Burkardroth
Verkehr

Tabuzone Feldweg: Darum sollten Autofahrer bei Burkardroth keine Abkürzungen nehmen

Der Markt Burkardroth setzt eine Sicherheitsfirma ein, um den Verkehr auf Flurwegen zu überwachen. Das ist rechtlich erlaubt, aber nicht alle sehen es ein.
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Die Bad Kissinger Sicherheitsfirma Weingärtner notiert sich, wer auf den Flurwegen rund um Burkardroth unerlaubterweise unterwegs ist. Foto: Teresa Hirschberg
Die Bad Kissinger Sicherheitsfirma Weingärtner notiert sich, wer auf den Flurwegen rund um Burkardroth unerlaubterweise unterwegs ist. Foto: Teresa Hirschberg
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Auf frischem Rad ertappt: Wer mit dem Auto in der Gemeinde Burkardroth unterwegs ist und glaubt, roten Ampeln ein Schnippchen schlagen zu können, muss mit einer Anzeige rechnen. Seit Anfang Juli beschäftigt der Markt eine private Security-Firma, um den Verkehr auf Flurbereinigungswegen zu überwachen. Aber: Dürfen die das überhaupt?

Grund für den Einsatz ist die Sorge der Gemeinde, die Flurwege könnten während der Bauphase am Kreisel Richtung Lauter verstärkt als Abkürzung genutzt werden. Und das verbotenerweise. "Die Wege sind seit eh und je nur für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr frei", erklärt Burkardroths Erster Bürgermeister Waldemar Bug (ÖDP). Da die Wege schmal geschnitten sind, müssen Fahrer bei Gegenverkehr auf die Wiesen ausweichen. Die Folge: Der grüne Seitenstreifen leidet. Zudem hätten sich Anwohner über die "recht flotte" Fahrweise mancher Schleichwegnutzer beschwert.

Markt Burkardroth beschäftigt Sicherheitsfirma

Bisher wurde kaum darauf geachtet, wer tatsächlich auf den Flurwegen rund um Burkardroth unterwegs ist. Die Polizei verfüge nicht über die nötige "Manpower", um Beamte bereitzustellen. Und auch von Seiten der Marktgemeinde sei die Fahrzeugaufsicht nicht machbar, meint Waldemar Bug. "Das wäre ein Heidenaufwand und an anderer Stelle bleibt die Arbeit dann liegen." Deshalb habe Burkardroth mit dem Bad Kissinger Wach- und Schließinstitut Weingärtner einen "Erfüllungsgehilfen" beauftragt, den der Markt aus seinem Haushaltsbudget bezahlt.

An den Feldwegen zwischen Zahlbach und Waldfenster beziehungsweise Stralsbach steht seitdem regelmäßig ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma bereit. Im Zwei-Stunden-Block seien seine Leute unterwegs, erzählt Geschäftsführer Armin Henz. "Der Markt schickt uns einen Plan für zwei, drei Wochen und dann positionieren wir einen Fachmann an vorgegebener Stelle." Feste Termine gebe es dafür nicht. Die würden sich sonst rumsprechen. Erfahrung mit der Aufsicht von Parklätzen und gesperrten Straßen habe die Firma Weingärtner bereits, die Überwachung von Flurwegen sei dagegen ein Novum.

Kennzeichen auf Flurwegen notiert

Die Kennzeichen vorbeifahrender Autos werden notiert und abfotografiert, damit sich später kein Fehler einschleicht. Hier kann Armin Henz beruhigen: Auf die Fotos kommt lediglich das Kennzeichen, nicht wer hinterm Steuer sitzt. "Das wäre datenschutzrechtlich gar nicht erlaubt." Außerdem werden Fahrzeugfarbe, -typ, Datum, Uhrzeit und Fahrtrichtung erfasst. Die Sicherheitsleute leiten die gesammelten Daten dann an den Markt weiter. Der wiederum prüft, ob für die Kennzeichen eine Ausnahmeregelung vorliegt. Das sei bei einzelnen Landwirten, Jägern und Imkern der Gemeinde der Fall, erklärt Lothar Manger von der Bad Kissinger Polizeiinspektion. Wenn nicht, kommt es zur Anzeige.

Aus rechtlicher Sicht sei dies vollkommen in Ordnung: "Es ist faktisch ein Jedermannsrecht, eine Ordnungswidrigkeit zu dokumentieren und weiterzuleiten", erklärt Manger. Und Waldemar Bug ergänzt: "Das könnte theoretisch auch jeder privat machen, der dort spazieren geht." Was die Sicherheitsfirma nicht darf und auch nicht tut: Autos anhalten und nach Führerschein, Fahrzeugdokumenten und Ähnlichem verlangen. Denn das wäre eine Fahrzeugkontrolle und obliegt der Polizei.

Kreiselbau zwischen Burkardroth und Lauter

Doch nicht alle Fahrer wollen einsehen, dass diese Vorgehensweise rechtlich erlaubt und von der Polizei abgesegnet ist: "An das Schild muss ich mich nicht halten. Es hat keine Nummer und ist daher nicht offiziell", beschwert sich beispielsweise ein Autofahrer hinter heruntergelassener Fensterscheibe. Das stimmt jedoch nur zum Teil: Maßgeblich sei tatsächlich nur das Schild 260 zum Verbot für Kraftfahrzeuge und Krafträder, erläutert Lothar Manger. "Das neue Kontrollschild ist ein nicht amtlicher Hinweis und hat verkehrsrechtlich keinerlei Bedeutung." Die Schilder seien nur eine zusätzliche Erinnerung an das geltende Fahrverbot auf Flurwegen, die der Markt fairerweise aufgestellt habe.

Das unerlaubte Befahren der Feldwege rund um Burkardroth habe mittlerweile eindeutig abgenommen, meint Waldemar Bug. "Wir sind nicht ganz auf null, aber wir sind uns bewusst, dass wir das gar nicht schaffen können." Die Firma Weingärtner bleibt weiterhin im Einsatz, bis die Bauarbeiten am Kreisel abgeschlossen sind. Oder sogar länger. "Es ist nicht auszuschließen, den Verkehr später noch mal sporadisch und an anderen Stellen zu überwachen", stellt Waldemar Bug in Aussicht.

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