Bad Kissingen
Bauausschuss

Unterfranken/Bad Kissingen: Heftiger Streit um Weinfest zwischen Stadt und Ausrichter - was steckt dahinter?

Die Serie der Auseinandersetzungen zwischen der Heiligenfeld GmbH und der Stadt Bad Kissingen reißt nicht ab. Jetzt ist heftiger Streit um ein Weinfest entbrannt. Stadt und Gastronome kritisieren den Zeitpunkt. Das Unternehmen sieht dagegen keine Probleme.
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Die Heiligenfeld GmbH wollte als Betreiber der Regionalvinothek im Alten Rathaus während der Offroadmesse ein Weinfest auf dem Marktplatz ausrichten. Symbolbild: Yutacar/unsplash.com
Die Heiligenfeld GmbH wollte als Betreiber der Regionalvinothek im Alten Rathaus während der Offroadmesse ein Weinfest auf dem Marktplatz ausrichten. Symbolbild: Yutacar/unsplash.com

Der Ton wird schärfer: "Neid und Missgunst regieren Bad Kissingen" - das ist der Titel einer Pressemitteilung, mit der die Heiligenfeld GmbH am Donnerstag auf eine Entscheidung des städtischen Bauausschusses vom Mittwoch reagierte. In der Sitzung hatten die Ausschussmitglieder nach längerer Debatte einstimmig den Antrag der Heiligenfelder abgelehnt, als Betreiber der Vinothek im Alten Rathaus vom 20. bis zum 23. Juni auf dem Marktplatz, ein Weinfest ausrichten zu dürfen.

Kernproblem ist der Zeitpunkt: Gastronome befürchten Gästerückgang - Vorschlag zum Kompromiss

Wie der für die Wirtschaftsförderung im Bereich Handel und Gastronomie zuständige Klaus Bollwein im Ausschuss berichtete, haben sich 21 Wirte aus der Kissinger Innenstadt zusammen gegen die Pläne der Heiligenfelder gewandt, das Weinfest an den Tagen auszurichten, an denen die Abenteuer & Allrad läuft. Durch die zahlreichen auswärtigen Gäste der Offroadmesse seien das lukrative Tage. Wenn da ein Anlieger den Marktplatz für sich alleine beanspruche, müssten die anderen Gastronomen am Marktplatz dort ihre Bestuhlung entfernen. Zudem ziehe ein Weinfest auch Geschäft von Gastronomen jenseits des Marktplatzes ab.

"Zu einem anderen Zeitpunkt würden die Gastronomen das Weinfest begrüßen", ergänzte Bollwein in der Diskussion und beschrieb damit eine der denkbaren Kompromisslinien für das Thema. Einen anderen Ansatz zur Einigung favorisierte Stadtrat Sigismund von Dobschütz. Es gehe doch letztlich um die Wirte am Marktplatz. Vielleicht sei es ja möglich, dass Kissvino zwar zusätzliche Sitzgelegenheiten für Gäste aufstelle, die anderen Gastronomen vor Ort aber ihre Stühle stehen lassen können. So sei eventuell am Ende allen gedient. Einer der Gastronomen am Marktplatz habe ja offenbar auch keine Einwände gegen das Weinfest.

Einige Stadträte halten Angelegenheit noch nicht für erledigt - Heiligenfelder offenbar nicht kompromissbereit

Oberbürgermeister Kay Blankenburg und andere Ausschussmitglieder zeigten Bereitschaft, entsprechende Signale an die Heiligenfelder zu senden, die aber ohnehin mit Beobachtern am Rande der Sitzung vertreten waren. Es gab jedoch auch Stadträte, die die Angelegenheit noch nicht für erledigt halten, wenn nur die Gastronomie am Marktplatz einbezogen ist. Das Hauptproblem sei der Zeitpunkt, meinte etwa Michael Heppes.

