Bad Kissingen
Nachgefragt

Tödlicher Absturz in Bad Kissingen: Unfallursache noch unklar

Am 5. Oktober starb Axel Homburg beim Absturz seines Motorseglers. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln noch.
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Das Wrack des Motorseglers brannte komplett aus. Ralf Ruppert
Das Wrack des Motorseglers brannte komplett aus. Ralf Ruppert

"Wir sind weiterhin fassungslos", sagt Arno Homburg fast sechs Wochen nach dem Tod seines Vaters. Der ehemalige Dynamit-Nobel-Chef Axel Homburg kam am 5. Oktober bei einem Flugzeugabsturz am Ortsrand von Hausen ums Leben. Der 82-Jährige war gegen 11 Uhr im hessischen Breitscheid gestartet, ohne sich vorher in Bad Kissingen anzumelden. Kurz vor 12 Uhr stürzte sein Motorsegler ab und brannte komplett aus. Der Pilot war sofort tot. Die Obduktion ergab wenige Tage nach dem Unfall, dass Homburg durch den Aufprall starb. Damit schied eine schwerwiegende Erkrankung als Ursache aus. Polizei, Staatsanwaltschaft und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ermitteln weiter.

"Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten liegen dem Sachstand nach nicht vor", teilt Björn Schmitt vom Polizeipräsidium Unterfranken auf Nachfrage mit, und: "Die Zeugen wurden vernommen. Widersprüche haben sich dabei nicht ergeben." Trotzdem macht er keine genaueren Angaben dazu, wie die letzten Sekunden vor dem Aufprall verliefen.

Bis zu einem Jahr warten?

"Wir behandeln das wie einen tödlichen Verkehrsunfall", berichtet Ursula Haderlein, Leiterin der Staatsanwaltschaft Schweinfurt. Es werde ermittelt, aber: "Die Ermittlungen richten sich nicht gegen eine bestimmte Person." Das Verfahren könne erst abgeschlossen werden, wenn die Ergebnisse des BFU vorliegen. Haderlein: "Das kann bis zu einem Jahr dauern."

Das BFU in Braunschweig hat vor kurzem den Monatsbericht Mai herausgegeben, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Wenn es sicherheitsrelevante Erkenntnisse gebe, werde auch mal ein Bericht vorgezogen, ansonsten würden aber alle Unfälle nach der Reihe abgearbeitet. Wann der Oktober an der Reihe ist, sei deshalb völlig offen und hänge von der Zahl der Flugunfälle im Sommer ab. Die Bundesstelle habe nur 38 Mitarbeiter, davon untersuchen 18 die Unfallstellen vor Ort - in ganz Deutschland und bei deutscher Beteiligung sogar auf der ganzen Welt.

Auf die Ergebnisse aus Braunschweig und Schweinfurt wartet auch das an der Regierung von Mittelfranken angesiedelte Luftamt Nordbayern. "Nur wenn sich im Rahmen der Ermittlungen Sachverhalte ergeben, die auf ein Fehlverhalten oder Verschulden des Flugplatzbetreibers hindeuten, wären hinsichtlich des Flugplatzes Maßnahmen veranlasst. Dafür gibt es derzeit aber keinerlei Anhaltspunkte", teilt Pressesprecherin Karin Christ mit.

Tausende unfallfreie Landungen

Das hat Matthias Albert, Vorsitzender der Segelfluggemeinschaft Bad Kissingen, auch so erwartet: "Der Unfall hatte ja nichts mit dem Flugplatz zu tun." Deshalb habe er nie Auswirkungen auf den Sonderlandeplatz befürchtet. Aus seiner Sicht wird eh um die wenigen Flugunfälle viel zu viel Aufhebens gemacht: "Das gefährlichste am Fliegen ist die Autofahrt zum Flugplatz", sagt Albert. In Bad Kissingen gebe es im Schnitt rund 3000 Starts und Landungen im Jahr, und der tödliche Absturz sei der erste in der hundertjährigen Vereinsgeschichte.

"Natürlich ist es für uns sehr belastend, die Ursache immer noch nicht zu wissen", sagt Sohn Arno Homburg. "Allerdings bringt uns diese Erkenntnis den Verstorbenen auch nicht wieder." Nach Beisetzung und vielen Erledigungen ergreife die Familie "mehr und mehr tiefe Trauer über den Verlust dieses wunderbaren Menschen". Der 82-Jährige sei trotz seines Alters "mitten aus dem Leben gerissen" worden, weil er bis zuletzt einen "unglaublichen Gestaltungswillen" gehabt habe: "Wie bei jedem Todesfall müssen die Hinterbliebenen erst einmal mit der Situation klarkommen und das Leben neu ordnen. Insofern spielt es am Ende für uns keine übergeordnete Rolle, wie es zustande gekommen ist."

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