auf der anderen Seite schätzen die Kunden aber auch die persönliche Beratung.
Internetversandhändler wie Amazon oder bücher.de sieht er nicht als bedrohliche Konkurrenz: "Das, was die können, können wir auch." Was ihm zugutekommt, ist der pharmazeutische Zustelldienst, den er auch betreibt. Damit kommt er täglich in alle Gemeindeteile: "Kürzlich haben wir sogar Amazon überholt. Mittags hat ein Kunde ein Buch bestellt. Nachmittags lag es zuhause auf seinem Tisch." Das sind Momente eines inneren Gläschens Sekt.