Verfahrenstechnisch führte aber aus Sicht von Blankenburg und Gerhard Schneider, dem geschäftsleitenden Beamten der Stadt, kein Weg an der Ablehnung des vorliegenden Antrags vorbei. Selbst wenn die Heiligenfelder bereit seien, die Signale aufzunehmen und eine Einigung mit anderen Gastronomen zustande komme, sei dafür eine neuer Antrag nötig. Die Pressemitteilung der Heiligenfelder macht aber nicht den Eindruck als ob das Unternehmen daran ein Interesse hat. In dem Schreiben pocht die Heiligenfeld GmbH auf das nach ihren Angaben im Pachtvertrag über die Vinothek festgeschriebene Recht "ein Weinfest durchzuführen". Die einstimmige Entscheidung durch den Bauausschuss sei "völlig gegen jeglichen Verstand und jegliche Vernunft getroffen" worden. Sie schade den Winzern, die teilnehmen sollten, und sie schade den Gewerbetreibenden der Stadt, "weil so ein Weinfest viele Besucher anzieht".

Eigentlich habe es sich bei der Entscheidung der Stadt um einen "reinen Verwaltungsakt" gehandelt. Das Thema in den Bauausschuss zu bringen, "und dann dahin zu wirken, dass dieser dagegen stimmt, ist für die Heiligenfeld GmbH eine manipulative Verhaltensweise des Oberbürgermeisters". Der könne sich jetzt "natürlich auch hinter dem Beschluss des Ausschusses verstecken".

Heiligenfeld GmbH kritisiert Kommunikation: Gab keine Anzeichen für ein Problem mit dem Weinfest-Plan

Wenn die Stadtverwaltung schon Zweifel gehabt habe, kritisiert die Heiligenfeld GmbH, hätte sie auf das Unternehmen zukommen sollen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens sei im "ständigen Gespräch" mit dem zuständigen Beamten gewesen. Der habe aber nie auch nur angedeutet, dass es ein "Problem mit der Genehmigung" geben könnte. In diesem Punkt gehen die Darstellungen von Stadt und Heiligenfeldern auseinander.

Klaus Bollwein erklärte, er habe einem Mitarbeiter der Heiligenfelder rechtzeitig mitgeteilt, dass er den Termin während der Abenteuer Allrad für die Gastronomie auf dem Marktplatz für unglücklich halte. Der Oberbürgermeister ergänzte, die Stadt sei durchaus aktiv geworden. Ein städtischer Vertreter habe deutlich gemacht, dass es "Schwierigkeiten gäbe", wenn die Heiligenfelder "nur allein im Boot" säßen. Danach habe man in der Sache lange nichts mehr von den Heiligenfeldern gehört.

Antwort auf Kritik: Bürgermeister Blankenburg bezieht Stellung

Zu den heftigen Anwürfen in der Pressemitteilung äußerte sich das Rathaus am Donnerstag auf Anfrage nicht. Ganz am Ende der Ausschusssitzung nahm Blankenburg aber zu einer anderen Kritik der Heiligenfelder aus dieser Woche Stellung. Dr. Joachim Galuska, "Gründer und Geschäftsführer der Heiligenfeld GmbH", habe da OB und Stadtrat wegen ihres Vorgehens in Bezug auf das Projekt Wald und Gesundheit kritisiert, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Kurorte und Heilbäder hätten sich für die Teilnahme an diesem Projekt bewerben können, die Frist dafür sei aber zum 6. Mai abgelaufen. OB und Stadtrat hätten "diese einmalige Chance verstreichen lassen und keine Bewerbung abgegeben", heißt es in der Pressemitteilung. Das, so Galuska, zeige "ein Desinteresse an der Weiterentwicklung der Kurstadt".

Anderes Projekt der Staatsregierung wohl passender: Bad Kissingen erst einmal nur bei Green Care

Blankenburg erklärte dazu auf eine Anfrage in der Sitzung, es gebe parallel zu dem Projekt Wald und Gesundheit ein Projekt der Staatsregierung, Green Care, das eher auf die Biosphärenreservate gerichtet sei.

Die Stadt habe sich in Absprache mit der Staatsbad GmbH entschieden, nur an einem der beiden teilzunehmen, eben an Green Care. Bei Wald und Gesundheit sei Bad Kissingen jetzt in der Pilotphase nicht dabei. Später könne es aber immer noch einsteigen.

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