Rottershausen
Einsatz

THW als Botschafter in Jordanien

Sechs Wochen arbeitete Michael Gessner vom THW-Ortsverband Bad Kissingen im Lager el Za`atari in Jordanien. Unserer Zeitung hat er von seinen Erlebnissen dort berichtet.
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Nach seiner Rückkehr nehmen Ortsbeauftragter Helmut Rink (rechts) und sein Stellvertreter Andreas Kiesel (links) Michael Gessner (Mitte), der sechs Wochen in einem Flüchtlingscamp in Jordanien half die Infrastruktur zu verbessern, froh in die Arme. Foto: Stefan Geiger
Nach seiner Rückkehr nehmen Ortsbeauftragter Helmut Rink (rechts) und sein Stellvertreter Andreas Kiesel (links) Michael Gessner (Mitte), der sechs Wochen in einem Flüchtlingscamp in Jordanien half die Infrastruktur zu verbessern, froh in die Arme. Foto: Stefan Geiger
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Inzwischen haben 120 000 bis 150 000 Menschen nach ihrer Flucht aus Syrien zumindest eine vorübergehende Bleibe in dem Lager gefunden. "Wir haben vor allem die Ver- und Entsorgung im Sanitärbereich aufgebaut. Die Menschen dort haben unsere Dienste geschätzt, da wir die einzigen waren, die sich um alles gekümmert haben", berichtet Gessner nach seiner Rückkehr.

Bereits im Oktober und November letzten Jahres weilte Gessner in dieser Auffangstation, 25 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Wie damals kamen auch diesmal täglich Familien, die ihr Hab und Gut im Assad-Regime zurückließen, um einen Neuanfang zu machen. "Das Camp ist inzwischen so gewachsen, dass es zur viertgrößten Stadt Jordaniens geworden ist. Es ist ein Kommen und Gehen. Täglich ändern sich die Zahlen", erzählt Gessner, einer von den 15 THWlern, die im Auftrag der Bundesrepublik humanitäre Hilfen einbringen. Deutschland sei der einzige Staat, der sich direkt engagiere, wobei UNICEF als Dachorganisation fungiert. Andere Länder wie Norwegen oder Japan seien als "Non-Government-Organisations" beteiligt.
"Wir vom THW genießen im Lager großen Respekt. Unsere Art Hausmeisterfunktion schätzen die Flüchtlinge. Die Wasserknappheit nahm zuletzt bei Tagestemperaturen zwischen 32 und 40 Grad immer mehr zu. Tankwagen brachten Tag und Nacht Wasser, das wir in Erdtanks speicherten", berichtet Gessner vom Alltag im Lager.

Unzufrieden, ohne Perspektive

Natürlich komme es in einem so riesigen Camp zu Spannungen wie unter verschiedenen Familienclans. "Viele Menschen wollen arbeiten, finden aber keine Stelle. Sie möchten Geld verdienen. Verständlicherweise wächst die Unzufriedenheit. Perspektiven fehlen", machte er deutlich. Am 30. Juni endete der THW-Einsatz, von der Bundesregierung festgesetzt. Die Arbeiten würden jetzt über UNICEF fortgeführt. "Die Bewohner hätten lieber gesehen, dass wir bleiben", sagt Gessner. Dafür hätten sie sogar demonstriert.
"Die Aufgabe in Nahost hat uns trotz der schwierigen Lage Spaß gemacht. Wir konnten in den sechs Wochen vielen in Not helfen, vor allem im Alltag, indem wir uns vorrangig um Toiletten bzw. Latrinen kümmerten, von denen wir jeden Tag vier aufstellten", so Gessner. Werkzeuge und Materialien habe man zurückgelassen, damit die Betreuung weiterlaufen könne. Die Unterkunft der Helfer war wie zuvor in einem Vorort der Hauptstadt Amman, 70 Kilometer vom Lager entfernt. Für Hin- und Rückfahrt fiel jeweils eine Stunde an.

Aushängeschild und Botschafter

Etwas Zeit sei am Wochenende aber auch für Sightseeing geblieben. "Wir konnten uns immer frei und sicher bewegen. Das war Ausgleich zur harten Arbeit, die wir aber gerne als praktische Nächstenliebe machten", versichert er. Gut getan habe Lob wie von Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Hans-Peter Friedrich. In Jordanien habe man wiederholt erfahren: "Das THW ist Aushängeschild und Botschafter der Bundesrepublik Deutschland."
Wie es dort nun weiter gehe, sei offen. Das THW habe ein Jahr lang sein Können in el Za`atari eingebracht. Jetzt steht eine neue Aufgabe an: 50 Kilometer entfernt entsteht in einem Wüstengebiet ein neues Camp, wo das THW wieder beim Aufbau der Infrastruktur hilft. Die Frage, ob er noch ein drittes Mal nach Jordanien gehe, ließ Gessner offen: "Das ist nur möglich, wenn Familie, Arbeitgeber und der eigene Körper mitspielen", sagte er. Gessner trägt bei der Firma Imtech in Frankfurt als Bauleiter für technische Ausstattung von Gebäuden Verantwortung. Damit bringt der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer optimale berufliche Qualifikationen mit, die für einen solchen Auslandseinsatz Voraussetzung sind.
/> "Großes Lob gilt meiner Familie und meinem Arbeitgeber, die viel Verständnis für meine THW-Aktivitäten aufbringen", würdigte er. Beim THW OV Bad Kissingen ist er seit 1993 mit dem Schwerpunkt Kraftfahrzeugwesen tätig. Sein Resümee: "Wir wurden immer freundlich und offen aufgenommen, profitierten vom Miteinander in der Gruppe und kehrten mit vielen positiven Eindrücken über Land und Leute zurück. Anderen geholfen zu haben, das hat uns allen gut getan."
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