Hausen bei Bad Kissingen
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Themenwoche Verantwortung: Damals und heute bei der Feuerwehr Hausen

Die Häusler Wehr gehört zu den ältesten um Bad Kissingen. Kommandant Bernd Czelustek erklärt, warum Ehrenamtliche schon immer wichtig waren.
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Die Männer der Hausener Wehr bei einer Übung zur 90Jahr-Feier 1960 mitten im Ort.  Archiv/ Czelustek
Die Männer der Hausener Wehr bei einer Übung zur 90Jahr-Feier 1960 mitten im Ort. Archiv/ Czelustek
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Die Freiwillige Feuerwehr in Hausen feiert nächstes Jahr ihren 150 Geburtstag und gehört damit zu den ältesten Wehren rund um Bad Kissingen. "1870 war die große Gründungsphase für Feuerwehren", sagt Kommandant Bernd Czelustek. Vorher war das Löschwesen Bürgerpflicht, oft kümmerten sich Turnerschaften um diese Aufgabe. Dann ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die heutigen Brandwachen. Wichtig für deren Entwicklung war der Ulmer Feuerwehrpionier Conrad Magirus. Von Ulm aus schwappte dann die Gründungswelle über das Land.

"In Hausen gab es vor 1870 ein Spezifikum: die Salinenfeuerwehr", berichtet Czelustek. Bevor sich die Freiwilligen Wehren in Bad Kissingen und den heutigen Stadtteilen gründeten, gab es an der Saline bereits ein eigenes Löschwesen. Die Brandgefahr war aufgrund des hohen Holzanteils im Gradierbau sehr hoch.

In der breiten Fläche haben von Beginn an ehrenamtliche Einsatzkräfte des Feuerwehrwesen getragen und einen zentralen Beitrag für die Gesellschaft geleistet. Aber: "Die Einsätze sind anders geworden", sagt der dienstälteste Kommandant im Stadtgebiet. Früher waren es hauptsächlich Brände, zu denen die Feuerwehr gerufen wurde. Heute sind Unwettereinsätze oder Unfallrettungen im Straßenverkehr viel häufiger. Ein Feuer in den Griff zu bekommen, war damals allerdings schwieriger als heute. Die enge Bebauung in den Städten, die Verwendung von Holz als wichtiges Baumaterial, die langen Alarmierungs- und Ausrückezeiten. Alles führte dazu, dass die Kameraden im 19. Jahrundert länger gebraucht haben, um einen Brand zu löschen.

Obwohl sich die technische Ausrüstung und die Ausbildung der Einsatzkräfte in den vergangenen 170 Jahren enorm verbessert haben, ist der Job nicht ungefährlicher geworden. Vom giftigen Rauch aufgrund moderner Baumaterialien bis zu Gefahrguteinsätzen. "Insgesamt sind die Gefahren sogar leider größer geworden", meint Czelustek.

Auch die Anforderungen sind gestiegen. Ein Freiwilliger Feuerwehrmann müsse den selben Aufgaben gewachsen sein, wie ein hauptberuflicher. "Die ganzen Schulungen und Fortbildungen. Das ist noch einmal etwas wie eine zweite Berufsausbildung." Czelustek ist nicht der Ansicht, dass ein Feuerwehrler dafür seine Freizeit opfert. Im Gegenteil: "Der Feuerwehrdienst macht Spaß. Es ist ein Hobby, das Erfüllung bringt", findet er.

Probleme bei Tagesbereitschaft

Dennoch haben sich wie bei allen Vereinen die Mitgliederzahlen geändert. Auch die Feuerwehren müssen um Nachwuchs kämpfen. "Die Zahl der aktiven Mitglieder - zumindest auf dem Papier - war früher höher", sagt der Hausener Kommandant. Um die Wagen, Pumpen und Spritzen zu bedienen, war mehr Manpower gefragt. Heute haben viele Feuerwehren Probleme damit, personell die Tagesbereitschaft abzudecken. Dass liegt daran, dass viele aktive Mitglieder nicht mehr am eigenen Ort arbeiten, sondern zur Arbeit pendeln. Früher hatten die Leute ihre Jobs im Ort. Da war es leichter, zu einem Einsatz gerufen zu werden.

Teil des Dorflebens

Wer sich bei der Feuerwehr engagiert, weiß, dass er Verantwortung für die Gesellschaft übernimmt. "Der Eintritt in die Feuerwehr ist freiwillig. Alles andere ist Pflicht", kommentiert Czelustek das lachend. Neben den Rettungsaufgaben erfülle die Feuerwehr auch wichtige Aufgaben in der sich wandelnden Dorfgemeinschaft. "Es geht darum, das Gefühl vom Dorfleben aufrechtzuerhalten: Wenn etwas passiert, wir rennen und helfen zusammen. Wenn es dabei hilft, ist jeder Cent in die Feuerwehr dreimal und viermal sinnvoll ausgegeben."

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