In der Küche brutzeln keine Schnitzel, keine Bratwürste und keine Bratkartoffeln. Heute gibt es "Kibbeh" und "Fattoush": Syrische Fleischklöße mit Salat. Familie Herterich aus Ebenhausen kocht einmal im Monat gemeinsam mit einer syrischen Familie, für die sie eine Patenschaft übernommen haben. "Die Gerichte sind sehr lecker", sagt Conny Herterich, "aber etwas aufwendiger als die deutsche Küche." Doch wie kam es zum gemeinsamen Kochen?

Für gewöhnlich hilft Conny Herterich vor allem bei Behördengängen. Einmal besuchte sie die syrische Familie, als dort gerade gekocht wurde. Als Dank für ihre Hilfe wurde sie zum Essen eingeladen. Daraus entstand die Idee öfter gemeinsam zu kochen.

"Weil es so gut geschmeckt hat, haben wir nach den Rezepten gefragt", sagt Conny Herterich. Und diese Rezepte fanden nun den Weg in ein internationales Kochbuch. "Rezepte für ein besseres Wir." heißt es und kann noch bis Sonntag, 30. November, im Internet bestellt werden. Das Projekt wird durch "Crowdfunding", also auf Basis von Spenden, finanziert.

Vorurteile und Termindruck

Gerade durch die gemeinsamen Abendessen hat Souzan Kouru ihre Meinung über die deutschen geändert. "Ich dachte vorher, die Deutschen wären kalt und steif", erzählt sie, "aber hier sind alle Menschen freundlich." Außerdem habe sie geglaubt, dass die Deutschen nicht sehr gesellig seien und lieber für sich blieben.

Die größte Herausforderung für Souzan Kuoru sind die Termine. "Wenn ich einen Termin habe, habe ich Stress", sagt sie. Das seien sie und ihre Familie nicht gewohnt. In Syrien habe man kaum Termine gehabt und brauchte nicht so viele Papiere. Mit dem Papierkram hilft Conny Herterich und zwei Mitarbeiter der Caritas. "Das waren am Anfang schon viele Behördengänge", erzählt sie. Alleine wäre das für Menschen, die erst so kurz in Deutschland sind, gar nicht machbar gewesen.

Familie wieder vereint

Schon seit Dezember 2013 sind Souzan und ihre zwei Kinder Jad und Sama in Deutschland. Doch erst im Juli 2014 durfte ihr Mann Salah dank der Regelung des Familiennachzugs einreisen. Im November fand die Familie schließlich mit Hilfe ihrer Paten die erste eigene Wohnung - in Ebenhausen, wo sie sich mittlerweile sehr wohl fühlen.

Die Wohnung zu finden war aber nicht gerade einfach. "Wir mussten lange suchen", sagt Conny Herterich. Die Situation sei schwierig, da die Finanzierung über das Jobcenter läuft und nicht jede Wohnung, die in Frage kommt, im vorgesehenen Budget liegt. Zudem wären einige Vermieter skeptisch, weil sie nicht sicher sind, dass die Wohnung auch langfristig gemietet wird. Denn schließlich besteht immer die Möglichkeit, dass die Asylbewerber Deutschland wieder verlassen müssen.

Die Visa von Souzan Kouru und ihren Kindern gelten zunächst für drei Jahre. Ihr Mann darf vorerst 18 Monate bleiben. Doch im Moment bleibt keine Zeit, sich lange über die Visa Gedanken zu machen. Eine neue Sprache muss gelernt werden. Das passiert nicht nebenbei. Jeden Morgen fahren Souzan und Salah mit dem Zug zum Sprachunterricht nach Schweinfurt.

Deutsch lernen im Eiltempo

Der Sprachunterricht beginnt um 8.30 Uhr und dauert vier Stunden. In dieser Zeit müssen die Kursteilnehmer hochkonzentriert sein, denn meist geht es sehr schnell voran mit dem Unterrichtsstoff. "Zehn Seiten im Buch in zehn Minuten", sagt Souzan Kuoru. Sie und ihr Mann können sich aber auch auf Englisch verständigen, wenn mal ein Deutsches Wort fehlt.

Beim gemeinsamen Kochen gibt es daher wenig Verständigungsprobleme. Und falls doch, gibt es ja noch das Internet, um einzelne Wörter aus dem arabischen ins Deutsche zu übersetzen. Conny Herterich ist jedenfalls sehr froh, die Patenschaftfür die Familie übernommen zu haben. "Ich empfinde es als große Bereicherung einen Einblick in ihre Kultur zu erhalten", sagt sie, "und diese Menschen geben ganz viel zurück."