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Sulzthal
Corona-Virus

Sulzthal: Wie lebt es sich in Quarantäne?

Familie M. muss noch mindestens bis Sonntag zuhause bleiben. Weshalb sie zunehmen und warum auch die Pflegeberufe darunter leiden: Ein Interview mit Mutter Isa M.
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Während sich im Bundeswirtschaftsministerium Experten mit den Auswirkungen des Corona-Virus beschäftigen, überlegt Familie M. in Sulzthal, wie sie die nächsten Tage in Quarantäne verbringen wird. Dank der Nachbarn müssen sie nicht hungern. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Während sich im Bundeswirtschaftsministerium Experten mit den Auswirkungen des Corona-Virus beschäftigen, überlegt Familie M. in Sulzthal, wie sie die nächsten Tage in Quarantäne verbringen wird. Dank der Nachbarn müssen sie nicht hungern. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Rausgehen, sich die Füße vertreten, einkaufen, ins Kino - für Familie M. aus Sulzthal ist das momentan alles verboten. Seit 2. März sind Hans M. (26), sein Bruder Holger (33) und seine Mutter Isa (57, alle Namen geändert) in Quarantäne. Die Freundin des älteren Bruders hat der Hausarrest auch getroffen, auch wenn nur Hans M. vom Corona-Virus betroffen ist. Eine kurz Nachfrage: Wie geht"s Ihnen

?

Isa M.: Nicht so besonders gut, ich habe Reizhusten, der zunehmend besser wird. Aber kein Corona! Es ist eine leichte Erkältung. Bevor das hier alles angefangen hat, war ich bei minus 17 Grad auf der Zugspitze, da habe ich mir das wohl zugezogen.

Bei Reizhusten soll ja auch frische Luft helfen...

...davon haben wir gerade nicht viel: Wir müssen drin bleiben, da Hans positiv auf Corona getestet worden ist.

Wie geht es ihm?

Schon besser, er hat kein Fieber mehr, der Auswurf ist allerdings üppig, was momentan aber gut ist. Aber näher als zwei bis drei Meter kommen wir Hans momentan nicht. Er ist ja leider von uns allen am meisten eingeschränkt. Tatsächlich habe ich auch Angst davor, mich anzustecken, da ich momentan ja schon durch die normale Erkältung geschwächt bin. Hustensaft haben uns nette Nachbarn vorbeigebracht.

Wie läuft denn so eine Übergabe ab?

Es wird alles vor die Haustür gestellt, wir lassen niemanden rein, auch den Postboten nicht. Die Nachbarn und Bekannte sind toll, die stellen uns - jetzt, nachdem die Hemmschwelle überwunden wurde - Essenspakete vor die Haustür. Und keiner vergisst, Seelenstreichler mit einzupacken: So essen wir den ganzen Tag Schokolade und Gummibärchen und werden dicker. Ohne Nachbarn, Freunde und Familie waere wir aufgeschmissen.

Was machen Sie denn den ganzen Tag?

Nachdem es Hans besser geht, kann er sich ganz seiner Stellensuche widmen. Er hat Computational Finance studiert und bewirbt sich gerade europaweit. Ein Skype-Interview wurde wegen des Hustens abgesagt.

Aber man kann doch nicht den ganzen Tag vorm Computer sitzen.

Wir versuchen, uns anderweitig zu beschäftigen

Und Sie? Ist Ihnen die Decke schon auf den Kopf gefallen?

Noch nicht, denn ich kann bedingt von zuhause aus arbeiten. Mein Chef hat mir einen Laptop mitgegeben. Ich arbeite bei den amerikanischen Streitkräften und mein Chef hatte sehr schnell reagiert. Aber es stimmt, der Radius ist wirklich ziemlich klein, wenn man die eigenen vier Wände nicht verlassen darf. Morgen fange ich an, meinen Kleiderschrank auszusortieren - jetzt kommt man zu Dingen, für die man vorher keine Zeit hatte. Trotzdem ist die Quarantäne natürlich auch ärgerlich. Mein älterer Sohn und seine Freundin arbeiten im sozialen Bereich, hier fehlen jetzt dadurch zwei Fachkräfte für über zwei Wochen.

Bekommen Sie genügend Unterstützung?

Ja von Nachbarn, Freunden und von meinem Bruder. Sogar der Bürgermeister von Sulzthal, der hat uns auch angerufen und gefragt, was wir brauchen und wie es uns geht.

Das ist außerordentlich nett von ihm.

Stimmt! Einen Orden hat allerdings unser Hausarzt Dr. Dominik Lemmerich verdient. Der hat sich um die Tests gekümmert, hat uns am Sonntagabend angerufen, um uns die Ergebnisse zu sagen.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Die Quarantäne geht bis einschließlich Sonntag. Am Montag werden wir erneut getestet und die Quarantäne besteht weiter, bis wir die Test Ergebnisse erhalten

Wir halten Ihnen die Daumen und wünschen gute Besserung, für den Corona-Patienten wie auch für Ihren Husten.

Dankeschön. Wir hoffen auch, dass es bald vorbei ist - so viele Schränke zum Aufräumen habe ich ja auch wieder nicht.